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DLRG-Rettungsschwimmer bekommen Wachstation am Hartensbergsee

Die neue Station in Goldenstedt soll die Sicherheit erhöhen. Doch Sven Diekmann von der Visbeker DLRG-Ortsgruppe warnt Badegäste, die eigenen Schwimmfähigkeiten nicht zu überschätzen.

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Schild weist auf Gefahr hin: Das Baden im Hartensbergsee ist nicht ungefährlich. Gerade Eltern sollten auf ihre Kinder achten. Foto: C. Meyer

Schild weist auf Gefahr hin: Das Baden im Hartensbergsee ist nicht ungefährlich. Gerade Eltern sollten auf ihre Kinder achten. Foto: C. Meyer

Die Sicherheit am Hartensbergsee in Goldenstedt soll verbessert werden. Dafür übernimmt die örtliche Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) wieder regelmäßig Wachdienste, wie Sven Diekmann, Vorsitzender der DLRG Visbek, bestätigt. Den ersten Dienst absolvierten 6 Mitglieder bereits am vergangenen Sonntag. Geplant ist, den Wachposten in den Sommermonaten jedes Wochenende und in den Sommerferien täglich zu besetzen.

Dafür muss allerdings die Ausstattung stimmen, wie Diekmann betont. Der für den Hartensbergsee zuständige Gäste- und Touristikverein (GuT) möchte nun kurzfristig eine Wachstation einrichten. Bei der Gemeinde Goldenstedt hat er um finanzielle Unterstützung gebeten. Damit befassten sich am Montagabend die Mitglieder des Ausschusses für Haushaltsangelegenheiten, Wirtschaftsförderung, Feuerwehr- und Touristikangelegenheiten.

Sven Diekmann hofft, dass die Wachstation schnellstmöglich errichtet werden kann. Das reduziere den Aufwand für die eingesetzten Mitglieder und erhöhe die Sicherheit der Badegäste, wie er erklärt. Aktuell sei es so, dass ein Teil der notwendigen Geräte im alten Wachgebäude – wo jetzt die Beach-Bar ist – untergebracht ist. Vieles müssen die Rettungsschwimmer zu ihrem Einsatz selbst mitbringen. „Das ist jedes Mal wie ein Umzug“, verdeutlicht Diekmann den Aufwand. Wenn das Material komplett vor Ort ist, sei die Crew innerhalb von „5 bis 10 Minuten“ einsatzfähig.

Beinahe-Unfall hat alle "wachgerüttelt"

Die Kosten für eine solche Wachstation belaufen sich auf circa 30.000 Euro, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Darin enthalten sind die Wachstation mit Kosten in Höhe von 20.000 Euro, ein Lagercontainer für das Equipment für 2.000 Euro, die Kosten für die Baggerarbeiten in Höhe von 1.500 Euro, die Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser für 4.000 Euro, die Sicherheitsüberwachung für 1.000 Euro sowie die Ausstattung mit Spezialmobiliar für 1.500 Euro.

Diese dauerhafte Investition diene nicht nur der notwendigen Gewährleistung der Sicherheit der Badegäste, sondern auch dem Erhalt des touristischen Angebots in der Gemeinde Goldenstedt, heißt es vonseiten des GuT. Der Gäste- und Touristikverein Goldenstedt beantragt gemäß den Förderrichtlinien einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Kosten – und somit 15.000 Euro. Bürgermeister Alfred Kuhlmann formulierte seine Freude darüber, dass die DLRG sich dafür bereiterklärt, den Wachdienst zu übernehmen und konstatierte, dass die Errichtung einer Wachstation eine dringend erforderliche Maßnahme sei.

Vergangenes Jahr seien alle „wachgerüttelt worden“, als es beinahe zu einem tödlichen Badeunfall im Hartensbergsee gekommen war, erinnert Elisabeth Wübbeler (CDU) an das Geschehen vom Pfingtmontag 2020, als 2 Jugendliche fast ertrunken wären. Sven Diekmann war seinerzeit zufällig selbst vor Ort und konnte Schlimmeres verhindern. Das Sicherheitskonzept am Hartensbergsee geriet darauf erneut in die öffentliche Diskussion. Wübbeler sehe deshalb gar keine Alternative und sprach sich dafür aus, der DLRG das nötige Equipment zur Verfügung zu stellen.

