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Ein Spargel-Fan wird das Au-Pair-Mädchen aus Madagaskar nicht

Mehr als 8000 Kilometer liegen zwischen Benstrup und ihrer Heimat Madagaskar. Für Au-Pair-Mädchen Perpetia hat sich der Weg gelohnt. Sie blickt auf eine schöne Zeit in der Fremde zurück.

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Fühlt sich wohl im Norden: Perpetia lebt als Aupair in Benstrup. Foto: Meyer

Fühlt sich wohl im Norden: Perpetia lebt als Aupair in Benstrup. Foto: Meyer

Das Wetter – natürlich das Wetter! Wenn Perpetia Nirina Rasoarimalala überlegt, was ihr an Deutschland nicht gefällt, schweift ihr Blick ab in den trüben Herbstmorgen. Immerhin: Den ersten Schnee ihres Lebens hat die junge Madagassin hierzulande gesehen. Das war zwar ein Highlight, aber gefroren hat die zierliche Frau auch noch, als die weiße Pracht längst wieder verschwunden war. Kein Wunder: In Perpetias Heimat fällt die Temperatur selten unter 20 Grad.  

Im Januar hatte die 22-Jährige Madgaskar verlassen, um im gut 8500 Kilometer entfernten Benstrup eine Stelle als Aupair anzutreten. Über das Internet lernte sie zuvor die Familie Moorkamp kennen. Beide Seiten waren sich auf Anhieb sympathisch, zumal die Pastorentochter bereits einige Monate lang Deutsch gebüffelt hatte.  Perpetia hat noch zwei Schwestern und einen Bruder. Wegen des Berufs des Vaters zog die Familie alle paar Jahre um, die Kinder mussten immer wieder die Schule wechseln. Was damals schwierig war, hilft ihr heute, mit der langen Trennung  zurechtzukommen. An die Reise nach Deutschland erinnert sie sich trotzdem nur mit Schaudern. "Es war mein erster Flug. Als ich in Frankfurt landete, war alles so riesig. Da bekam ich richtig Angst." 

Im beschaulichen Benstrup gefällt es ihr dagegen sehr gut. Ihre Gastfamilie beschreibt sie mit einem Wort: "Cool". Wenn die Eltern Bernhard und Stefanie arbeiten, ist sie für die Betreuung der Tochter Emma zuständig. Die Kleine sei ein echtes Energiebündel. Und sie unterhalte sich sehr gern. "Das ist gut für mich, denn so kann ich mein Deutsch verbessern". Daneben spricht Perpetia ausgezeichnet Französisch, Englisch sowie ein wenig Spanisch. Als K-Pop-Fan möchte sie außerdem noch Koreanisch lernen.

Madagaskar: Insel mit vielen Problemen

Madagaskar ist den Jüngeren häuptsächlich als Filmtitel bekannt. Mit der lustigen Trickfilmreihe hat die Wirklichkeit auf der viertgrößten Insel der Erde aber nichts zu tun. Das für seine Gewürze und putzigen Lemuren bekannte Land ist bitterarm und vom Klimawandel besonders hart betroffen. In einigen Regionen hat es seit Monaten nicht mehr geregnet, viele Menschen hungern. Perpetia kann das bestätigen. Sie selbst lebte zuletzt in einer Stadt an der Küste. Dort ist die Versorgungslage zwar etwas besser. Reich ist ihre Familie aber nicht. Von Benstrup aus unterstützt die Tochter ihre Eltern finanziell so gut sie kann. Ihre Heimat sei trotzdem wunderschön, beteuert sie. 

Schnell stellte Perpetia fest, dass in Deutschland vieles ganz anders ist, als sie es von zu Hause gewohnt war. Sie ist sehr streng erzogen worden, durfte etwa nur Röcke und Kleider tragen. Beim Spielen mit Emma sei eine Hose aber eindeutig praktischer, sagt sie lächelnd. Feiern, auf denen Alkohol getrunken wurde, waren ebenfalls tabu. Vieles erlebt Perpetia jetzt zum ersten Mal. Das Tanzen gehört dazu. Die neuen Freiheiten gefallen ihr. Ihr Vater habe sie bei ihrem Plan, ins Ausland zu gehen, jedoch bestärkt, betont sie. 

"Dieses längliche weiße Gemüse habe ich nicht gemocht."Perpetia Nirina Rasoarimalala

In den vergangenen Monaten hat die junge Frau einiges gelernt. Das Autofahren gehört nicht dazu. Weil sie in Madagaskar den Führerschein gemacht hatte, ließ Gastmutter Stefanie sie einmal ans Steuer. "Da war ich so verkrampft, dass ich alles falsch gemacht habe." Seitdem nutzt sie lieber das Fahrrad. Das Wichtigste für sie sei, dass ihre Gastgeber ihr vertrauen. Bei ihren Fahrkünsten sei das wohl nicht der Fall gewesen. Davon abgesehen fühlt sie sich aber inzwischen wie ein Teil der Familie. Und das lag auch am leckeren Essen. Nur dieses längliche weiße Gemüse, dessen Namen ihr gerade nicht einfällt, mochte sie nicht. "Ich glaube aber, das war teuer." 

In wenigen Tagen heißt es dennoch Abschied nehmen. Perpetias Zeit in Benstrup geht zu Ende. Europa wird sie aber nicht verlassen, sondern für ein Jahr in eine neue Familie nach Österreich wechseln. Was danach kommt, weiß sie noch nicht. Gern würde sie Ärztin werden. Dafür müsste sie erst einmal studieren und das kostet Geld. Auf jeden Fall wolle sie etwas für andere Menschen tun, vielleicht ein Waisenhaus eröffnen, sagt sie. 

Leicht sei das Leben in der Fremde nicht immer, gibt die Madagassin zu. Die schönen Tage würden aber bei Weitem überwiegen. Wer sich für ein Au-Pair-Jahr interessiert, dem empfiehlt sie, sich auf Seiten wie aupairworld oder aupair.com umzuschauen und dort ein Profil zu erstellen. Dann werde es mit der richtigen Familie schon klappen. So wie bei ihr. Zu ihrem Geburtstag schenkten die Moorkamps ihr einen riesigen Kuschelbären. "Darüber habe ich mich so gefreut", sagt sie strahlend. Der Petz wird sie auf ihrem weiteren Weg durch die Welt begleiten. 

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