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Drechseln als Hobby: Bei Thomas Heitmann läuft's rund

Ein gutes Stück Holz lässt das Herz des Lohners höher schlagen. Seit mehr als 2 Jahrzehnten drechselt der Zimmermeister mit Leidenschaft. Mittlerweile bietet 46-Jährige seine Kunst zum Verkauf an.

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Lohner mit Faible für Holz: Thomas Heitmann weiß schon, was er aus diesem Rohling drehen wird. Foto: Röttgers

Lohner mit Faible für Holz: Thomas Heitmann weiß schon, was er aus diesem Rohling drehen wird. Foto: Röttgers

Thomas Heitmann aus Lohne hält immer Ausschau nach einem guten Stück Holz. Der gelernte Zimmermeister drechselt in seiner Freizeit mit großer Leidenschaft. Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren betreibt er dieses seltene Hobby.

Die Faszination für den Werkstoff Holz hat er wohl von seinem Vater Franz in die Wiege gelegt bekommen, der ebenfalls seine ganze Schaffenskraft in das Drechslerhandwerk gelegt hatte.

Kurzer Exkurs: Das Drechseln ist ein uraltes Handwerk – nachweislich sogar eines der ältesten Gewerke der Erde. Die erste Drechselbank entstand aus dem ersten mechanisierten Gerät der Menschheit, dem sogenannten Fiedelbohrer. Gedrehte Gegenstände wurden bereits vor mindestens 3.500 Jahren gefertigt.

Der älteste nachweisliche Fund stammt aus dem frühen 7. Jahrhundert vor Christus, aus dem nordwestlich von Rom gelegenen Corneto in Italien. Die Etrusker hatten zu dieser Zeit bereits eine große Fertigkeit im Drehen von Schalen, Möbelfüßen und Tellern aus verschiedenen Materialien entwickelt. Über die keltischen Stämme gelangte das historische Handwerk schließlich aus dem Mittelmeerraum in nördliche Gebiete. So lässt es sich im 3.  Jahrhundert vor Christus auch im heutigen Deutschland nachweisen.

Die ganze Familie unterstützt das Hobby: Thomas, Sophie und Stefanie Heitmann zeigen einige Werke. Foto: RöttgersDie ganze Familie unterstützt das Hobby: Thomas, Sophie und Stefanie Heitmann zeigen einige Werke. Foto: Röttgers

Aus seinem Faible für Holz entwickelte sich bei Heitmann im Laufe des Lebens der Berufswunsch des Holzhandwerkers, den er beim Familienunternehmen Fritz Kathe in Vechta als Zimmermeister ausübt. "Ein Stück Holz ist zunächst einmal nur ein rauer, roher Gegenstand – und ich überlege mir, was daraus Faszinierendes werden kann", erklärt der 46 Jahre alte Familienvater seine Leidenschaft. „Bei diesem Hobby kann ich einfach wunderbar zur Ruhe kommen“, sagt Heitmann – und seine Augen leuchten.

Der Zimmermeister sagt: "Ich drechsle das, wozu ich Lust habe." Auftragsarbeiten nehme er nicht an. Lieblingsobjekte sind für Heitmann dabei stets Naturrandschalen mit Rinde. Dabei zeigt er eines seiner aktuellen Exemplare. „Hier sieht man besonders gut, wie der Baum gewachsen ist“, erklärt der Lohner seine Handwerkskunst und hält stolz eine Schale aus Robinienholz hoch.

Der Fachmann weiß: Holz ist nicht gleich Holz

Eine besonders schöne Holzmaserung und eine faszinierende Farbgebung lassen bei Heitmann das Herz aufgehen. "Schon bei einem Waldspaziergang oder bei einem gefällten Baum mit Verwachsungen überlege ich, was daraus alles werden könnte", sagt er. Aus diesem Grunde halte er auch stets die Augen offen.

