Eine deutsche Zukunftsvision im Rückspiegel
Kolumne: Von der Pieke auf – Feiert die Magnetschwebebahn doch noch ein Comeback?
Sarah Frerich | 28.04.2025
Kolumne: Von der Pieke auf – Feiert die Magnetschwebebahn doch noch ein Comeback?
Sarah Frerich | 28.04.2025

Er sollte die Innovation der 80er Jahre sein – der Transrapid, auch Magnetschwebebahn genannt. Vermarktet, geplant und entwickelt wurde der Zug von den beiden deutschen Unternehmen Siemens und ThyssenKrupp. Der große Unterschied zu Zügen, die auf Schienen fahren, ist, dass der Transrapid nicht rollt, sondern schwebt. Möglich macht das ein berührungsfreies elektromagnetisches Antriebssystem. Doch ein großes Unglück in Lathen im Emsland sollte die Innovationskraft dieses Bauwerks im Jahr 2006 überschatten. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. 6 Jahre jung war ich, als im Fernsehen von Dutzenden Toten und Schwerverletzten gesprochen wurde. Früher fragte ich mich, wie so etwas passieren kann? Schließlich fuhr der Transrapid doch voll automatisch und von Maschinen gesteuert. Heute weiß ich, dass menschliches Versagen die Ursache war. Mit einer Geschwindigkeit von 162 Kilometern pro Stunde stieß die Magnetschwebebahn mit einem Werkstattfahrzeug zusammen. 23 Menschen haben bei diesem Unfall ihr Leben verloren, die Bahn und der Werkstattwagen wurden völlig zerstört. „Was bleibt, ist die Vision eines nachhaltigen, schnellen Verkehrsmittels.“ Wenn ich heute an den übergebliebenen Transrapidschienen im Emsland vorbeifahre, rücken die schrecklichen Bilder von damals oft wieder in den Vordergrund. In Betrieb ist die Magnetschwebebahn schon lange nicht mehr. Denn im Jahr 2010 beschloss der Bund, die Anlage nicht weiter zu fördern. 2011 wurde sie dann endgültig stillgelegt. Was bleibt, ist die Vision eines nachhaltigen, schnellen Verkehrsmittels. Doch hätte der Transrapid in Deutschland überhaupt noch das Vermögen, sich durchzusetzen? Im aktuellen Koalitionsvertrag ist die Magnetschwebebahn zumindest namentlich festgehalten: „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wird vereinfacht und entbürokratisiert, für innovative Ansätze (zum Beispiel Magnetschwebebahn) geöffnet und der barrierefreie Ausbau von Bahnhöfen erleichtert“, heißt es in dem Dokument. Es könnte also ein Comeback geben. Und der Bedarf scheint ja da zu sein, denn so oft wie sich die Züge der Deutschen Bahn aufgrund von technischen Problemen verspäten, so immerhin mein Eindruck, käme eine Innovation der Verkehrsinfrastruktur gerade recht. Dass das Projekt „Transrapid“ funktioniert, zeigen uns übrigens die Chinesen. Mit bis zu 301 Kilometern pro Stunde können Menschen vom Flughafen Pudong in Shanghai aus 30 Kilometer weit mit dem sogenannten „Maglev“ (Magnetic Levitation) in den Stadtkern fahren. Früher waren übrigens auch mal 400 Kilometer pro Stunde drin – aber der Betreiber musste Kosten sparen, weshalb der Zug nun langsamer fährt. Für Deutschland hätte dieses System meiner Meinung nach ebenfalls Potenzial. So könnten beispielsweise große Städte mit Magnetschwebebahnstrecken verbunden werden und so die Anzahl der Inlandsflüge minimiert werden. Denn der Transrapid verursacht – wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird – keine Emissionen. Was nun aber tatsächlich von der aktuellen Regierung umgesetzt wird, steht – wie so oft – in den Sternen. Für alle Transrapid-Befürworter scheint es aber Hoffnung zu geben.Zur Person:
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