Der Nölprinz und sein Vermächtnis
Gästebuch: Ja, es ist normal, dass 4-Jährige manchmal ausrasten. Anstrengend ist es trotzdem. Wo hat das Kind das bloß her?
Aaron Dickerhoff | 09.02.2026
Gästebuch: Ja, es ist normal, dass 4-Jährige manchmal ausrasten. Anstrengend ist es trotzdem. Wo hat das Kind das bloß her?
Aaron Dickerhoff | 09.02.2026

„Ich möchte kein Wasser!“, schreit mich meine Tochter an. Na knorke – da habe ich jetzt also wieder etwas losgetreten. Ich Rabenvater habe ihr nämlich gerade ihr Glas zur Hälfte mit Wasser gefüllt. „Ich will nur Saft!“, schallt es mir entgegen, während sie ihr Glas mit Wucht von sich schiebt, wobei es fast überschwappt. „Ganz ruhig“, denke ich mir nur. Das Kind ist müde und hungrig. Und ganz nebenbei 4 Jahre alt. Es ist okay, wenn sie jetzt mal ausrastet, auch wenn es nicht schön ist. „In dem Saft ist aber zu viel Zucker drin. Trink ihn doch als Schorle, wie Mama und Papa.“ Mensch, wie diplomatisch ich doch bin. Das Töchterchen sieht das aber anders. An einer Kompromisslösung ist sie nur so mäßig interessiert. Sie schreit so lange, bis sie ihren Babybruder damit angesteckt hat. Aber es hilft ja nichts. Ausraster sind in ihrem Alter leider normal. Das kann mich nerven und an meine Grenzen bringen, aber damit arrangieren muss ich mich trotzdem. Meine Frau geht mit dem Baby aus dem Raum, ich rede möglichst geduldig auf die Tochter ein. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Sie sitzt jetzt zufrieden auf meinem Schoß, kann sich an den Grund für ihren Ausraster kaum noch erinnern und trinkt jetzt meine Saftschorle, während ich in meinem mittlerweile kalt gewordenen Abendessen herumstochere. Solche Szenen kommen mittlerweile immer wieder vor bei uns. Und ja, ich weiß, dass das bei kleinen Kindern vollkommen normal ist. Schön ist es trotzdem nicht. Immerhin: Meine Frau kommt wieder zu uns ins Zimmer. Der Kleine hat sich auch wieder beruhigt und sabbert genüsslich Mamas Ärmel voll. „Ich möchte rausgehen, aber ich will nicht raus!“ Ich frage mich ja, was in so einem Kinderkopf vor sich geht, wenn es so eskaliert. Als Erwachsener kann ich das nicht nachvollziehen. Manchmal regt sie sich über Dinge auf, die keinen Sinn ergeben. „Ich möchte rausgehen, aber ich will nicht raus!“ Gerne würde ich behaupten, dass unsere Tochter diese Stimmungsschwankungen nicht von mir hat. Aber das wäre vielleicht etwas verwegen. Kennen Sie noch den Karl-May-Film „Der Ölprinz“? Daran angelehnt wurde ich früher von meinen Eltern gerne „Der Nölprinz“ genannt. Ich war zwar kein skrupelloser Bandit, dafür aber ein Kind, das sich gerne schmollend, die ohnehin schon ordentliche Unterlippe noch weiter rausschiebend, verzogen hat. Ich habe nicht allzu viele lebendige Kindheitserinnerungen. Doch ich kann mich gut an Situationen erinnern, in denen ich in Selbstmitleid versunken vor der Küchentür lag, während der Rest gegessen hat. Bequem war das nicht, zielführend auch nicht. Aber im Nachhinein kann ich zumindest sagen: Aus mir ist trotzdem irgendwie irgendwas geworden. Vielleicht hilft mir der Gedanke, wenn ich mich das nächste Mal anbrüllen lasse.Ausraster sind in ihrem Alter leider normal
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