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Damit die Kommunikation im Alltag gelingt

In Goldenstedt gibt es seit einigen Monaten einen gemischten Deutschkurs für Geflüchtete. Die Teilnehmenden kommen aus verschiedenen Ländern. Geraten diese durch den Ukraine-Krieg in den Hintergrund?

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Lernen gemeinsam Deutsch: Emine Aktas (Zweite von rechts) vermittelt im Harmann-Wessel-Haus Geflüchteten die deutsche Sprache. Das Angebot wird durch eine Kooperation der Kreisvolkshochschule Vechta, hier vertreten durch Maria Jäger (rechts), der Gemeinde Goldenstedt, vertreten durch die Mehrgenerationenbeauftragte Waltraud Varelmann (links), sowie dem Caritas-Wohnheim für Geflüchtete, hier vertreten durch Annette Wilke (Zweite von links) möglich.   Foto: C. Meyer

Lernen gemeinsam Deutsch: Emine Aktas (Zweite von rechts) vermittelt im Harmann-Wessel-Haus Geflüchteten die deutsche Sprache. Das Angebot wird durch eine Kooperation der Kreisvolkshochschule Vechta, hier vertreten durch Maria Jäger (rechts), der Gemeinde Goldenstedt, vertreten durch die Mehrgenerationenbeauftragte Waltraud Varelmann (links), sowie dem Caritas-Wohnheim für Geflüchtete, hier vertreten durch Annette Wilke (Zweite von links) möglich.   Foto: C. Meyer

Jeden Tag kommen zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine nach Deutschland und somit auch in den Landkreis Vechta. Viele der Menschen, die hier Schutz suchen, wollen am Alltag teilnehmen. Der Schlüssel dafür ist stets die Sprache. Der Bedarf für Deutschkurse wird somit unweigerlich wachsen.

Deutschkurse für Geflüchtete gibt es ohnehin schon und diese laufen nach wie vor weiter. So auch in Goldenstedt im Harmann-Wessel-Haus. Seit November treffen sich 13 Frauen und Männer zweimal die Woche mit ihrer Lehrerin Emine Aktas, um an ihren Deutschkenntnissen zu arbeiten. Die „tolle Gruppe“, wie Aktas sagt, sei bunt gemischt. Die Frauen und Männer kommen aus verschiedenen Ländern wie Syrien, Serbien, Irak, Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Seit Kurzem nimmt auch ein ukrainisches Paar teil. Der Quereinstieg sei möglich. Wie Maria Jäger von der zuständigen Kreisvolkshochschule (KVHS) Vechta sagt, sei dies der erste Kurs dieser Art in Goldenstedt – in Kooperation mit der KVHS, dem Wohnheim für Geflüchtete der Caritas und der Gemeinde Goldenstedt. Dabei gehe es vor allem um die Vermittlung von Alltagskommunikation, sagt Aktas. Vor der Corona-Pandemie habe es einen Kurs speziell für Frauen mit paralleler Kinderbetreuung gegeben, ergänzt Annette Wilke, die als Sozialarbeiterin im Wohnheim für Geflüchtete in Goldenstedt arbeitet.

Teilnehmende kommen gerne zum Kurs

Ein Teil der Teilnehmenden lebt aktuell im besagten Wohnheim, erzählt Wilke. Viele von ihnen haben kein Recht auf einen sogenannten Integrationskurs oder sie haben einen besucht, doch die Deutschkenntnisse seien noch nicht gut genug, fügt Maria Jäger an. Das Angebot im Harmann-Wessel-Haus fange diese Menschen an diesem Punkt auf. Der niedrigschwellige Kurs, wie Wilke sagt, erreiche seine Zielgruppe gut. Die Zahl der Teilnehmenden sei konstant, die Menschen kommen gerne, vernimmt sie aus ihrer Arbeit im Wohnheim. Bald soll sogar gemeinsam gekocht werden. 

Zuvor habe es auch Angebote zum Deutschlernen im Wohnheim gegeben, erzählt Annette Wilke, doch diese vermittelten einen offenbar so unverbindlichen Eindruck, dass die Zahl der Teilnehmenden zu sehr schwankte. Das Angebot nun im Harmann-Wessel-Haus habe einen „offizielleren Touch“, sagt sie und lacht. Der vom Land Niedersachsen geförderte Kurs umfasst 300 Stunden und soll mit weiteren 300 Stunden fortgesetzt werden – ein offizielles Zertifikat gibt es dafür aber nicht. Es gebe die Überlegung, eine interne Abschlussprüfung mit einem eigenen Zertifikat durchzuführen, lässt Maria Jäger wissen. Um ein Zeichen zu senden, dass die Teilnehmenden sich bemüht haben. 

Neue Situation löst keinen Unmut aus

In der öffentlichen Debatte wird immer wieder über die Unterschiede zwischen den Geflüchteten aus der Ukraine und denen, die 2015 nach Europa kamen, gesprochen, nahezu zynisch dabei von „guten“ und „schlechten“ Geflüchteten. Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die aus, die bereits seit Jahren in Deutschland leben und noch immer um ihren Aufenthalt kämpfen? Sie geraten aktuell schon mehr in den Hintergrund, weiß Wilke. Aber sie habe noch von niemandem gehört, dass sie oder er sich nun zurückgesetzt fühle. Sie erlebe dagegen in den Deutschkursen eher eine Hilfsbereitschaft, verrät Emine Aktas. Neuankömmlinge seien dort immer willkommen.

Bislang konnten die Geflüchteten aus der Ukraine privat in Goldenstedt untergebracht werden. Das Wohnheim an der Bundeskanzler-Kohl-Straße ist ohnehin „in die Jahre gekommen“, drückt es Annette Wilke euphemistisch aus. Das Anfang der 1990er Jahre erbaute Gebäude habe so lange gar nicht dem angedachten Verwendungszweck dienen sollen, erzählt sie.

Nun sind bereits rund 30 Jahre vergangen. Tatsächlich hat der Goldenstedter Gemeinderat im vergangenen Jahr entschieden, dass ein Neubau errichtet werden soll. Auf Nachfrage teilt die Gemeindeverwaltung mit, dass die entsprechende Bauleitplanung noch nicht abgeschlossen sei. „Zudem ist durch den Wegfall der KfW-Mittel eine nicht unerhebliche Finanzierungslücke entstanden“, heißt es. Dabei handelt es sich um mehr als 100.000 Euro. Die Gemeindeverwaltung bemühe sich daher derzeit um andere Fördermittel. Angesprochen auf die aktuelle Wohnsituation, sagt die aus Nigeria stammende Patricia Isi Abumere ganz pragmatisch, dass sie auch noch 10 Jahre in dem Gebäude leben könne, solange sie ihre Aufenthaltsgenehmigung erhalte. 

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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