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Die Pegel steigen wieder: Vechta macht Platz für neues Wasser und könnte künftig auch mit dem Füchteler Damm planen

Die Gefahr für die Innenstadt ist vorerst gebannt. Auch, weil das Schutzkonzept sich bewährt hat. Die Lage an den Weihnachtsfeiertagen gibt neue Impulse für die Umsetzung der bisherigen Planung.

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Noch viel Luft: Die Moorbachpegel sind auch in der Innenstadt wieder leicht angestiegen. Foto: Chowanietz

Noch viel Luft: Die Moorbachpegel sind auch in der Innenstadt wieder leicht angestiegen. Foto: Chowanietz

Die Pegel des Vechtaer Moorbachs sind nach starken Regenfällen in der Nacht auf Mittwoch wieder angestiegen. Das hat die Stadt Vechta bekannt gegeben. Die Lage sei aber unter Kontrolle: Es bestehe keine Gefahr für die Innenstadt oder das Krankenhaus.

Die Stadt sieht sich auf eine erneute Verschärfung der Hochwasserlage zumindest vorbereitet. Bürgermeister Kristian Kater erklärte auf Nachfrage: Die Verantwortlichen haben die vergangenen, vergleichsweise trockenen Tage seit Weihnachten genutzt, um die Pegel im bebauten Gebiet und auch vor den Toren der Stadt deutlich abzusenken. Die Stadt lässt verstärkt das aufgestaute Wasser von den Überflutungsflächen im Bereich Telbrake/Grünenmoor über den Moorbach in Richtung Westen ablaufen.

Mit dem kontrollierten Ablauf der zuletzt aufgestauten Wassermassen schafft die Stadt wieder Platz für den Fall neuer starker Niederschläge. Nach einer Nacht mit heftigen Regenfällen hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für viele Flüsse im Land auch am Mittwochvormittag wieder die hohe Meldestufe 3 ausgegeben. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor den Gefahren durch Dauerregen. Damit besteht in vielen Regionen weiterhin die Gefahr von schweren Überflutungen. 

Zu wenig Messstellen und blinde Flecken

Für Vechta liegen dem Landesbetrieb keine eigenen Daten vor. Die Behörde hat eine Messstelle im Fladderkanal bei Addrup. Hier fließt das Wasser aus dem Vechtaer Stadtgebiet. Der Moorbach mündet in der Bakumer Bauerschaft Daren in den Fladderkanal – der wiederum mündet bei Essen in die Hase. Das NLWKN hatte die Lage im Kanal zuletzt auf Meldestufe 2 herabgestuft.

Rund um die Kreisstadt hat die Landesbehörde allerdings bei der Erfassung der Messdaten einen blinden Fleck: Während der Hochwasserlage hatte sich die Stadt bei der Überwachung der Pegelstände vor allem auf die eigenen Messstellen an den Hochwasserschutzanlagen im bebauten Stadtgebiet verlassen müssen. An den Zuläufen des Moorbachs aus den Gemeinden Visbek und Goldenstedt bekamen die Verantwortlichen nur dank der Feuerwehr Lutten regelmäßig Daten.

Kater erklärt: Die Lutter Einsatzkräfte hätten an fünf Stellen rund um Lutten die Pegel der Zuflüsse Mühlenbach, Hasbach und Schlochterbäke direkt abgelesen und nach Vechta übermittelt. Nur so hätten sich die Verantwortlichen in der Kreisstadt ein Bild der Lage machen können.

Überflutungen in bebauten Bereichen wurden verhindert

Die aktuellen Pegelstände kamen auch nur am Tag. In der Nacht hätten sich die Stadtmitarbeiter bei der Steuerung der Wassermassen durch das Stadtgebiet auf ihre eigenen Messdaten verlassen müssen, sagt Kater. Vechta brauche künftig mehr eigene Messstellen – auch vor den Toren der Stadt.

Dort hatte sich der Füchteler Damm als Stau bewährt: Der Bauhof hatte den Wall mithilfe eines Lohnunternehmers und der Feuerwehr kurzfristig verstärkt. Am ersten Weihnachtstag schlossen die Verantwortlichen die Stauplatten vor dem Durchlass der Moorbachbrücke teilweise, um die aus Richtung Osten in die Stadt drängenden Wassermassen auszubremsen. 

Das gelang. Die Wassermassen fluteten wie erwartet die landwirtschaftlichen Flächen in dem Bereich. Die Stadt konnte die Pegelstände in der Innenstadt besser regulieren – und Überflutungen in bebauten Bereichen verhindern.

Vom Provisorium zur Dauerlösung?

Der Stau am Füchteler Damm ist bisher ein Provisorium. Im Hochwasserschutzkonzept der Stadt sind langfristig zwei große Staubecken für den Ernstfall vorgesehen: eines am Thekla Weg im Füchteler Wald; ein weiteres am Langen Damm an der Grenze zur Gemeinde Goldenstedt in Telbrake. Landwirte sollen die notwendigen Flächen wie bisher nutzen können. Die Stadt geht davon aus, dass sie die geplanten Becken nur alle 10, vielleicht 20 Jahre brauchen wird.

Kristian Kater erklärte: Die Stadt habe inzwischen eine Agentur beauftragt, die die notwendigen Verträge über mögliche Entschädigungen mit den Grundeigentümern für den Fall einer Flutung schließen soll – und auch über den Kauf vergleichsweise kleiner Streifen Land für die geplanten Staubauwerke.

Der Füchteler Damm liegt am Lauf des Moorbachs zwischen den geplanten Becken. Nach den guten Erfahrungen an den Weihnachtstagen überlegen die Verantwortlichen, den Damm in die Planungen einzubeziehen und dauerhaft als eine von dann drei Staustufen vor den Toren der Stadt zu nutzen.

Lesen Sie einen Kommentar zum Thema "Hochwasser" von Georg Meyer (Reporter).

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