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Deutschlands zweithöchstes Bauwerk feiert Jubiläum

Die Marinefunksendestelle in Ramsloh nahm vor 40 Jahren ihren Dienst auf. Für die Flotten der Bundeswehr und der Nato ist sie unverzichtbar.

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Ganz schön hoch: Jeder Mast ist 352 Meter hoch, die Anlage damit das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Foto: Passmann

Ganz schön hoch: Jeder Mast ist 352 Meter hoch, die Anlage damit das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Foto: Passmann

Am 9. Dezember 1982 stellte Vizeadmiral Günther Fromm, der damalige Befehlshaber der Flotte, mit einem Funkspruch an die 24 U-Boote der Bundesmarine den Marine-Längstwellensender im Westermoor in Dienst. Die acht 352 Meter hohen Sendemasten, im Volksmund auch "Türme" genannt, gehören seitdem zum Erscheinungsbild der Region. 171 Millionen DM hatte die Anlage damals gekostet, sie ist nach dem Berliner Fernsehturm (368 Meter) das zweithöchste Bauwerk Deutschlands. Am Freitag feierte die Deutsche Bundesmarine das 40-jährige Bestehen der "Türme" in Ramsloh.

Der Sender wird von der Deutschen Marine, den Nato-Partnern und verbündeten Streitkräften genutzt. "Die Marine braucht diese Sendestelle mehr denn je", sagte Flottillenadmiral Lars Holm, der Kommandeur des Marineunterstützungskommandos Wilhelmshaven, mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Die Anlage gehöre zur kritischen Infrastruktur, unterstrich er.

Auch Nato-Flotte erhält Funksprüche

"Wir stellen sicher, dass nicht nur unsere U-Boote, sondern auch die der Nato ihre nötigen Funksprüche erhalten", erläutert der Dienststellenleiter des Marineführungs-Unterstützungszentrums 2, Kapitänleutnant Jürgen Burkhardt, in einer Rede, die er krankheitsbedingt nicht selbst vortragen konnte. Diese Aufgabe übernahm Leutnant zur See Carsten Kröger, der stellvertretende Leiter der Marinefunksendestelle. "National ist diese hochmoderne Sendeanlage einmalig, und auch bei den verbündeten Streitkräften gibt es kaum vergleichbare Fähigkeiten."

40 Jahre Türme: Flottillenadmiral Lars Holm (links) überreicht dem stellvertretenden Leiter der Marinefunksendestelle Ramsloh, Leutnant zur See Carsten Kröger, die Jubiläumsurkunde. Foto: Kruse40 Jahre "Türme": Flottillenadmiral Lars Holm (links) überreicht dem stellvertretenden Leiter der Marinefunksendestelle Ramsloh, Leutnant zur See Carsten Kröger, die Jubiläumsurkunde. Foto: Kruse

Die Funksendestelle Ramsloh sichert der Marineführung ein Lagebild, auf dessen Basis sie Entscheidungen treffen und an die Flotte kommunizieren kann. "Angesichts der Komplexität und Schnelligkeit der heutigen Einsätze bis hin zur Landes- und Bündnisverteidigung ist dieser Informationsaustausch heute umso wichtiger, wenn nicht sogar überlebensnotwendig – für alle Beteiligten", unterstrich Burkhardt.

Zuvor Bombenabwurfplatz geplant

Die besondere Leitfähigkeit des Moores war vor Jahrzehnten ausschlaggebend für die Standortwahl der Sendemasten. Denn der dort feuchte Boden bietet beste Voraussetzung für die erforderliche gute Erdung der Abstrahlung von Längstwellen. "Der Achtmaster liegt in einer großen Badewanne im Moor", sagte Flottillenadmiral Lars Holm.

Die Bauarbeiten für die Anlage begannen im Herbst 1977. In den Jahren zuvor war dort ein Bombenabwurfplatz geplant, dagegen jedoch formierte sich in der Bevölkerung großer Widerstand. 1973 war das Thema vom Tisch, mit Bekanntwerden der Pläne für die Sendemasten folgten indes Sorgen vor Strahlungsbelastung und atomaren Angriffen auf ein wichtiges militärisches Ziel.

Nach dem Beginn eines Probebetriebes im Mai 1982 ging die Anlage am 9. Dezember 1982 dauerhaft "auf Sendung". Das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben: "Ständige Modernisierungsmaßnahmen und der neueste Stand der Technik gewähren uns die Möglichkeit der enorm wichtigen, auch teilweise geheimen Kommunikation mit in den tiefsten Ebenen der Weltmeere tauchenden Unterseeboote", erklärt Burkhardt.

Masten stehen in Ostfriesland und Saterland

Durch das Gelände der Anlage verläuft die Grenze zwischen den Landkreisen Cloppenburg und Leer. Fünf der acht Sendemasten stehen in Ostfriesland, drei auf Cloppenburger Gebiet. Die Marinefunkstelle umfasst ein Gebiet von etwa 540 Hektar, ist von einem 12 Kilometer langen Sicherheitszaun umgeben und mit einem Wege- und Straßennetz von circa 26 Kilometern Länge erschlossen. Jeder der Sendemasten hat mit einem Durchmesser von 2,20 Metern im Innern Platz für einen Zahnradfahrstuhl nach ganz oben und wiegt zusammen mit Dach- und Stützseilen 475 Tonnen.

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