Die ganz persönlichen Statistiken
Kolumne: Im Dezember gibt es bei Spotify immer wieder den Überblick des eigenen Musikgeschmacks. Doch worauf blicken wir noch gerne zurück?
Oliver Hermes | 09.01.2026
Kolumne: Im Dezember gibt es bei Spotify immer wieder den Überblick des eigenen Musikgeschmacks. Doch worauf blicken wir noch gerne zurück?
Oliver Hermes | 09.01.2026

Der Spotify-Jahresrückblick sorgt regelmäßig für Aufregung am Ende des Jahres. Welches Lied habe ich am häufigsten gehört und welches musikalische Alter weist mir der Musikstreaming-Anbieter zu? Glück gehabt: Mit 33 Jahren werde ich sogar 6 Jahre jünger eingeschätzt. Es gilt anscheinend nicht nur: Man ist so jung, wie man sich fühlt. Sondern auch: wie Spotify einen einordnet. Während der musikalische Rückblick bereits etabliert ist, kam die Nachricht von WeTransfer umso überraschender. Über den Online-Dienst können größere Datenmengen verschickt werden, und nun weiß ich, wie viele Disketten ich vor 35 Jahren dafür gebraucht hätte. Wie nennt man so etwas nochmal? Genau. Ziemlich unnützes Wissen. „Die vier Platten könnten erzählen, wie oft ich gekocht habe. Aber will ich das wirklich wissen?“ Da stellt sich mir gleichzeitig die Frage, welche Rückblicke noch interessant wären? Zum Beispiel beim Herd. Die vier Platten könnten erzählen, wie oft ich gekocht habe. Aber will ich das wirklich wissen? Ich gebe zu: Mein ganz persönlicher Döner-Verbrauch könnte im vergangenen Jahr durchaus höher gelegen haben als die Zahl der frisch zubereiteten Vanille-Karotten. Der Backofen wiederum könnte stolz vermelden, dass er regelmäßig genutzt wurde – vor allem im Modus „Ober-/Unterhitze, 220 Grad, Karton vorher entfernen“. Eine Statistik zur Geselligkeit dürfte bei mir ebenfalls eindeutig ausfallen. Den Satz „Ich bleibe nur kurz“ habe ich mich zwar schon des Öfteren sagen hören. Eine zugegeben nicht ganz repräsentative Umfrage im ganz persönlichen Umfeld zeigt jedoch, dass das in 100 Prozent der Fälle nicht geklappt hat. Ich sage mal so: Der gute Wille zählt. Beim Video-Streaming würde wohl herauskommen, dass die Zeit zum Aussuchen der Filme insgesamt länger war als die Filme selbst. Und die Rückschau bei WhatsApp ergibt, dass ich entweder gar nicht oder erst sehr spät geantwortet habe. Manchmal war es dann auch nur ein „Ich melde mich gleich“. Eine Formulierung mit erstaunlich langer Halbwertszeit. Interessant dürfte ebenfalls der Rückblick des Kalenders sein. Wie viele Geburtstage wurden eingetragen und trotzdem vergessen? Nicht wissen möchte ich hingegen die Jahres-Bildschirmzeit am Handy. Da reicht mir schon der Wochen- oder Tagesdurchschnitt, um zu merken, dass das eigentlich viel zu viel ist. Über das Wort „Eigentlich“ könnte man im Übrigen eine eigene Kolumne verfassen. Am Ende sollen diese Jahresrückblicke im Grunde auch gar nichts bewerten. Kein Ranking, keine Überraschungen. Sie bringen lediglich die Feststellung, dass alles ungefähr so geblieben ist, wie man es erwartet hat. Und genau das ist beruhigend.Rückblicke sollten nichts bewerten
Zur Person:
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