Eigenständig und trotzdem verbunden
Wie das alternative Wohnkonzept der pro vita erfolgreich Einsamkeit im Alter bekämpft.
Jonas Seelhorst | 13.02.2026
Wie das alternative Wohnkonzept der pro vita erfolgreich Einsamkeit im Alter bekämpft.
Jonas Seelhorst | 13.02.2026

Eine typische Szene: Im Wohn- und Essbereich einer jeden WG treffen sich die Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig zu lockeren Pläuschchen untereinander oder auch mit dem Pflegepersonal. Danach wird häufig gemeinsam gekocht. Foto: Seelhorst
In den eigenen vier Wänden leben – ein Wunsch, der für viele auch im fortgeschrittenen Alter noch einen hohen Stellenwert genießt, wenn nicht gar den höchsten. Damit wächst allerdings auch das Risiko der Isolation. „Einsamkeit“ heißt eine der größten deutschen Volkskrankheiten. Und sie muss ernst genommen werden, um auch die letzte Phase des Lebens noch in vollen Zügen genießen zu können. Externe Einrichtungen kommen oft dennoch nicht infrage. Zu groß wirken die Einschränkungen, die Fremdbestimmung im Tausch für regelmäßige Aktivität und soziale Teilhabe. Ideal wäre es also, beides miteinander zu kombinieren. Hier kommen die Seniorenwohngemeinschaften ins Spiel – ein alternatives Wohnkonzept der pro vita in Vechta. Es nimmt die Rundumversorgung der ambulanten Pflege und kombiniert sie mit einem Höchstmaß an Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. Damit hat man die Gesundheit im Blick, das Leben im Fokus und ein neues Zuhause, in dem man sich wohlfühlt und rundum gut versorgt ist. Und so wird’s möglich gemacht: Die Zimmer werden gemietet und können dementsprechend auch persönlich eingerichtet werden. Dazu gehören ein Wohn-, ein Schlafraum (auch als Doppelzimmer) sowie ein eigenes Duschbad. Jede WG besteht aus sechs bis sieben solcher Parteien. Im Zentrum steht der große Wohn- und Essbereich samt offener Küche. Hier findet das gemeinschaftliche Leben statt, ob innerhalb der WG, mit Familie und Freunden oder gleich allen zusammen. Denn klassische Besuchszeiten gibt es nicht, jeder kann kommen und gehen, wann er will. Die eigenen Terrassen/Balkone sowie die Außenanlagen mit Fischteich laden derweil zum Verweilen ein. Jede WG hat eigene Präsenzkräfte, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen und sich um hauswirtschaftliche Aufgaben kümmern – etwa das Kochen. Noch sicherer wird es mit dem Notfallknopf, den jeder Bewohner bei sich trägt. Und selbst, wenn die Pflegebedürftigkeit mit der Zeit zunimmt: Dank palliativer Versorgung sind keinerlei Umzüge in andere Einrichtungen mehr erforderlich – und das ohne Preissteigerung. Mehr Pflegebedarf bedeutet hier also nicht mehr finanzielle Belastung. Die Kosten bleiben für alle Mieter gleich. Denn gerade in Zeiten großer Veränderungen, die das Altern mit sich bringt, sind soziale Kontakte wie Familie und Freunde häufig die einzig verbleibende Konstante, mahnen Lena Fuchs (Geschäftsführerin) und Annika Hoping (Marketingleitung und Öffentlichkeitsarbeit). „Das ist das Wichtigste: Nicht alleine sein“, so Hoping. Deshalb liegt das Hauptaugenmerk auf Gemeinschaft. Ein breit aufgestelltes (und freiwilliges) Freizeitangebot bietet jeden Tag etwas Neues, darunter Kinonachmittage, Musik- und Themenstunden oder auch Besuche von Schulen, Kindergärten oder dem Heimatverein. Gestaltet wird dieser von Ergotherapeutin Frau A. Flieder, Pastoralreferentin Gabriele Lachner und der Betreuungsfachkraft Frau M. Preuß. „Hier ist ja so viel los“, sagte einmal eine neue Bewohnerin, die sich schonmal voller Begeisterung einen Kalender zugelegt hat, erinnert sich Fuchs. Es fördert den Kontakt untereinander und sorgt dafür, dass neue Kontakte und Freundschaften geknüpft werden. Niemand wird ausgegrenzt, sondern man ergänzt sich. Der Betreuungsschlüssel von 1:6 (gängig ist 1:14) ermöglicht flexibles und individuelles Pflegen mit Liebe und Herz. „Die Menschen machen sich immer später Gedanken über ihren Verbleib im Alter“, stellen Fuchs und Hoping fest. Die Akzeptanz sei schwer. Von neuen Bewohnern hören sie jedoch meist dasselbe: „Hätte ich das schon viel eher gemacht!“ Menschen, die zuvor nur ein „Hallo“ und „Tschüss“ mit dem Postboten ausgetauscht haben, blühen in der Gemeinschaft der WG regelrecht wieder auf. Einige leben hier seit 7 oder mehr Jahren und haben ihre Mitbewohner sowie Pflegepersonal längst mit in ihre Familie aufgenommen. Ob Pflegegrad oder nicht, ist dabei egal. Hauptsache, die Entscheidung fällt rechtzeitig. Denn sich einleben und Kontakte knüpfen gestaltet sich bedeutend einfacher, wenn man die eigenen Kräfte noch bewusst einsetzen und genießen kann.Die WG

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