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Die Bürger drückt der Schuh

Wegen der geplanten Gülle-Projekte im C-Port hagelte es in der Diskussionsrunde kräftig Kritik an den Politikern.

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Erhitzte Gemüter: Auf der Tribüne des FC Sedelsberg entbrannten heftige Diskussionen. CDU-Ratsherr Bernd Benten (rechts) fand ebenfalls klare Worte.Foto: M. Passmann

Erhitzte Gemüter: Auf der Tribüne des FC Sedelsberg entbrannten heftige Diskussionen. CDU-Ratsherr Bernd Benten (rechts) fand ebenfalls klare Worte.Foto: M. Passmann

„Wo drückt der Schuh“. Unter diesem Motto hatten der CDU-Gemeindeverband Saterland gemeinsam mit der CDU-Fraktion im Gemeinderat zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung auf der Tribüne des FC Sedelsberg eingeladen.   Und dass der Schuh bei der Ansiedlung von zwei Großbetrieben im Industriepark „C-Port“ am Küstenkanal (MT berichtete) gewaltig drückt, das machten die rund 100 Besucher gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich.

Die Planungen der Unternehmen „rervis bioenergy“ aus Münster und die „Kaskum“ aus Friesoythe, in Biomethan- und Transformationsanlagen Gülle aufzubereiten, spalten die Gemüter. Auf der Info-Veranstaltung sahen sich Saterlands Politiker   heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Die Emotionen kochten teilweise hoch.

„Warum fragt ihr die Bürger nicht. Wir haben euch gewählt.“Hans-Günter Waten aus Sedelsberg

Kritik gab es von Jan Zimmermann, der bemängelte, dass die Jugendgruppe des Fischereivereins Saterland auf der jüngsten Ratssitzung gegen die geplanten Großanlagen demonstrieren durfte. Außerdem habe er sich fast gezwungen gesehen, eine ausgelegte Unterschriftenliste gegen die Ansiedlung zu unterschreiben. „Das darf doch wohl auf einer öffentlichen Sitzung nicht sein“, meinte Zimmermann.

Die Zornesröte war Günter Helmers aus Sedelsberg ins Gesicht geschrieben. „Seit April ist euch bekannt, dass hier zwei Großprojekte gebaut werden sollen. Dagegen habt ihr nichts unternommen. Es ist nichts passiert. Warum habt ihr nicht gesagt, wir sind dagegen. Wir brauchen nicht mehr zu diskutieren“, warf der ehemalige Pädagoge den Politikern vor.

„Die wahre Ursache für das Gülleproblem ist die Massentierhaltung. Die Ursache muss an der Wurzel angepackt werden. Wenn wir nicht aufpassen, wird aus Sedelsberg bald Gülleberg“, meinte Reinhold Hüntling aus Ramsloh.

Er komme aus Gehlenberg und jeder wisse um die damaligen Probleme mit der Massentierhaltung. „Das ganze Dorf hat gelitten. Daher bin ich gegen Massentierställe“, erklärte CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender und Diskussionsleiter Dr. Michael Steenken. Böden, Grundwasser und sogar Lebensmittel seien belastet. Er könne die Ansiedlung der Firma Kaskum nicht unterstützen. Hier werde Gülle herangekarrt. Das Verfahren bei der Firma Revis sehe er dagegen positiv. „Ein ,Weiter so‘ kann es sicherlich auch nicht geben“, betonte Steenken. Aber er wehre sich dagegen, Politiker anzugreifen, zu beleidigen oder zu beschimpfen. In Unkenntnis der Sache würden Unwahrheiten gestreut, sagte Steenken. „Im Landkreis Cloppenburg wird der Tierbestand in den nächsten Jahren deutlich sinken. Außerdem genehmigt der Landkreis derzeit keine Stallneubauten mehr“, stellte Ratsherr Dr. Heinrich Norrenbrock fest.

Bedauerlicherweise habe die Mehrheit der CDU-Ratsmitglieder die Bürgerbefragung in der Ratssitzung abgelehnt. „Ihr sattelt das Pferd von hinten auf“, so Hans-Günter Waten aus Sedelsberg.   „Warum fragt ihr die Bürger nicht. Wir haben euch gewählt. Dann würde deutlich, dass wir Saterländer die Anlagen nicht wollen. Corona hat euch in die Karten gespielt. Hier verdienen Unternehmen auf unsere Kosten Millionen“, warf Waten den Gemeindepolitikern vor.

„Ihr glaubt allen Ernstes, dass diese Anlagen die Probleme des zu hoch belastenden Grundwassers mit Nitraten einschränken. Das ist ein Irrglaube, ich glaube, dass es das Gegenteil bewirkt. Der industriellen Landwirtschaft werden damit Tür und Tor geöffnet. Noch ein paar Hektar und die Tierzahl steigt. Die Entsorgung der Gülle ist ja gesichert. Das Sterben der bäuerlichen Landwirtschaft geht weiter. Es wird ungeahnte volkswirtschaftliche Nachteile geben“, ärgerte sich Landwirt Heinrich Rauert aus Ramsloh.

„Mit dem Bau der Anlagen ist das Gülleproblem nicht gelöst. Flächen für die Ausbringung stehen kaum noch zur Verfügung. Es kommt zur Überdüngung. Neue Ställe sorgen für Probleme“, entgegnete CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Benten. Sicherlich sei Kaskum-Geschäftsführer Gert Stuke kein Sozialapostel und die Firma Revis sicher nicht als Caritas-Verein unterwegs. „Aber Geld zu verdienen, ist noch nicht verboten“, so Benten. Er warf Bürgermeister Thomas Otto erneut vor, nicht an der Sitzung des Verbandesausschusses des Zweckverbandes teilgenommen zu haben. Hier hätte er seinen Einfluss gelten machen können.

Einen anderen Aspekt warf Ratsherr Gerd Albers ein: „Das Problem ist doch vor Ort. Das Grundwasser ist stark durch die Ausbringung von Mist und Gülle belastet. Das ist letztlich unser Trinkwasser.“ Die Anlagen würden zu einer Reduzierung der Nährstoffe und langfristig zu einer Entlastung der Böden und zu einer Sicherung der Grundwasserqualität beitragen.

Und man sollte nicht so tun, als wisse man alles über die Anlagen.   „Es läuft das Genehmigungsverfahren und wenn später die Auflagen nicht eingehalten werden, dann wird dort dicht gemacht“, stellte Albers klar. Auch zur Einleitung in die Sagter Ems nahm Albers Stellung. „Die Sagter Ems führt meistens wenig Wasser und wenn nun sauberes Wasser dazu kommt, dürfte das die Wasserqualität der Sagter Ems durchaus verbessern.“

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