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Einkaufstour endet mit Mandelhörnchen

Donnerstags machen sich Fahrer und Beifahrer auf den Weg und holen ihre „Kunden“ von zu Hause ab.

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Im Supermarkt unterwegs: Theodora Böhmann nutzt gerne das Angebot der Friesoyther Malteser. Maria und Heinz Wübben (von links)  bilden ein Team, Stadtbeauftragter Gerd Dumstorff hat sie bei ihrer ersten Tour eingewiesen.	Foto: cl

Im Supermarkt unterwegs: Theodora Böhmann nutzt gerne das Angebot der Friesoyther Malteser. Maria und Heinz Wübben (von links) bilden ein Team, Stadtbeauftragter Gerd Dumstorff hat sie bei ihrer ersten Tour eingewiesen. Foto: cl

„Wir müssen jetzt los, damit wir pünktlich da sind.“ Es ist viertel vor zwei und Gerd Dumstorff mahnt zum Aufbruch. Um zwei hat er den „Mobilen Einkaufswagen“ in Gehlenberg angekündigt und auch zeitlich soll auf den Malteser Hilfsdienst Friesoythe Verlass sein.

Aufgrund eines „guten persönlichen Netzwerkes“ konnte der Stadtbeauftragte, der mit Dienststellenleiterin Marlen Schmidt ein Team bildet, problemlos fünf weitere Duos für das neue Angebot gewinnen, das ältere Menschen, die nicht mehr alleine einkaufen fahren können, zugute kommt.

Wer den Service nutzen möchte, kann donnerstags vor der eigenen Haustür einsteigen und wird zum Supermarkt chauffiert, wo in Ruhe gestöbert werden kann. Ist der Einkauf erledigt, besteht noch Zeit für Gespräche bei Kaffee und Kuchen im Supermarkt-Café, bevor es wieder in die eigenen vier Wände geht.

„Keine Zentralverriegelung“, bemerkt Heinz Wübben lächelnd, als er die Fernsteuerung auf dem Schlüssel nicht findet und manuell aufschließt. Der Diakon bildet mit Ehefrau Maria ein Team, das sich an diesem Tag erstmals auf die Reise macht.

Gerd Dumstorff begleitet die Auftakttour und weist die beiden in Fahrzeug und Abläufe ein. „Wir sind kein Krankentransport und können auch keine Rollstühle mitnehmen“, unterstreicht der Stadtbeauftragte nachdrücklich, während Heinz Wübben den Malteser-Bulli auf dem Krankenhaus-Parkplatz erfolgreich startet und seit Langem mal wieder mit Kupplung und Gangschaltung jongliert.

Mit Tempo 70 geht es dann sicher nach Gehlenberg, wo Frauke Körner (Name geändert) schon wartet. Sie lebt erst seit Kurzem im Friesoyther Stadtgebiet. Die Wohnverhältnisse sind provisorisch, ob sie in der Gegend überhaupt sesshaft werden möchte, weiß sie noch nicht. Gesundheitlich etwas beeinträchtigt, traut sich die reiselustige ältere Dame zurzeit nicht mehr selbst ans Steuer. „Vielleicht wird es aber ja noch besser, dann fahre ich wieder“, berichtet sie. Ihr Anliegen, noch weitere Geschäfte ihrer Wahl anzufahren, kann nicht erfüllt werden. „Das leisten wir leider nicht“, bedauert Gerd Dumstorff.

Zurück in Friesoythe biegt Heinz Wübben in ein Wohngebiet ein. Theodora Böhmann steht bereits draußen und strahlt. „So, jetzt geht es wieder los“, freut sich die 83-Jährige und schüttelt ihren Mitfahrern herzlich die Hand. „Ein bekanntes Gesicht, wie geht es Ihnen“, sagt sie zu Frauke Körner, die sie schon vom letzten Mal kennt. Noch ein kleiner Plausch übers Wetter verbunden mit dem Wunsch, „dass wir doch endlich mal wieder Sonne gebrauchen können.“ Dann steigen die beiden Frauen direkt vor dem E-Center aus, zücken ihre Einkaufszettel und holen sich einen Wagen. Frauke Körner entsorgt noch ein paar Pfandflaschen, Theodora Böhmann schiebt bereits durch die Backabteilung. „Ich möchte endlich mal wieder einen Stuten backen“, kündigt sie an und greift zum Mehl.

Danach geht es in die Tiefkühlabteilung. „Das ist hier ja schon wie ein Kaufhaus, aber wenn man häufiger kommt, weiß man, wo was zu finden ist“, sagt sie und hält vor den Hähnchenschenkeln. „Hallo, junger Mann“, fängt sie einen vorbeigehenden Mitarbeiter ab, um sich noch eben den im Werbeflyer ausgezeichneten Preis bestätigen zu lassen. Bereitwillig gibt der Verkäufer Auskunft und führt die Kundin danach zur frischen Hefe. „Für den Stuten.“ Eine knappe halbe Stunde später sitzt Theodora Böhmann dann bei einem Glas Tee und einem Mandelhörnchen mit dem Malteser-Team zusammen und plaudert über ihre Familie, Kräuter aus dem eigenen Garten und Kuchen, den man auch einfrieren kann. Frauke Körner hat ebenfalls ihre Einkäufe erledigt und gönnt sich einen Kaffee.

„Das Schönste sind einfach die neuen Kontakte, die man knüpfen kann“, erklärt Theodora Böhmann, die von Heinz Wübben deshalb gleich zu den Treffen der Seniorengemeinschaft eingeladen wird. Sie hat über die MT vom neuen Malteser-Angebot erfahren. Frauke Körner wurde von ihren Nachbarn auf den Service aufmerksam gemacht. „Eine sehr gute Idee. Ich hoffe, dass sie angenommen wird und sich noch viele melden und mitfahren.“ Das hoffen die Malteser ebenfalls, die im gesamten Fries­oyther Stadtgebiet unterwegs sind.

Gegen fünf machen sich die beiden Seniorinnen mit ihren Fahrern wieder auf den Weg in ihre Wohnungen. „Auf Wiedersehen, alles Gute und bis zum nächsten Mal.“

Der „Mobile Einkaufswagen“ ist im Landkreis Cloppenburg bisher einzigartig und richtet sich an Menschen, die nicht mehr selbstständig einkaufen können und neue Kontakte knüpfen möchten. Auf Wunsch wird beim Ein- und Aussteigen und direkt beim Einkaufen geholfen. Die Einkaufstaschen und Getränkekisten werden ins Haus transportiert. Wer an dem kostenlosen Service teilnehmen möchte, kann sich bis mittwochs, 13 Uhr, unter Telefon 0800/3730700, bei Gerd Dumstorff (0178/3573901) oder Marlen Schmidt (0151/17660453) anmelden und sich informieren.

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