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Der wichtigste Unterschied zwischen Benzin und Schokolade

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Wer einen Bulli volltankt, lernt den Cent zu schätzen. Trotzdem bleibt die Tankstelle ein Mysterium.

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Am Montag war ich tanken. Dem Bulli steht eine längere Fahrt bevor, und da fülle ich die fehlenden Liter gerne vorab an der zumeist konkurrenzlos günstigen Automatentankstelle in unmittelbarer Nähe nach. Wobei das mit dem „günstig“ ja auch schon Schönfärberei ist. Ich kann mich noch an damals erinnern, an die Kindheit genannte graue Vorzeit, als ein Liter Benzin für weniger als 60 Pfennig zu haben war – umgerechnet knapp 30 Cent. Und was war das für ein Ereignis, als der Sprit Ende der 1970er Jahre die Schallmauer von einer Mark durchbrach! 50 Cent pro Liter sind heute unvorstellbar, stattdessen kommen langsam die 5 Mark in Reichweite, die von den Grünen einst ins Gespräch gebracht worden waren.

Fast so sehr wie die Höhe des Benzinpreises nervt mich allerdings seine Unberechenbarkeit oder, genauer gesagt, seine berechenbar schwankende Tagesform. Morgens um 7 erreicht er sein absolutes Tageshoch, abends zwischen 19 und 20 Uhr und zwischen 21 und 22 Uhr ist er am günstigsten, sagt der ADAC. 6 bis 7 Cent liegen zwischen den Extremen. Was bitteschön hat das mit einer Preisgestaltung anhand nachvollziehbarer Kriterien wie etwa Einkauf, Personal- und Fixkosten, Investitionen und Gewinnspanne zu tun?

„Wer bitte hat frühmorgens Zeit zum Tanken? Die 5 Minuten verbringe ich doch lieber im Bett als an der Zapfsäule.“

Ja, klar, es geht hier um Angebot und Nachfrage. Morgens, wenn die Menschheit zur Arbeit fährt, ist halt die Nachfrage am größten: Also wird zugelangt bis die EC-Karte quietscht. Wobei: Wer bitte hat frühmorgens Zeit zum Tanken? Die 5 Minuten verbringe ich doch lieber im Bett als an der Zapfsäule. Und warum liegt der Benzinpreis dann am Nachmittag ab 16 Uhr, wenn alle sich wieder nach Hause begeben, deutlich unter dem Tagesdurchschnitt, nachts zwischen 0 und 6 Uhr aber darüber?

Ich stelle mir gerade vor, das gleiche System würde der Handel bei Lebensmitteln anwenden. Nehmen wir eine Tafel Schokolade, da kenne ich mich mit den Preisen am besten aus. Ja, gut, die ist inzwischen auch deutlich teurer als vor 2 oder gar vor 15 Jahren. Damals bezeichnete die Süddeutsche Zeitung Schokolade als „Die stabilste Währung der Welt“ und prophezeite, dass eine Tafel davon wohl nie mehr als einen Euro kosten werde. Inzwischen kratzen wir an der 2-Euro-Schwelle, Sonderangebote von 1,49 Euro für 100 Gramm verführen geradezu zum Hamsterkauf.

ABER: Im Tagesverlauf kostet eine Tafel Schokolade zuverlässig von morgens bis abends gleich viel. Das soll dem Vernehmen nach übrigens auch für Obst und Gemüse gelten, aber da hab ich nicht so die Erfahrung.

Auf jeden Fall bleibt mir bei Schokolade die bittere Erfahrung erspart, die wohl jeder von uns schon mal gemacht hat. Da tankt man vergleichsweise günstig und tags drauf ist der Preis schwupps 2 Cent niedriger. Pro Liter! Macht beim Bulli insgesamt schlappe 1,60 Euro. Da hätte ich glatt eine Tafel Schokolade für bekommen. Zumindest im Sonderangebot.


Zur Person:

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