Drohende Trockenheit: Das sagen Profis zur Gartenbewässerung im Sommer
Der Dürremonitor lässt auch im Nordkreis Cloppenburg die ersten Alarmglocken schrillen. Jetzt ist der sparsame Umgang mit Wasser ganz besonders wichtig.
Heiner Stix | 07.06.2023
Der Dürremonitor lässt auch im Nordkreis Cloppenburg die ersten Alarmglocken schrillen. Jetzt ist der sparsame Umgang mit Wasser ganz besonders wichtig.
Heiner Stix | 07.06.2023

Wasser sparen: In Friesoythe werden nur Neuanpflanzungen wie hier am Kreisel Moorstraße/Thüler Straße bewässert. Ältere Pflanzen und Rasenflächen müssen ohne menschliches Zutun auskommen. Foto: Stix
Auf den ersten Blick sieht es im Norden des Landkreises Cloppenburg noch ganz gut aus. Im tagesaktuellen Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung überwiegen beim pflanzenverfügbaren Wasser die hellen Bereiche – anders als etwa im Süden Niedersachsen, der weitgehend rot eingefärbt ist. Doch auch das helle Gelb ist ein Alarmsignal: Der Trockenstress für die Pflanzen hat bereits begonnen, südlich von Bösel verzeichnet der Dürremonitor für den Gesamtboden bis 2 Meter Tiefe bereits eine außergewöhnliche Trockenheit. Ein Alarmsignal für Hobbygärtner, die fast schon reflexartig zu Gartenschlauch und Rasensprenger greifen möchten. Der Profi aber bleibt ruhig: "Wir gießen nur die Neuanpflanzungen, etwa am Kreisel Moorstraße/Thüler Straße", sagt Dustin Schütte. Der gelernte Gärtner für Garten- und Landschaftsbau ist Leiter des Friesoyther Baubetriebshofes und damit auch zuständig für die Grünanlagen der Stadt. "Die brauchen das Wasser, sonst gehen sie kaputt." 2 Jahre lang sollten Neuanpflanzungen gewässert werden, erläutert Schütte. "Aber im 2. Jahr kann man das schon etwas runterfahren." Gut eingewachsene Pflanzen und vor allem Wiesen müssen bei ihm ohne Wasser auskommen. "Rasenflächen werden ohne Grund nicht gewässert", sagt er. "Aber das haben wir sowieso noch nie gemacht." Die noch relativ jungen Bäume in der Innenstadt werden über Bewässerungssäcke, bei denen kein Wasser zur Seite weglaufen oder verdunsten kann, versorgt. "Großes Einsparpotenzial in Dürrezeiten", so Schütte, "haben wir gar nicht mehr." Eine Aussage, die den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) freuen dürfte. Für den nämlich ist Wassersparen grundsätzlich oberstes Gebot. Noch aber schlägt der OOWV keinen Alarm. Man sei, so Pressesprecher Heiko Poppen, im Zuständigkeitsbereich des Verbandes noch im Normalbereich. Aber auch der OOWV stelle fest, dass der Wasserbedarf steigt. "Im Durchschnitt liegen wir bei 220.000 Kubikmetern pro Tag", sagt Poppen. "An Pfingsten waren es 235.000 Kubikmeter, am 6. Juni bereits 280.000 Kubikmeter." Damit nähere man sich dem Wert der sogenannten Spitzenlasttage, an denen mehr als 300.000 Kubikmeter Wasser verbraucht werden. Allerdings, schränkt er ein, habe man die ersten Spitzenlasttage in den vergangenen Jahren schon im Mai gehabt. "Dieses Jahr war bislang eher kühl", erläutert er. Da sei der Wasserverbrauch geringer. „Jetzt aber kommt die Wärme, da ist ein weiterer Anstieg zu erwarten.“ Und dann gelte es wirklich, auf den Wasserverbrauch zu achten. Der OOWV werde, so Poppen, zwar "niemandem etwas vorschreiben", Spartipps aber hat er durchaus parat. So solle man Beete, wenn möglich, mit Regenwasser aus der Tonne bewässern. "Und wenn man keine hat, kann man die auch jetzt noch aufstellen", sagt Poppen. "Der nächste Regen kommt bestimmt." Abends Gießen, so der Fachmann weiter, sei besser als tagsüber, eine dichte Bepflanzung diene als Verdunstungsschutz. Generell sollten Pflanzen ausgewählt werden, die zum Boden passen und wenig Wasser vertragen. "Durstige Pflanzen auf Sandboden sind keine gute Idee", erläutert Poppen. Und dann sind da noch die Klassiker Rasensprenger und Swimmingpool. "Ein Rasensprenger verbraucht in der Stunde 800 Liter Wasser, ein Mensch am ganzen Tag nur 110 Liter", verdeutlicht er die Dimensionen. Auch hier gelte: am besten mit Regenwasser und nur abends – wenn überhaupt. Dass ein Pool im Garten kaum mit der Devise "Wasser sparen" zusammenpasst, lässt Poppen auch durchklingen. "So ein Pool fasst mehrere tausend Liter Wasser", sagt er. "6000 Liter sind da keine Seltenheit." Während Corona sei der OOWV "in Stellungnahmen zu dem Thema milde gewesen", jetzt hoffe man, dass die Zahl der privaten Pools dank der wieder geöffneten Freibäder sinke. Wenn man aber unbedingt einen Pool füllen wolle, dann nur zu den verbrauchsärmeren Zeiten zwischen 9 Uhr morgens und 17 Uhr abends, bittet der Pressesprecher. Und grundsätzlich solle man immer vorher überlegen, ob es wirklich nötig sei, den Hahn aufzudrehen.Wasserverbrauch nähert sich den Spitzenwerten
Bewässern möglichst über die Regentonne
Ein Rasensprenger verbraucht 800 Liter Wasser pro Stunde
Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.