Für Theo Siemer ist Markhausen eine Herzensangelegenheit
"Theo, das kannst du wohl machen", hörte er häufig, wenn es um die Besetzung von Posten und Funktionen ging. Der 58-Jährige war Chef des Musikvereins und führt aktuell den Heimatverein.
Digitaler Wandel: Theo Siemer an der alten Rechenmaschine aus der Schmiede. In die "Heimatstaomd" soll nun aber auch modernes Gerät einziehen. Fotos: Claudia Wimberg
„Gerade habe ich gelesen, dass monatlich 20 Millionen Menschen im Land geimpft werden“, sagt Theo Siemer beim Gang in die gute Stube. „Wenn das stimmt, könnte es mit der Kirmes klappen“, fügt er augenzwinkernd hinzu und schenkt Kaffee ein.
Glauben kann er diese Verkündigung zwar nicht ganz, doch die Hoffnung auf bessere Zeiten bleibt. Und sollte es im Juli noch nicht mit den „Bisseken“ als Volksfest klappen, dann doch zumindest mit kleinen Veranstaltungen, „die wir hier stattfinden lassen wollen“, wünscht sich der Vorsitzende des Heimatvereins Markhausen lebendiges Leben für die „Heimatstaomd“ als attraktives und großzügiges Domizil. Seit einem Jahr steht Siemer an der Spitze des Vereins, „und seit einem Jahr muss ich nur Absagen verkünden, obwohl es Ideen ohne Ende gibt“, spricht der 58-Jährige auch für seine kreativen Vorstandskollegen.
So wirklich gefragt, ob er Nachfolger von Josef Trenkamp werden will, wurde er Ende 2019 wieder einmal nicht. „Theo, das kannst du wohl machen“, hörte er stattdessen wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten, wenn es um die Besetzung von Posten oder Funktionen ging.Denn dass es kann, bewies Theo Siemer schon als Grundschüler in der Kirche. Pfarrer Bokern suchte unter Viertklässlern Lektoren, der junge Theo machte seine Sache auf Anhieb gut und hatte keine Angst vorm öffentlichen Auftritt.
Mit 23 für die nächsten 24 Jahre Vorsitzender
„Du kennst das ja“, hieß es dann im Musikverein, wenn Auszeichnungen und Glückwünsche anstanden. Die Mitgliedschaft war Ehrensache, denn schon Vater und Großvater trafen dort den Ton. Sohn und Enkel wurde mit 18 Jahren Kassenwart, mit 23 für die nächsten 24 Jahre Vorsitzender und hält dem Verein bis heute als Baritonspieler die Treue.
Nachwuchssorgen kennen die Markhauser nicht und für die vielen jungen Mitglieder ist manch kilometerweiter Festmarsch kein Problem. „Im Gegensatz zur alten Garde“, gesteht ihr Ehrenvorsitzender lächelnd, vor allem, wenn er an Teilnahmen im Ammerland denkt, die mit zum Teil „weiten Wegen“ verbunden seien. „Unser Schützenfest ist nichts dagegen.“
Streckenrekorde wollte er allerdings schon zu VfL-Zeiten nicht aufstellen. Bis zur A-Jugend stand er dort auf dem Platz, genau gesagt im Tor, „weil man sich auch da wenig bewegen musste.“ Bewegen möchte er vielmehr etwas in und für seine Heimat. Über seine Tätigkeit im Musikverein kam er zur Organisation der „Markhüser Bisseken“, fing dort als „Schafbock-Bevollmächtigter“ an und war am Ende für die tierische Versteigerung, Show und Logistik als Gesamtpaket zuständig.
In diesem Zusammenhang erinnert er sich gerne an die „Zillerjäger Talerschürzen“, eine Combo, mit der er nicht nur bei den Bisseken, sondern ob des Erfolgs auch bei Events in der Region sowie beim Kreismusikfest auftrat. „Das hat einen riesigen Spaß gemacht.“
Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb als erstes Kind geboren und mit drei Geschwistern aufgewachsen, übernahm Theo Siemer den Hof, den er heute als Nebenerwerb führt und darüber hinaus als Milchleistungsprüfer unterwegs ist. Beruf und Ehrenamt füllen ihn vollständig aus, „da braucht es kein Hobby mehr“, sagt Siemer und setzt sich an den Schreibtisch vom alten Schmied Herbert Weß, der ebenfalls in der „Staomd“ steht.
Kulturgut in Markhausen: Theo Siemer (links) und Gerhard Gehlenborg vor der Gehlenborgschen Scheune.
Wie berichtet, möchte der Heimatverein das Schmiedegelände als Kulturstätte aktivieren. „Digitalisierung vollzogen“, kommentiert der Vereinschef schmunzelnd, als er die historische Rechenmaschine und eine Kamera in die Hand nimmt und leitet zum modernen Gerät über, mit dem die Mitglieder nun einen Raum weiter ein Büro einrichten möchten.
Spannend die Historie des rund 1000 Jahre alten Ortes
Dort wollen sie auch die erste Dorfchronik konzipieren, die jedoch nicht wenigen Autoren allein überlassen werden soll. Nach den Vorstellungen des Vorstandes sollen sich beispielsweise die Bewohner der Siedlungen beteiligen und die Geschichte ihrer Wohngegend recherchieren. Spannend auch die Historie des über 1000 Jahre alten Ortes, der komplett von Wald umgeben ist. So dicht, „dass man nach dem großen Sturm hätte annehmen können, Markhausen sei erst 1972 gegründet worden, weil wir beim Blick von oben endlich zu sehen waren“, hatte er mal in einem Grußwort zum Besten gebracht. „Bloß nicht bierernst“, lautet da die Devise, „die Leute müssen auch was zum Lachen haben.“
Junge Leute möchte Theo Siemer für den Heimatverein und die Erstellung der Chronik gewinnen. „Ganz wichtig, sonst gibt es keine Zukunft“, sagt der Vorsitzende. Und auch wenn er selbst seine Posten eher mit dem „Theo du kannst das wohl“ erhalten habe, „gewehrt habe ich mich nicht, weil ich es gerne mache.“
Lektor ist er übrigens geblieben und steht heute dreimal im Jahr am Altar: „Ostern, Pfingsten und Weihnachten immer am zweiten Feiertag.“