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Frauentag am 8. März: Friesoytherinnen sind sich uneinig über Notwendigkeit

Braucht es 2022 noch den Internationalen Frauentag? Oder heißt es heutzutage besser Feministischer Kampftag? Das hat OM-Online Friesoyther Frauen gefragt.

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Gutes Geschäft: Am 8. März machen Blumenläden einen guten Umsatz. Symbolfoto: dpa/Stratenschulte

Gutes Geschäft: Am 8. März machen Blumenläden einen guten Umsatz. Symbolfoto: dpa/Stratenschulte

Während einige Frauen am Internationalen Frauentag Blumen geschenkt bekommen, gehen andere am Feministischen Kampftag auf die Straße, um für Gleichberechtigung und Emanzipation zu demonstrieren. Beides findet am 8. März statt, es sind bloß unterschiedliche Bezeichnungen, die mit einem anderen Verständnis des Feiertags einhergehen. OM-Online hat bei Frauen in Friesoythe nachgefragt, ob dieser Tag in der heutigen Zeit noch benötigt wird.

"Wir brauchen ihn immer noch", meint Pia van de Lageweg. Das zeige die große Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Im vergangenen Jahr haben Frauen in Niedersachsen im Durchschnitt 19 Prozent weniger als Männer verdient, belegen neue Zahlen des Statistischen Landesamts. Der "Equal Pay Day" findet immer an einem anderen Datum statt – das soll verdeutlichen, wie viel länger Frauen arbeiten müssen, um den gleichen Lohn zu bekommen. Erst an einem "Equal Pay Day" am 1. Januar wäre der sogenannte Gender-Pay-Gap überwunden. 2022 war er am 7. März.

"Es gibt weltweit noch genug Länder, in denen Frauen nicht die gleichen Rechte haben."Pia van de Lageweg

"Dafür gibt es keinen Grund, vor dem Gesetz sind wir gleich", erklärt van de Lageweg dazu. Den Begriff Kampf halte sie zum jetzigen Zeitpunkt für falsch, aber es sei trotzdem wichtig, um Lösungen und Gleichberechtigung zu ringen. „Es gibt weltweit noch genug Länder, in denen Frauen nicht die gleichen Rechte haben."

Streik: In den Großstädten finden am Frauentag jährlich Demonstrationen für Gleichberechtigung und Emanzipation statt. Symbolfoto: dpaMuratStreik: In den Großstädten finden am Frauentag jährlich Demonstrationen für Gleichberechtigung und Emanzipation statt. Symbolfoto: dpa/Murat

Friesoythes Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers wiederum findet es befremdlich, dass es einen bestimmten Tag gebe, an dem man auf die besondere Situation der Hälfte der Menschheit hinweist. "Es gibt Länder und Kulturen, da ist das sicher nötig", sagt auch sie. "Aber bei uns sollte das jede Frau für sich selbst in die Hand nehmen können."

Auch die viel zitierte "gläserne Decke", die Frauen den beruflichen Aufstieg erschwere, sieht sie skeptisch. "Ich habe diese gläserne Decke nie so gespürt, und wenn, dann hat mich das eher motiviert als abgeschreckt." Möglicherweise liege der geringe Frauenanteil in Führungspositionen auch an anderen Schwerpunkten oder daran, dass auf dem Weg dorthin Verhaltensweisen gefragt seien, die Frauen eher ablehnen. "Vielleicht haben sie da einfach keinen Bock drauf", sagt Hamjediers.

Tag geht auf Vorschlag der deutschen Sozialistin Clara Zetkin zurück

Der Weltfrauentag fand erstmals 1911 statt, seit 1921 immer am 8. März. Das vorrangige Ziel der Frauen war damals das Wahlrecht, den Vorschlag eines internationalen Tages machte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin in Anlehnung an einen Frauentag in den USA. Der Begriff "Feministischer Kampftag" wurde dagegen erst in den vergangenen Jahren geprägt, unter anderem durch das Buch "Feminism for the 99%". Demnach gehen die Massen-Streiks, deren Forderungen über gleichen Lohn hinausgehen, auf Demonstrationen in Lateinamerika gegen Gewalt an Frauen zurück.

"Es darf ruhig immer Frauentag sein."Heike de Buhr

In Friesoythe ist die neue Bezeichnung allerdings noch nicht angekommen. Für Katharina Lamping hat der Begriff eher eine negative Konnotation, für einen Tag, der etwas Positives bewirken soll. Die 21-Jährige findet den Internationalen Frauentag wichtig: "Jeder Tag, der die Intention hat, auf Missstände einzugehen, ist sinnvoll." Auch Heike de Buhr hält den Namen Feministischer Kampftag für eine Fehlinterpretation des 8. März. "Es sollte ein Miteinander und kein Kampf zwischen Frauen und Männern sein."

Ansonsten findet de Buhr den "Feiertag" toll, da fühle sie sich besonders wertgeschätzt. "Es darf ruhig immer Frauentag sein", sagt sie. Silke Diekhaus macht das dagegen von keinem Tag abhängig. „Ich fühle mich als Frau genug wertgeschätzt“, sagt sie. Sie sehe in Deutschland keine Notwendigkeit für den Frauentag, in anderen Ländern werde er mehr gebraucht. Beide Frauen sind sich aber einig, dass der Gender-Pay-Gap hinfällig werden sollte. "Frauen leisten genau so viel wie Männer", sagt Diekhaus. "Sie sollten auch dementsprechend entlohnt werden."

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