Über Bekannte gelangt er mittlerweile zuverlässig an Holz. Das kann ab und an ein Problem sein, nicht zuletzt deshalb, weil hierzulande die „Brennholz-Kultur“ einfach groß sei. Doch Holz ist nicht gleich Holz, betont der Fachmann. "Die Schwierigkeit ist es, schöne Bereiche mit toller Farbgebung zu finden und anschließend zu erahnen, was beispielsweise aus einer Astgabelung gelingen kann“, sagt der passionierte Drechsler. Es gelte: Normal ist langweilig.

Der sogenannte Fehlwuchs ist für Heitmann das Reizvolle und Spektakuläre. „Beispielsweise ist es spannend, wenn zwei Äste zusammengewachsen sind – eine sogenannte Zwille." Dann legt der Holzprofi in seiner zur Werkstatt umfunktionierten Doppelgarage erst so richtig los. Seine Drehbank kommt zum Einsatz und in volle Fahrt.

Am liebsten stellt Heitmann Schalen her

Drechselbänke, Handwerkzeuge, Drehmeißel, Schaber, Ketten- und Bandsäge – alles liegt am richtigen Platz und lässt erkennen, das ein Profi am Werk ist. Mit seinem Dreheisen bearbeitet Heitmann alsdann das rohe Stück Holz. Holzspäne fliegen umher und lassen Schritt für Schritt erahnen, was aus dem Rohling werden kann.

Am liebsten stellt Heitmann Schalen her. Außerdem gehören Flaschenöffner, Kerzenständer, Uhren, Schreibgeräte und sogar Lampenschirme zu seinem Repertoire. Besonders begehrt sind zum Frühjahr seine robusten und langlebigen Nistkästen für Meisen und andere Singvögel. Auch hier hält Heitmann eine breit gefächerte Auswahl bereit – allesamt Unikate und Einzelstücke, denn kein Stück Holz gleicht dem anderen. „So ist das eben in der Natur."

Seit 10 Jahren hat der Lohner ein Gewerbe angemeldet

Aus seinem anfänglichen Hobby ist mittlerweile viel mehr geworden: Seit nunmehr 10 Jahren hat Heitmann ein Gewerbe angemeldet und bietet seine Waren auch professionell zum Verkauf an. Auf Märkten ist er präsent. Auch im "regionalen Fachmarkt" des Kleinen Kaufhauses in Lohne präsentiert der Hobbydrechsler seine Kunst. 

Seine Garage und ein Zelt an der Wangerooger Straße in Lohne haben auch schon mal als Ausstellungsraum gedient. "Da hat meine ganze Schützenkompanie, die ‚Inselkompanie‘, die 59. Kompanie des Lohner Schützenvereins, tatkräftig mitgeholfen. Alle waren auf den Beinen“, erinnert sich Heitmann.

Seine Familie unterstützt ihn nach Kräften bei seinem Hobby. Ehefrau Stefanie kümmert sich um die Internetpräsenz und den dazugehörigen Webshop. "Durch den Online-Handel haben wir Kunden in der ganzen Bundesrepublik", freuen sich die Heitmanns.

Tochter Sophie tritt womöglich in die Fußstapfen des Vaters

Auch die 11 Jahre alte Tochter Sophie hilft begeistert mit. Die Schülerin hat bereits selbst eine kleine Drechselbank. Ihr Vater sprudelt nur so vor neuen Ideen. "Ich habe noch sehr, sehr viele Einfälle, die kann ich gar nicht alle umsetzen. Das Thema Holz ist eine nie endende Geschichte für mich. Fertig gibt’s nicht."

Schalen sind seine Lieblingsobjekte: Drechsler und Zimmermeister Thomas Heitmann in seiner Werkstatt. Foto: RöttgersSchalen sind seine Lieblingsobjekte: Drechsler und Zimmermeister Thomas Heitmann in seiner Werkstatt. Foto: Röttgers

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