Badegäste überschätzen sich oft selbst

Mitglieder der anderen Fraktionen sahen das ähnlich und sprachen ihre Zustimmung aus. Peter Schaumlöffel (FDP) sagte, dass „die Sache jeden Euro wert“ sei und Christiane Lehmkuhl (IGG) verwies auf den Umstand, dass die Anzahl der Nichtschwimmer immer höher werde und insbesondere viele Kinder und Jugendliche nicht schwimmen können.

Das bestätigt Sven Diekmann von der DLRG Visbek. Ein Problem sei, dass das Seepferdchen nicht ausreicht. Nur mit diesem Abzeichen gelten Kinder weiterhin als Nichtschwimmer, erklärt Diekmann. Als sicherer Schwimmer gilt nur jemand, der mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen gemacht hat. Er appelliert deshalb an Eltern, ihre Kinder am See im Blick zu behalten und auch sonst Schwimmangebote beispielsweise im örtlichen Schwimmbad oder bei der örtlichen DLRG anzunehmen, um die Schwimmsicherheit der Kinder zu erhöhen. Aufgrund der Corona-bedingten Schwimmbad-Schließungen im vergangenen Jahr konnten keine Schwimmkurse für Kinder stattfinden. Deshalb plant die DLRG, das nachzuholen und für den Herbst entsprechende Angebote zu machen.

Bei gutem Wetter zieht es die Menschen an den Hartensbergsee – so auch am Montagabend. Foto: C. MeyerBei gutem Wetter zieht es die Menschen an den Hartensbergsee – so auch am Montagabend. Foto: C. Meyer

Ein weiteres Problem sei die Selbstüberschätzung der Badegäste. Noch am Sonntag habe die DLRG den Fall gehabt, eine Schwimmerin retten zu müssen, die zu weit rausgeschwommen war und merkte, dass sie ihre Kräfte verlassen. Gerade Untrainierte dürften die Länge und Tiefe des Hartensbergsees nicht unterschätzen. Um zu verdeutlichen, wie viel Kondition das Schwimmen erfordert, gibt Diekmann selbst zu, am Wochenende unter Rückenschmerzen gelitten zu haben, nachdem er am Freitag und Samstag Strecken von 1.000 beziehungsweise 1.500 Metern hinter sich gebracht hatte. Zwar habe er in den vergangenen Monaten trainiert, aber nicht so viel wie zu Nicht-Corona-Zeiten. Das mache sich bemerkbar.

Mit einer neuen Wachstation am Hartensbergsee wird die Arbeit der DLRG deutlich erleichtert. Doch Sven Diekmann steht vor dem Problem, diese auch entsprechend besetzen zu können. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Mitglieder alle ehrenamtlich tätig sind. Die Goldenstedter Ortsgruppe habe beispielsweise nicht so viele Mitglieder. Doch die DLRG sei mittlerweile über Gemeindegrenzen hinweg gut vernetzt, sodass sich die Ortsgruppen gegenseitig helfen. Im Schnitt sei der Wachdienst am Hartensbergsee mit 5 Personen besetzt, sagt er. Manchmal seien es auch nur 3. „Besser 3 als keiner“, findet er. Deshalb könne Diekmann nicht versprechen, dass die Wachstation in den Sommerferien tatsächlich täglich besetzt werden könne.

Aktuell komme erschwerend hinzu, dass nicht alle Mitglieder geimpft sind. Bei dem Wachdienst handele es sich schließlich um einen Dienst am Menschen. Da seit dem vergangenen Wochenende der Trainingsbetrieb in den Schwimmhallen wieder aufgenommen werden konnte, übernehmen viele Übungsleiter lieber den Dienst dort. Die Rettungsschwimmer-Ausbildung finde sonst immer im Winter und Frühling statt, erklärt Sven Diekmann. Das überschneide sich nun also mit dem Wachdienst am See. Nichtsdestoweniger könne die Wachstation, sobald sie denn da ist, auch kurzfristig besetzt werden, versichert der Rettungsschwimmer.

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