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Eine Ukrainerin hilft Ukrainern in Damme

Dariia Schell ist für die Stadtverwaltung ein Glücksgriff in schweren Zeiten. Selbst Ukrainerin ist sie schon schon länger in Damme zu Hause. So kennt sie beide Seiten und kann kompetent helfen.

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Ein gutes Team: Gerd Dieter Braß setzt bei der Betreuung der ukrainischen Flüchtlinge vor allem auch auf die Unterstützung Dariia Schells, die selbst aus der Ukraine stammt.    Foto: Lammert

Ein gutes Team: Gerd Dieter Braß setzt bei der Betreuung der ukrainischen Flüchtlinge vor allem auch auf die Unterstützung Dariia Schells, die selbst aus der Ukraine stammt.    Foto: Lammert

Knapp 140 Ukrainerinnen und Ukrainer leben derzeit in Damme. Sie sind nach dem Überfall Russlands aus ihrem Heimatland geflohen. Um ihnen bestmöglich helfen zu können, hat die Stadtverwaltung Dariia Schell eingestellt, die die Flüchtlinge betreut.

31-Jährige lebt seit 9 Jahren in Deutschland

Die 31-Jährige ist Ukrainerin, lebt aber schon seit 9 Jahren in Deutschland. Sie stammt aus Kriwij Rih, einer Stadt, die gut 600 Kilometer südlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew liegt.

Dass Dariia Schell seit Kurzem im Dienst der Stadt Damme steht, ist in erster Linie auf ihre eigene Initiative zurückzuführen. Denn kurz nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine hatte sie sich dem städtischen Sozialarbeiter Gerd Dieter Braß angeboten, Flüchtlinge zu betreuen. Nur wenige Tage später hatte sie den zunächst auf 1 Jahr befristeten Arbeitsvertrag unterschrieben.

Die mit einem Deutschen verheiratete Mutter einer Tochter, die in der Ukraine ein Lehramtsstudium für Englisch und Deutsch erfolgreich abgeschlossen hat, ist nun für die Stadt unter anderem als Dolmetscherin tätig. Das schließt ein, dass sie Flüchtlinge unter anderem bei der Erstaufnahme, bei Besuchen von Behörden und Ämtern, aber auch bei der Kontaktaufnahme mit Schulen und Kindergärten begleitet.

"Dariia Schell ist die erste Ansprechpartnerin in Damme für die Ukrainer, die hier keinen Ansprechpartner haben."Gerd Dieter Braß, Sozialamtsleiter

"Dariia Schell ist die erste Ansprechpartnerin in Damme für die Ukrainer, die hier keinen Ansprechpartner haben", erklärt Gerd Dieter Braß. Zudem möchte Dariia Schell in nächster Zeit mit allen in Damme lebenden ukrainischen Flüchtlingen Kontakt aufnehmen und sie nach ihren Bedürfnissen befragen.

Auch wenn sie schon seit Langem in Deutschland lebt, hat sie allergrößtes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge – zumeist Frauen mit Kindern – um deren in der Ukraine verbliebenen Angehörige. Denn auch Dariia Schell hat Verwandte, die in diesem Land leben. Zum Glück sei ihre Heimatstadt bislang noch vom Krieg verschont geblieben, berichtet sie.

Die nach Damme gekommenen Flüchtlinge seien sehr dankbar für die schnelle Hilfe durch Dariia Schell, sagt Gerd Dieter Braß. Sie könne die Probleme ganz anders einordnen als ein Helfer, der nicht aus der Ukraine stammt.

"Die Menschen erzählen mir offen von ihren Sorgen und Nöten."Dariia Schell

"Die Menschen erzählen mir offen von ihren Sorgen und Nöten", ergänzt die 31-Jährige, die erste Erfahrungen in Deutschland vor ihrem Studium als Au-pair-Mädchen in Siegburg gesammelt hat. Es überrascht sie keineswegs, dass viele der Flüchtlinge sich bemühen, schnell eine Arbeit zu finden: „Sie möchten für die Hilfe, die sie erfahren, eine Leistung erbringen.“

Mancher hatte offenbar schon vor der Flucht in dieser Richtung vorgebaut: "Ich kenne eine Frau, die ist Köchin. Sie hat einen Topf mit nach Damme gebracht."

Nachfrage nach Sprachkursen ist groß

Groß ist nach Worten des städtischen Sozialarbeiters auch die Nachfrage nach Deutschkursen. Ab dem 4. Mai finden die Kurse über die Bürgerstiftung Damme wieder statt. An ihnen werden auch Ukrainer teilnehmen. Weitere Sprachkurse, angestoßen vom Caritas-Sozialwerk, seien in Planung, sagt Gerd Dieter Braß.

Ebenfalls am 4. Mai plant Dariia Schell zusammen mit den zuständigen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung im Jugendtreff ein Café für Flüchtlinge. Damit die ihre Erfahrungen in Ruhe austauschen können, ist dann eine Kinderbetreuung geplant.

"Vor allem jüngere Frauen möchten aber hierbleiben.“Dariia Schell

Wie lange sie Ukrainern helfen muss, vermag Dariia Schell nicht zu sagen. Es sei offen, wann der Krieg in der Ukraine endet. Sie schätzt, dass nach einem Schweigen der Waffen etwa 80 Prozent der Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren werden: "Vor allem jüngere Frauen möchten aber hierbleiben.“

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