Die Corona-Zahlen steigen leicht. Bei Wiesenhof in Lohne sollen jetzt alle Mitarbeiter neu getestet werden. In Vechta überprüfen die Behörden nach einer Infektion ein Haus und finden Kakerlaken.
Die Klingel ist defekt, die Namensschilder sind abmontiert: 41 Personen leben in diesem Haus in Vechta, darunter mindestens ein Corona-Infizierter. Foto: M. Niehues
Kein Name steht an der Tür. Die Klingelschilder sind abmontiert. 41 Personen sind dennoch unter dieser Adresse an der Münsterstraße in Vechta gemeldet. Wie die Behörden seit Dienstag wissen, leben allerdings noch mehr Kakerlaken als Menschen in dem Objekt.
Weil ein Bewohner, der in einem Torfwerk arbeitet, nach der Rückkehr aus Osteuropa mit dem Corona-Virus infiziert war, suchten das Gesundheitsamt und die Stadt Vechta jetzt das heruntergekommene Gebäude auf und testeten mit Unterstützung einer Dolmetscherin 35 dort wohnende Personen. "Die sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten wirken sich erschwerend auf die Kontaktermittlung aus", berichtet Sandra Guhe.
Für die Leiterin des Gesundheitsamtes ist der Fall des infizierten bulgarischen Arbeiters nur einer von vielen: Die Ermittlung der Kontakte von Erkrankten nimmt - wie die Fallzahlen selbst - wieder leicht zu. Dabei ist die Behörde seit Beginn der Corona-Pandemie ohnehin pausenlos im Einsatz, auch am Wochenende.
Wie der Landkreis weiter mitteilt, standen die meisten Neuinfizierten der vergangenen Tage in engem Kontakt mit anderen Corona-Betroffenen und sind innerhalb der Quarantänezeit positiv geworden. Einige Infektionen sind demnach durch Tests festgestellt worden, die Firmen auf eigene Initiative in ihrer Belegschaft durchgeführt haben. Eine Ursache soll außerdem sein, dass gegen Hygiene- und Abstandsregeln im privaten Bereich verstoßen wurde, schreibt der Landkreis.
Im Corona-Fokus: Der Kreis Vechta will erneut Schlachthof-Mitarbeiter in Lohne auf das Coronavirus untersuchen. Foto: dpa
Unklarheit herrscht offensichtlich auch darüber, wie sich die derzeitige Infektionssituation bei der Wiesenhof-Geflügelschlachterei Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne darstellt. Wie der Landkreis mitteilt, nimmt dort das Gesundheitsamt am Donnerstag eine Beprobung der Produktionsmitarbeiter vor.
Nach Aussage des Landkreises befinden sich unter den aktuell Infizierten auch Reiserückkehrer. So soll der betroffene Mitarbeiter eines Torfwerkes auf Heimaturlaub gewesen sein. Er soll nach Informationen dieser Redaktion nutzt er den Bus für die Tour nach Bulgarien. 40 Stunden dauerte die einfache Fahrt.
Die Türkei gilt derzeit als Risikogebiet
Wobei: Es sind aber letztlich alle Urlauber, die jetzt mit Beginn der Sommerferien Landrat Herbert Winkel Sorgen bereiten. Er warnt ausdrücklich vor Reisen in Regionen, die Hotspots sein könnten und in Länder, die als Risiko-Gebiete eingestuft sind.
Die Türkei gehört beispielsweise dazu. Wer von dort zurückkehre, der müsse zwei Wochen lang in Quarantäne gehen, warnt Winkel. Dies dem Arbeitgeber zu erklären, sei sicherlich nicht einfach, betont er. Winkel befürchtet auch angesichts der jetzt steigenden Corona-Zahlen, dass ein Ischgl-Effekt eintreten könnte. Im März kamen viele Ski-Urlauber mit Infektionen in den Landkreis zurück. Deshalb appelliert er an alle Reisende, sich in den Urlaubsorten verantwortungsvoll zu verhalten.
Corona-Testzentrum soll am 17. Juli schließen
Der Landrat kritisiert zudem, dass die Kassenärztliche Vereinigung das Corona-Testzentrum in Vechta am 17. Juli schließen will. "Diese Entscheidung halten wir für falsch", sagt Herbert Winkel. Das Testen von möglichen Infizierten an einem zentralen Punkt in einem Gebäude des Landkreises habe sich als "gutes Instrument" bewährt. "Wir halten es deshalb für sinnvoll, nicht in Arztpraxen zu testen", sagt er. Im Wartebereich von Praxen im Landkreis war es zu Beginn der Pandemie zu zahlreichen Ansteckungen gekommen. Nach Informationen dieser Redaktion wird deshalb das Schließen des zentralen Testzentrums auch von Hausärzten im Landkreis kritisiert.
Was den Fall in der Münsterstraße in Vechta betrifft, bewohnt der Betroffene in dem Haus einen abgetrennten Bereich mit zwölf Familienangehörigen. Von den 35 Tests, die das Gesundheitsamt am Dienstag von Bewohnern des Gebäudes nahm, erwiesen sich am Mittwochabend alle als negativ.
Durch die Corona-Tests erhielten die Behörden aber einen Einblick in die schlechten Wohnverhältnisse. Wie die Stadt Vechta mitteilt, ist sie als Untere Bauaufsichtsbehörde an der Kontrolle durch das Gesundheitsamt des Landkreises beteiligt worden. Welche Verstöße festgestellt wurden, will die Stadt nach Auskunft von Sprecher Volker Kläne aus Datenschutzgründen nicht mitteilen. Bei Verstößen würden aber Bewohner anderweitig untergebracht werden. Nach Informationen dieser Redaktion soll das bei gleich mehreren Personen der Fall sein.
Risikoländer:
Diese Länder sind aufgrund des Infektionsgeschehens aktuell vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft:
Kamerun Kasachstan Katar Kenia Kirgisistan Kolumbien Komoren Kongo DR Kongo Rep Korea (Volksrepublik) Kosovo Kuba Kuwait
Lesotho Libanon Liberia Libyen Luxemburg
Madagaskar Malawi Mali Marokko Mauretanien Mexiko Mongolei Mosambik Namibia
Nepal Nicaragua Niger Nigeria Nordmazedonien
Oman
Pakistan Palästinensische Gebiete Panama Papua-Neuguinea Peru Philippinen
Republik Moldau Ruanda Russische Föderation
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