Einwohner wollen Kahlschlag verhindern
Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt Petersdorf sollen Straßenbäume weichen. Dagegen stemmen sich nun einige direkte Anlieger der Hauptstraße sowie weitere Dorfbewohner.
Martin Pille | 08.12.2020
Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt Petersdorf sollen Straßenbäume weichen. Dagegen stemmen sich nun einige direkte Anlieger der Hauptstraße sowie weitere Dorfbewohner.
Martin Pille | 08.12.2020

Befürchten Kahlschlag: Anwohner möchte die Straßenbäume in Petersdorf retten.Foto: Pille
Wer durch Petersdorf fährt, passiert zahlreiche Bäume, die den Fahrbahnrand und die Parkstreifen säumen. Seit einiger Zeit sind die meisten von ihnen mit aufgesprühten roten Punkten markiert. Das sorgt im Ort für Aufregung und hat bestürzte Anlieger und andere Bewohner auf den Plan gerufen, die befürchten, dass hier noch vor Weihnachten die Motorsägen kreischen und ein Kahlschlag droht. Besorgte Bürger Petersdorfs wollen nun für strammen Gegenwind sorgen. Hintergrund der drohenden Abholzung ist die geplante Sanierung der Durchfahrtsstraße, in deren Zuge gleichzeitig die unzureichende Kanalisation von der Gemeinde Bösel erneuert werden soll. Denn „Knackepunkt“ in Genehmigungsverfahren von Gewerbe- und Baugebieten in Bösels „Kronkolonie“ ist immer wieder deren Entwässerung. Der Landkreis hatte wiederholt auf einen Generalentwässerungsplan hingewiesen. Der zieht Millionen-Investitionen nach sich. Für die Ortsdurchfahrt Petersdorf hat die Gemeinde allein über 800.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Dort geht es unter anderem um eine größere Dimensionierung der Abwasserrohre, die Nebenanlagen und die Straßenbeleuchtung. Träger der Straßensanierung indes ist der Landkreis, weil die Ortsdurchfahrt eine Kreisstraße ist. Einer, der sich mit Nachdruck gegen die Baumfällung wendet und von „alarmierenden Dimensionen“ spricht, ist Reinhard Preuth. Man wisse um den Wertekonflikt, der an dieser Stelle zu lösen sei: „Auf der einen Seite ist eine vernünftige Entwässerung unabdingbar, auf der anderen Seite muss aber auch die Bewertung des Stellenwerts, die Natur und Umwelt bei dieser Maßnahmen spielen, bewertet werden“. Man habe schon das Gefühl, dass dieser Rolle nicht zur Genüge Rechnung getragen, Alternativen zur Fällung nicht hinreichend geprüft würden. Von den geplanten Fällungen habe man zudem nur über den „Buschfunk“ erfahren, kritisieren die Sprecher. Bösels Bürgermeister Hermann Block hingegen erklärte dazu, dass es bereits am 11. November 2019 eine gut besuchte öffentliche Anliegerversammlung im Heimathaus gegeben habe, in der die Planungen vorgestellt worden seien. Außerdem habe der Landkreis im August 2019 eine Zusammenkunft mit den betroffenen Anwohnern einberufen. Sprecher dieser Initiative fordern nun explizit die Einbeziehung der Bäume in die Planungen. Es handele sich aber nicht nur um die zum Teil schon recht alten „wunderschönen Bäume, die den Krieg überstanden haben und die Geschichte Petersdorfs erzählen“. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Wegfall von Parkplätzen für Geschäftsleute und Kirchgänger. Einige Fragen zur Straßensanierung in Petersdorf hat auch die Gruppe Grüne/UWG im Kreistag des Landkreises Cloppenburg, die von Bürgern Petersdorfs auf die Problematik angesprochen wurde. In einem Schreiben von Gruppensprecherin Dr. Irmtraud Kannen, sowie Ulla Thomeè und Fabian Wesselmann an Landrat Johann Wimberg will sie unter anderem wissen, wie sich der Planungsstand darstelle und ob die Untere Naturschutzbehörde zur geplanten Fällung von Bäumen beteiligt sei. Die Gruppe fragt zudem nach Alternativen zum Entfernen von Bäumen in der Ortsdurchfahrt. Beim jüngsten Sachstandsbericht im Februar im Kreistag seien Entwurfs- und Genehmigungsplanungen der Maßnahme „noch in Arbeit gewesen“, heißt es. Die Gruppe Grüne/UWG hatte in der Kreistagssitzung im November einen umfangreichen Antrag „zum Erhalt von Alleen im Landkreis Cloppenburg“ gestellt, der jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Mit dem Antrag wollte die Gruppe unter anderem erreichen, dass die Kreispolitiker anders in die Entscheidungen zum Straßenbau eingebunden werden, indem sie zuvor von der Kreisverwaltung insbesondere darüber informiert werden, in welchem Maße bei Maßnahmen in Natur und Umwelt eingegriffen werde. Kritik: Alternativen nicht ausreichend geprüft
Gruppe Grüne/UWG hat auch einige Fragen
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