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Die Klosterkirche: Ein "Schiff zum Überleben" im Burgwald

Die Dinklager Benediktinerinnen widmen ihrer Scheunenkirche zum 60. Jubiläum ein Buch. Sie erzählen, wie das Gebäude entstand und was es bedeutet.

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Von Licht und Geist durchflutet: Die großen, bunten Fenster der Scheunenkirche zaubern immer wieder neue Schattenspiele und auch "Geistesflammen" auf den Steinboden. Foto: Schwestern der Burg Dinklage

Von Licht und Geist durchflutet: Die großen, bunten Fenster der Scheunenkirche zaubern immer wieder neue Schattenspiele und auch "Geistesflammen" auf den Steinboden. Foto: Schwestern der Burg Dinklage

Die Scheunenkirche auf Burg Dinklage gibt es seit dem Jahr 1961. Wer diese Klosterkirche einmal besucht hat, wird ihre Eigentümlichkeit und zugleich Eindringlichkeit nicht mehr vergessen. Wie besonders dieser "Kirchenbau" ist, erschließt sich jetzt in ganzer Bandbreite in einem Buch, das die Benediktinerinnen der Abtei Burg Dinklage zum 60-jährigen Bestehen herausgegeben haben.

Zunächst aber ein Blick zurück: 1949 kamen die ersten Schwestern auf Burg Dinklage an. Sie stammten aus dem 1934 bei Berlin gegründeten Kloster Alexanderdorf und sollten im Westteil Deutschlands das benediktinische Leben aufrechterhalten; für den Fall, dass in der damaligen russischen Besatzungszone die Klöster geschlossen würden.

Christoph Bernhard Graf von Galen, Neffe des Kardinals Clemens August von Galen, bot seine Hilfe an und übergab schließlich die zu dieser Zeit unbewohnte Burg Dinklage samt eines Burgwaldanteils (Klausur) der Schwesterngemeinschaft. Am 8. Juni 1949 erreichten die ersten Nonnen Dinklage. Sie nutzten die gräfliche Burgkapelle, erkannten aber schnell, dass sie für das benediktinische Chorgebet nicht geeignet war.

Ein umgerüsteter Raum sollte das Chorgebet ermöglichen

So wurde schon 1951 eine kleine Kapelle im Hauptgebäude der Burg eingerichtet (heute der Speiseraum der Schwesterngemeinschaft) und mit überzähligen Kirchenbänken aus der Dinklager Kirche ausgestattet. Eher ein Provisorium; der Wunsch nach einer eigenen Klosterkirche blieb erhalten.

Die alte Burgscheune geriet ins Blickfeld; vielleicht auch, weil Graf von Galen selbst schon früh bei Besichtigung der Scheune auf die Eignung als Kirche hingewiesen hatte. Und er bat darum, dass seine Frau und er selbst im Altarraum der Kirche beigesetzt würden. Beide wurden hier später bestattet; Sophie von Galen 1992, Christoph Bernhard 2002.

Gemeinsam mit dem Architekten Clemens von Hausen aus Münster entwickelten die Schwestern ein Konzept für den Umbau der alten Fachwerkscheune, das dann ab 1960 umgesetzt werden konnte. Dabei nahm man Rücksicht auf die vorhandenen Konstruktionselemente, entfernte aber im Altarbereich die alten Holzdielen des Heubodens, so dass sich eine Zweiteilung ergab: Der Altarbereich ist nach oben offen, viel Licht von außen kann hier den Raum durchfluten. Über dem Chorraum konnten dagegen ihm Dachgeschoss Schwesternzimmer eingerichtet werden.

Der Grundstein neben der jetzigen Eingangstür stammt aus dem Jahr 1557

Wie viele Ideen in diesen Kirchenbau einflossen, welche Hilfe die Schwestern erhielten, die natürlich selbst auch tatkräftig beim Umbau mit anpackten, was bei der Einrichtung bedacht und welche Bezüge hier geschaffen wurden, all das lässt sich jetzt in dem Buch "Lasst Euch vom Geist entflammen" minutiös nachvollziehen. Nur ein paar Beispiele: Der Grundstein neben der Eingangstür zur Kirche stammt aus dem alten Burgerker von 1557; die darin von Maurer Heitmann eingelassene Urkunde enthält alle Daten und Namen der Klostergründung und des Kirchenbaus. Der Stein wurde zudem mit dem Symbol der Heiligen Scholastika (Patronin von Kloster und Kirche) versehen: eine Taube mit Kreuz.

Zwölf Steine bilden den Altar, der in der Kirchenmitte steht. Es handelt sich dabei um Findlinge, die bei Ausschachtungsarbeiten gefunden wurden. Sie sind das Sinnbild für die zwölf Stämme Israels und für die zwölf Apostel. Steine erzählen daneben auch weitere Beziehungsgeschichten: Die Apostelleuchter mit ihren Steinen weisen zum Beispiel nach Rom oder Cluny, weitere gelten den Verbindungen zu Klöstern in Trier und Gerleve.

Klosterkirche ist wie die Arche von Wasser umringt

Die am 3. September 1961 eingeweihte Kirche ist das spirituelle Zentrum des Klosters. Auch das wird im Jubiläumsbuch auf vielen Seiten deutlich. Die ausgezeichneten Aufnahmen – oft erstaunliche Detailbilder aus dem Kircheninneren – werden begleitet von entsprechenden Beschreibungen und Hinleitungen zu christlichen Grundgedanken, biblischen Sprüchen und Gebeten. Die Klosterkirche Dinklage wird so auch zu einer "Arche", denn sie ist fast überall von Gräftenwasser umgeben. Man könnte sie, so heißt es, als "ein Schiff zum Überleben" sehen. Das Buch, so scheint es, ist dabei auch eine Hilfestellung.

  • Info: Das Buch „Lasst Euch vom Geist entflammen“ – 60 Jahre Scheunenkirche auf Burg Dinklage, wurde 2021 herausgegeben von den Benediktinerinnen der Abtei Burg Dinklage durch den Aschendorff Verlag. Es hat 127 Seiten und kostet 19,80 Euro. Es ist unter der ISBN 978-3-402-24865-2 zu finden.

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