Das ist nichts für Frostbeulen!
Kolumne: Mein Selbstversuch in der Kältekammer.
Charlotte Arkenau | 30.03.2026
Kolumne: Mein Selbstversuch in der Kältekammer.
Charlotte Arkenau | 30.03.2026

Ich war in der Kältekammer. Und nein, das ist kein metaphorischer Ort für schlechte Laune, sondern ein ziemlich realer Raum in Hamm – mit Temperaturen, die selbst Pinguine nervös machen dürften. Bevor es überhaupt losging, fühlte sich das Ganze eher nach einem medizinischen Check-in als nach einem Selbstversuch an: Checkliste ausfüllen, Blutdruck messen, ein letzter prüfender Blick des Personals. Dann: Kleidung aus, Schutzausrüstung an – Handschuhe, Stirnband, Mundschutz. Der Moment hatte etwas von „gleich passiert etwas, das entweder sehr gut oder sehr dumm ist“. „Der erste Gedanke beim Eintreten? Flucht.“ Ich gehöre übrigens zur Fraktion Sommer, Sonne, 30 Grad. Mir ist eigentlich immer kalt. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich mir dachte: Warum nicht direkt ins Extrem gehen? Die Vorkammer begrüßte mich mit minus 60 Grad. „Begrüßte“ ist dabei großzügig formuliert – eher ein frostiger Handschlag, der direkt durch Mark und Bein geht. Nach 60 Sekunden dort sollte es weitergehen. Und dann stand ich vor der eigentlichen Kammer: minus 112 Grad. Der erste Gedanke beim Eintreten? Flucht. Es ist diese Art von Kälte, die nicht einfach nur „kalt“ ist. Sie ist aggressiv. Sie ist sofort da. Sie duldet keine Gewöhnung. Man weiß rational: 8 Minuten hier drin könnten tödlich sein. Mein Ziel: 3 Minuten. Klingt plötzlich sehr ambitioniert. „Und gleichzeitig passiert etwas Faszinierendes: Man merkt, dass der Körper arbeitet.“ Nach wenigen Sekunden gefrieren die Wimpern. Man spürt die eigene Nase nicht mehr richtig, ein feines Zittern setzt ein. Der Körper schaltet in einen Modus, den man sonst nur aus Lehrbüchern kennt: Fokus auf die lebenswichtigen Organe, alles andere wird zur Nebensache. Und gleichzeitig passiert etwas Faszinierendes: Man merkt, dass der Körper arbeitet. Intensiv. Die extreme Kälte sorgt für eine massive Durchblutungsreaktion. Genau das ist der Grund, warum diese sogenannte Kryotherapie überhaupt eingesetzt wird – bei Schmerzpatienten, bei Entzündungen, im Leistungssport. Mehr Sauerstoff im Muskelgewebe, weniger Übersäuerung, bessere Regeneration. Oder, einfacher gesagt: Das hier ist nicht nur Wahnsinn, das hat Methode. 3 Minuten fühlen sich in dieser Umgebung übrigens nicht wie 3 Minuten an. Eher wie ein kleiner, sehr intensiver Ausnahmezustand. Als ich wieder ins Warme trete, passiert das, was Experten so nüchtern beschreiben und jeder aus dem Winter kennt: Die Durchblutung schießt zurück. Nur diesmal nicht in den Händen – sondern im ganzen Körper. „Fazit? Es war auszuhalten.“ Meine gemessene Körpertemperatur danach: 12 Grad. Ein Wert, der auf dem Papier absurd wirkt, sich aber vor allem als eines anfühlt: wach. Hellwach. Durchgepustet. Fazit? Es war auszuhalten. Mehr noch: Es war aufregend, irgendwie beeindruckend – und definitiv nichts, was man mal eben nebenbei macht. Aber genau deshalb vielleicht auch etwas, das man gemacht haben sollte. Würde ich es wieder tun? Ja. Sofort. Vielleicht nicht morgen. Aber ganz sicher irgendwann wieder.Zur Person:
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