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Die „goldene Möwe“ ist das neue Las Vegas

Kolumne: Ich liebe es doch nicht so sehr – wie McDonalds seine Kunden fest im Griff hat.

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Einmal hin, alles drin – nein, das war der Werbespruch eines anderen Unternehmens. Heute soll es um McDonald's gehen. Fast keiner kann sich davon freisprechen, hin und wieder mal genüsslich einen Cheeseburger zu verdrücken. Wie denn auch? McDonald's ist immer für einen da. An Sonntagen, an Silvester – sogar an Heiligabend.

Kürzlich ist auch bei mir einer dieser Tage gekommen, an dem es einfach mal schnell gehen musste. Und so fuhr ich kurzerhand zum Laden mit dem unverwechselbaren, leuchtenden M. Während im Hintergrund die Fritteuse vor sich hinpiepte, tippte ich wie eine Verrückte an den neumodernen Bestellautomaten herum. Darf es noch ein Eis sein? Oder doch lieber ein Donut? Ganz neu bei uns im Sortiment ist auch der Ultra-Mega-Long-Chicken-Extreme. Jaja, lasst gut sein. 

Dabei ist mir Folgendes aufgefallen: Der neue McDonald's-Auftritt erinnert mich total an ein Casino. Las Vegas für Arme eben – wobei man von günstig mittlerweile auch nicht mehr sprechen kann. Das alles ist kein Zufall. Die ganze Atmosphäre zielt darauf ab, den Kunden so lange wie möglich festzuhalten und an die Marke zu binden. An den neuesten Menüs und Sonderaktionen kommt man lange nicht mehr vorbei, ohne zumindest einmal darüber nachgedacht zu haben, sich heute vielleicht doch lieber bekochen zu lassen. 

Denn trotz meiner inneren Ablehnung bin ich (leider) immer noch treue Kundin.  Aber das ist keineswegs ein Zufall. McDonald's hat ein äußerst ausgeklügeltes Marketingkonzept. Jedes Produkt schmeckt in jedem Land fast eins zu eins gleich. Ob in Tokio, Hamburg oder Barcelona, der Big Mac bleibt ein Big Mac. Das Gefühl der Vertrautheit, das man beim Bissen in den Burger hat, ist ein psychologisches Meisterwerk. Man weiß immer, was man bekommt, egal wo man ist. 

Doch die Kundenbindung fängt schon in frühen Jahren an. Die Kleinsten können bei „McDoof“ sogar Kindergeburtstage feiern – völlig kostenlos, mit Kuchen, Führung und Co. Warum? Ganz einfach: Das Unternehmen weiß, dass es die Kinder von heute zu den Erwachsenen von morgen machen muss. Denn was tut ein erwachsener Mensch, wenn er mal Lust auf schnelles Essen hat? Genau: Er fährt zu McDonald's. 

„Und so, wie Las Vegas mit seinen hell erleuchteten Casinos die Menschen in ihren Bann zieht, so tut es auch McDonald's.“

Fast an jedem Ort der Welt gibt es McDonald's. In Hamburg sogar einen McBoat – wie bitte? Doch hier liegt der Clou: Der Fast-Food-Gigant ist so präsent, dass es fast unmöglich ist, ihm zu entkommen. Egal, wo du hingehst, du wirst früher oder später auf eine Filiale stoßen. Egal, ob in einer Metropole oder in einem abgelegenen Vorort – McDonald's ist immer in der Nähe, immer bereit, die Kunden zu versorgen.

Aus wirtschaftlicher Perspektive gesehen, könnte man sagen: Alles richtig gemacht. Die Zahlen sprechen für sich. Die Marke ist weltweit bekannt, die Expansion nicht aufzuhalten. Das Unternehmen hat Marketing durchgespielt – von lokalen Menüs über Sonderaktionen bis hin zu Partnerschaften mit Prominenten und Influencern. Ja, sogar mit Christoph Maria Herbst, aka Stromberg. Alles ist durchdacht und ausgerichtet, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

Ich finde das Konzept jedoch ziemlich fragwürdig. Denn hinter der ganzen Marketing-Maschinerie steckt nicht nur der Wunsch, den Kunden zufriedenzustellen, sondern vor allem der Wille, ihn immer wieder in den McDonald’s-Bann zu ziehen – und natürlich Geld zu machen. Die bunten Bildschirme, die lauten Geräusche, die ständigen Sonderaktionen – das alles dient einem einzigen Zweck: dich zu fesseln, damit du nicht nur einmal, sondern immer wiederkommst.  

Und so, wie Las Vegas mit seinen hell erleuchteten Casinos die Menschen in ihren Bann zieht, so tut es auch McDonald's. Es zieht einen an, fängt einen ein, und ehe man sich versieht, hat man wieder eine Pommes in der Hand. Und egal, wie oft man es sich vornimmt, nicht mehr hinzugehen: In schwachen Momenten erwischt einen die goldene Möwe dann doch wieder. 


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