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Danke, danke, danke für Amen, Amen, Amen

Kolumne: Auf ein Wort – Die Aufführung von Händels "Messias" in Lohne und Vechta kam genau zur rechten Zeit. Denn gerade in schwierigen Zeiten wie diesen braucht es die Botschaft vom Erlöser der Welt.

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Vier Minuten haben sie gesungen: ganze vier Minuten für die vier Buchstaben A – m – e – n. Gefühlt das längste Amen, das ich je gehört habe. 240 Sekunden des Vechtaer Vokalensembles Marienhain, um gleichsam einen Stempel unter Händels "Messias" in Lohne und in Vechta zu setzen.

"Man kann es immer aufführen", hatte Dirigent und "head of" Robert Eilers im begleitenden Programmheft geschrieben. Liturgisch würde es immer passen, so der Vollblutmusiker. Das mag sein. Aber, ob Zufall oder Fügung: Dieser Zeitpunkt war genial. Musikalisch haben alle danach gelechzt. Und theologisch war das Stück mit seinem fulminanten hebräischen Schlusswort "Amen" (zu Deutsch: "So sei es") ein Volltreffer.

Warum? Der zu uns gekommene Jesus ist der Messias, haben sie damit gesagt. Der "Gesalbte". Der Erlöser der Welt. Der von Gott Geplante. Er, den die Offenbarung des Johannes (3,14) selbst das "Amen" nennt. Keine bessere Boje hätten die knapp 60 Musikerinnen und Musiker aus Südoldenburg und Zagreb in dieser kirchlich stürmischen Zeit im Meer verankern können.

Der Messias ist der Maßstab

Wie viele Menschen mögen im Moment verunsichert sein: "Woran soll ich mich halten? Woran kann ich mich halten? Wie geht es weiter mit der Kirche?" "Also lebt in Christo alles wieder auf", haben die Musikerinnen und Musiker gesungen. Auf keinen anderen, als auf den Messias kommt es an.

Zur Frage von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität ist er der Maßstab. An seinem wohlwollenden Umgang mit damaligen Stigmatisierten ist alles zu messen. Sein: "Steh auf und stell Dich in die Mitte" zum Mann mit der verdorrten Hand – das gilt und bleibt. Die verdorrte Hand steht für vieles! Alle Menschen am Rande sind die Mitte der Kirche.

"Will sagen, die Not von Menschen ist der Ausgangspunkt von kirchlichem Denken, Sprechen und Tun."Dietmar Kattinger, Kolumnist

Guter Dinge war ich unlängst am Ende der dritten Vollversammlung des "Synodalen Weges": dem Ringen von über 200 Menschen aus ganz Deutschland um die Zukunft von Kirche und Glaube (Unter www.synodaler-weg.de kann man die Frankfurter Sitzungen übrigens immer live verfolgen). Guter Dinge war ich, als ich die neue Formulierung vom "Lehramt der Betroffenen" gehört habe. Will sagen, die Not von Menschen ist der Ausgangspunkt von kirchlichem Denken, Sprechen und Tun. Wenn das geschieht, wird eine neue Form von Kirche entstehen. Bleibt am Ende vier Minuten zu singen: "Danke, danke, danke." Für den Chor und alle, die darum ringen, den Messias zum Strahlen zu bringen und darum, selbst Gesalbte und Gesalbter zu sein.


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

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