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Damals leider "nur" 1 Minus

Kolumne: Sollten Nicht-Pädagogen in der Schule miteingebunden werden? Von der Grünen Spitzenkandidatin in Niedersachsen kam dazu kürzlich ein Vorstoß.

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Mit Zahlen nehme ich's wie Pippi Langstrumpf: „Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune.“ Passt doch, oder?

Im Pippi-Alter hatte ich tatsächlich noch ziemlich viel Spaß am Rechnen. Stolz war ich auf die 1, die auf meinen Grundschulzeugnissen hinter dem Fach Mathematik stand. Bei Wettbewerben oder Gruppenübungen, wurde ich im Unterricht oft als Erste ins Team gewählt; bis zur 5. Klasse war Mathe mein Lieblingsfach.

Mit dem Wechsel aufs Gymnasium allerdings ging es mit meinem Interesse für die Welt der Zahlen ziemlich schnell ziemlich steil bergab. Klar wurde es von Jahr zu Jahr komplizierter. Klar musste ich mich mehr anstrengen, um meine guten Noten zu halten. Doch der Spaß ging mir verloren; und die Motivation auch.

Nicht wenig Schuld daran trug auch mein damaliger Mathelehrer. Statt Hilfe und Erklärungen, kamen von ihm meist nur blöde Sprüche wie: „Denken hilft!“ Studium und Referendariat machten ihn vielleicht auf dem Papier zum Pädagogen. Aber in der Realität?

Ein kleiner Sprung in die Gegenwart: Vergangene Woche hat die niedersächsische Spitzenkandidatin der Grünen, Julia Willie Hamburg, vorgeschlagen, wegen des Lehrermangels Nicht-Pädagogen in Schulen einzubinden. „Schulen würde ja auch anderes Personal sehr helfen, wenn etwa Elektriker Versuche mit den Schülerinnen und Schülern machen“, sagte die Grünen-Fraktionschefin im Sommerinterview des NDR Niedersachsen, wie die dpa berichtet hat. Gedacht sei das als Übergangslösung.

Ganz ehrlich, ich musste schon sehr schmunzeln, als ich die Meldung las; das kam mir doch verdammt bekannt vor...

"Statt der üblichen 4, stand ich plötzlich auf 1. Oder wie er sagte: leider 'nur' 1 Minus."Joanna Abou Boutros

Ich erinnere mich nicht an seinen eigentlichen Beruf, nicht an seinen Namen und nicht daran, weshalb mein Mathelehrer damals für ein Halbjahr nicht da war. Aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie mich die „nicht pädagogische Aushilfskraft“, die uns in der Mittelstufe unterrichtete, zur Notenbesprechung bat. Statt der üblichen 4, stand ich plötzlich auf 1. Oder wie er sagte: leider „nur“ 1 Minus.

Ich habe mich damals gefreut – und die Aushilfe wegen der guten Note verurteilt. Er war kein Lehrer, er wusste ja gar nicht, dass ich sonst eine Mathe-Niete war. Doch frage ich mich im Nachhinein, ob die gute Note nicht eine Art Ansporn gewesen sein soll; ein „Komm, du kannst das“ ein „Streng dich wieder an, es ist nicht zu spät“. Waren seine pädagogischen Fahrigkeiten vielleicht besser als die meines „richtigen“ Lehrers?

Fest steht, wer Kinder und Jugendliche unterrichten will, braucht eine entsprechende Ausbildung. Doch kann eine sorgfältig ausgewählte Fachkraft als Übergangslösung mit Sicherheit nicht schaden. Der Lehrermangel ist akut, die Politik muss handeln. Mit Glück bringen motivierte Menschen frischen Wind in die Klassenzimmer und die Köpfe der Schüler. Und im schlimmsten Fall? Tja, dann gibt's vielleicht Einsen für alle ...


Zur Person:

  • Joanna Abou Boutros ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de

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