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EWE Netz stellt von L- auf H-Erdgas um

Bis 2025 soll das Projekt im Landkreis Cloppenburg abgeschlossen sein. Das erfordert viel Arbeit.

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Alles erfasst: Gasmonteur Ralf Ehlers hat sich nun Brennwertgeräte am Schleienweg in Garrel angesehen. Foto: Schrimper

Alles erfasst: Gasmonteur Ralf Ehlers hat sich nun Brennwertgeräte am Schleienweg in Garrel angesehen. Foto: Schrimper

Zurzeit wird an vielen Haustüren im Landkreis Cloppenburg geklingelt, damit "eines der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte Niedersachsens" umgesetzt werden kann, wie es vom Unternehmen EWE Netz heißt. Hintergrund ist, dass die Niederlande in einigen Jahren als Gaslieferant für Deutschland, Belgien und Frankreich ausfallen. Nachdem es durch die Gasförderung zu starken Erdstößen gekommen war und die Kapazitäten generell zurückgehen, haben sich die Niederlande entschieden, aus der Erdgasförderung auszusteigen. 

Versorgt werden soll der Nordwesten daher künftig mit dem alternativen H-Erdgas (High Calorific Gas), das aus Quellen in Norwegen, Russland und Großbritannien stammt, die laut EWE Netz auf Jahrzehnte als gesichert gelten. Laut einer Pressemitteilung habe das Unternehmen den gesetzlichen Auftrag für diese Umstellung erhalten. Insgesamt seien mehr als 40 Gasnetzbetreiber vom Gesetzgeber beauftragt worden. Betroffen von dem Projekt seien alle Erdgas-Kunden – unabhängig davon, bei welchem Gaslieferanten sie letztlich ihre Rechnung bezahlen.

Ortstermin mit Monteur Ehlers am Schleienweg in Garrel

Seit einigen Wochen ist Gasmonteur Ralf Ehlers von der beauftragten Partnerfirma LF Service nun in Garrel unterwegs. Kürzlich stattete er Anwohnern des Schleienwegs einen Besuch ab, um an den jeweils vorhandenen Brennwertgeräten eine Sicherheitsprüfung durchzuführen und Daten vom Typenschild aufzunehmen. Dies sei außerordentlich wichtig, betont EWE-Projektsprecher Jens Witthus, da ausgehend vom Typenschild das eventuell notwendige Umrüstmaterial für das Gerät bestellt werde.

Hintergrund: Das H-Gas hat im Gegensatz zum aktuell verwendeten L-Gas (Low Calorific Gas) einen höheren Methangehalt und setzt daher bei der Verbrennung mehr Energie frei. "Es gibt weit mehr als 22.000 Erdgasgeräte", sagt Jens Witthus. In den allermeisten Fällen müsse für das energiereichere Gas eine kleinere Düse eingebaut werden, manchmal auch bis zu 20 Düsen. Viele Geräte seien in der Lage, sich selbst einzustellen. Auch beim Zeitpunkt der Umrüstung gebe es Unterschiede: Es gebe Geräte, die erst umgestellt werden können, wenn sie bereits H-Gas verbrennen, andere vor der Umstellung.

Für die EWE sei das Projekt eine "Mammutaufgabe", so Witthus. Denn im Nordwesten gebe es rund 700.000 Erdgasgeräte. Und nahezu jedes Gerät müsse einzeln betrachtet und bei Bedarf individuell an das H-Erdgas angepasst werden. Bewohner des Schleienwegs haben nun den ersten von 2 notwendigen Monteursbesuchen bekommen. Beim nächsten Mal wird Ralf Ehlers oder einer seiner Kollegen das Gerät  an das H-Gas anpassen und eine weitere Sicherheitsprüfung vornehmen. "Jeder Besuch dauert rund 30 Minuten und wird zuvor immer schriftlich sogar per Einschreiben angekündigt", heißt es von EWE Netz.

Nur in Ausnahmefällen scheitert die Umstellung

Laut dem Unternehmen lassen sich mehr als 95 Prozent aller Geräte erfolgreich an das H-Gas anpassen. Man rechne damit, diesen Wert auch im Landkreis Cloppenburg erreichen zu können, so Witthus. "Man kämpft um jedes Gerät, damit Kunden nicht zwingend aufgrund der niederländischen Entscheidung neu kaufen müssen. Sogar ältere Geräte, die zum Beispiel über 20 Jahre alt sind, kann EWE Netz in der Regel problemlos anpassen."

Nur in Ausnahmefällen sei dies nicht möglich. Die Ursache sei dann in der Regel, dass es den Geräte-Hersteller heute nicht mehr gibt. In seltenen Fällen haben die Hersteller auch den Kundenservice für einzelne ihrer Gasgeräte eingestellt. Technische Probleme während des Umrüstens von Gasgeräten habe es bislang nur bei sehr alten Heizungen gegeben, die noch nie oder zu selten durch einen Fachbetrieb gewartet wurden. Den Besuchen durch den Gasmonteur kommt dabei noch eine andere Bedeutung zu: "Wenn die Kohlenmonoxid-Werte jenseits von Gut und Böse sind, ist der Monteur verpflichtet, das Gerät sofort abzuschalten", so Witthus. 

Direkte Kosten entstehen für den Verbraucher nicht

Grundsätzlich entstehen Kunden durch das Projekt keine direkten Kosten. Sämtliche Kosten übernehmen die Netzentgelte, die alle Gas-Verbraucher in ganz Deutschland gleichermaßen mit ihrer Rechnung bezahlen. Eine Kostensenkung durch das energiereichere Gas stellt Witthus nicht in Aussicht. Zwar werde in der Folge weniger Gas verbraucht, dieses sei im Einkauf aber teurer. "Die Rechnung soll sich dadurch aber nicht verändern." Unabhängig davon seien aber auch steigende Gaspreise zu berücksichtigen. EWE Netz weist darauf hin, dass keine Rechnungen für die Erdgasumstellung gestellt werden und die Gasmonteure niemals Geld von Kunden verlangen. Falls festgestellt werde, dass ein Gerät eine Reparatur oder eine Wartung braucht, dann müsse der Eigentümer dafür wie gewohnt einen Fachbetrieb seiner Wahl beauftragen und bezahlen.

Bis 2027 soll der gesamte Nordwesten auf H-Gas umgestellt sein, der Landkreis Cloppenburg bis 2025. Dieser ist in mehrere Bezirke eingeteilt. Für eine Übergangszeit versorgt EWE Netz die Region parallel mit beiden Erdgassorten, die in getrennten Netzen zu den Verbrauchern gelangen. Die Bezirksgrenzen verlaufen zum Teil quer durch einzelne Straßen. "So kann es geschehen, dass eine Straßenseite bereits H-Gas erhält, während EWE Netz die Häuser gegenüber noch mit dem niederländischen L-Gas versorgt", heißt es vom Unternehmen.

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