Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Fabio braucht eine Stammzellenspende

Der 14-Jährige aus Cappeln hat eine aplastische Anämie. Diese seltene Knochenmarkerkrankung kommt unter einer Million Menschen nur ein- bis zweimal vor. Jetzt wird ein Spender gesucht.

Artikel teilen:
Möchte wieder ein normales Leben haben: Fabio aus Cappeln. Foto: Nilling

Möchte wieder ein normales Leben haben: Fabio aus Cappeln. Foto: Nilling

Die Diagnose im Dezember war für Fabio und seine Familie ein Schock: Aplastische Anämie hatten die Ärzte bei ihm festgestellt. Dabei handelt es sich um eine schwere Knochenmarkerkrankung, die unter einer Million Menschen ein- bis zweimal vorkommt. Damit wurde von jetzt auf gleich das ganze Leben auf den Kopf gestellt.

Der Cappelner darf sich nicht mit Freunden treffen und war schon lange nicht mehr in der Schule. Kino, Schwimmbad oder der Besuch im Fastfood-Restaurant: All das, was Jugendliche in seinem Alter machen, ist tabu. "Wenn er nicht im Krankenhaus ist, ist er zu Hause", sagt seine Mutter Melanie Nilling. "Er hat nach einer immunsuppressiven Therapie momentan kein Immunsystem. Er darf nur mit uns Kontakt haben und auch dabei müssen wir besonders wegen Corona aufpassen." Der gesamte Alltag gestaltet sich nur zu Hause.

Seine Schwestern kommen als Spender nicht infrage

Der Ansatz  hinter der immunsuppressiven Therapie war ein Herunterfahren des Immunsystems mit der Hoffnung, dass dieser Neustart das Knochenmark anregt, wieder Blutzellen zu produzieren. Die Hoffnung hat sich zerschlagen und deshalb wird nun nach einem Fremdspender gesucht. In der eigenen Familie kommen nur Geschwister infrage und die 9-jährigen Zwillinge bringen nicht die erforderlichen Merkmale mit.

Die Hoffnung ruht nun auf einem Stammzellenspender. Bislang wurde in der Spenderdatenbank noch kein genetischer Zwilling gefunden. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) als eine der größten ihrer Art beinhaltet etwa 11 Millionen Datensätze, und damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass für Fabio jemand gefunden wird, ist dort ein Aufruf gestartet worden. Parallel wird in sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten zur Registrierung aufgerufen. Auch seine Schule, die OBS Marienschule in Cloppenburg, engagiert sich und will unter anderem mit Flyern für die gute Sache werben. 

Jeder kann sich vom Sofa aus registrieren

In anderen Fällen hat es im Oldenburger Münsterland schon große Typisierungaktionen gegeben, zu denen Hunderte gekommen waren. Die Pandemie lässt so etwas gegenwärtig nicht zu, doch das muss niemanden davon abhalten, sich eintragen zu lassen. Es geht bequem vom Sofa aus. Unter www.dkms.de kann sich jeder ein Registrierungsset nach Hause schicken lassen. War vor Jahren noch eine Blutprobe nötig, reicht heute ein einfacher Wangenabstrich, der in den eigenen vier Wänden gemacht werden kann. Die Probe wird zurückgeschickt, alles Weitere übernimmt die DKMS.

Familie und Freunde haben die Hoffnung, einen passenden Kandidaten zu finden. Erfolgsgeschichten dazu gibt es viele, auch aus dem Oldenburger Münsterland. Frauen und Männer, die anderen Menschen die lebenswichtige Spende gegeben haben. An Unbekannte und ohne eine Gegenleistung einzufordern, damit diese Menschen wieder ein normales Leben führen können.

Für Fabio ist das momentan alles andere als normal. Drei- bis viermal am Tag bekommt er seine Medikamente. Alle zwei Tage wird er zur Blutkontrolle nach Oldenburg gefahren. Am Essenstisch sitzt er gemeinsam mit seinen Schwestern und Eltern. "Wenn jemand aber beispielsweise Grippesymptome hat, dann essen wir nicht zusammen", erklärt die Mutter. Der Kontakt zu Freunden läuft digital. Das Internetzeitalter macht es möglich, dass man über Spielekonsolen Filme gemeinsam schauen kann, auch wenn man nicht im selben Raum sitzt. Gezockt wird ebenfalls online miteinander. 

"Fabio wünscht sich nichts mehr, als seine Freunde zu treffen."Melanie Nilling, Mutter von Fabio

Es soll aber der Tag kommen, an dem seine Freunde wieder gemeinsam mit ihm die Chicken-Nuggets im Burger-Restaurant verdrücken und auf dem Fußballplatz kicken können. "Fabio wünscht sich nichts mehr, als seine Freunde zu treffen, den Alltag zu genießen, die Schule zu besuchen und vor allem, ohne Sorgen und Ängste einzuschlafen und aufzuwachen", wirbt Melanie Nilling um möglichst viele Menschen, die sich in der Spenderdatei registrieren lassen. Jeder Einzelne zählt. Für Fabio und für andere Menschen in seiner Situation.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Fabio braucht eine Stammzellenspende - OM online