Da pellen wir uns ein Ei drauf
Kolumne: Batke dichtet – Wie viele Eier sollte man essen? Und noch viel wichtiger: Wie viele Eier sollte man haben?
Alfons Batke | 15.03.2024
Kolumne: Batke dichtet – Wie viele Eier sollte man essen? Und noch viel wichtiger: Wie viele Eier sollte man haben?
Alfons Batke | 15.03.2024

Anhänger des FC Schalke 04, und davon soll es ja auch in unseren Breiten einige geben, werden sich mit Wehmut an den 1. November 2003 erinnern, als die seinerzeit von Jupp Heynckes trainierten Königsblauen den von Ottmar Hitzfeld gecoachten FC Bayern mit 2:0 niederrangen. Unvergessen ist auch das, was der ohnehin leicht in Wallung zu bringende damalige Bayern-Torwart Oliver Kahn nach dem Spiel Interviewer Tom Bartels ins Mikro blaffte: „Eier, wir brauchen Eier.“ Einspruch! Gut 20 Jahre nach der historischen Forderung mischt sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in die Debatte ein. Vom Kahnschen Plural („Eier“) hält sie nichts, vielmehr propagiert sie den Singular, indem sie empfiehlt, maximal nur ein (in Zahlen 1) Ei pro Woche zu verzehren. Natürlich wissen wir, dass Kahns Ei-Anstoß sich nicht auf das zeitlos beliebte tierische Lebensmittel bezog, doch als Einstieg in die Erörterung taugt es allemal, zumal es durchaus eine emotionale Komponente besitzt. Zur Orientierung: In Deutschland werden knapp 20 Milliarden Eier pro Jahr verspeist, der Pro-Kopf-Konsum lag zuletzt bei 236, Tendenz leicht steigend. Und nun kommt die DGE daher und tritt mit voller Wucht auf die Ei-Bremse. Bis vor Kurzem noch hatte die Organisation drei Eier pro Woche für unbedenklich erklärt. Die neuen Empfehlungen basieren angeblich auf einem mathematischen Optimierungsmodell, das uns, wenn ich es richtig interpretiere, eine Art Dauerfastenzeit nahelegt. Oder um es plakativ zu formulieren: Nüsse (25 Gramm pro Tag) statt Eier (eines pro Woche). „Zusätzlicher Irritationen wie die der Dämonisierung des Eies bedarf es nicht.“ Vermutlich hatte beim zitierten Optimierungsmodell die Künstliche Intelligenz ihre Finger im Spiel. Doch die natürliche Intelligenz sagt mir, dass die neuen Empfehlungen an der Lebensrealität der Menschen vorbeigehen. Wir sollten uns ein Ei drauf pellen. Unsere Gesellschaft ist stark und pluralistisch genug, ein geordnetes Zusammenleben von Vegetariern, Veganern, Flexitariern, Pescetariern, Allesessern und Heilfastenden zuzulassen. Zusätzlicher Irritationen wie die der Dämonisierung des Eies bedarf es nicht. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der DEG-Empfehlung waren die Meinungsforscher des Instituts „Civey“ mit einer ersten Umfrage am Start. Demnach bewerteten gerade mal 14,7 Prozent die Anregung der Gesellschaft für Ernährung als positiv, fast 60 Prozent stuften sie als negativ ein. Es scheint ihn also doch noch zu geben, den gesunden Menschenverstand, und ich kann nicht verhehlen, dass ich mich auf das traditionelle Omelette zum Sonntagsfrühstück schon freue. Mit nur einem Ei wird das nicht zu machen sein. Und mal ganz ehrlich: Die Diskussion um eine radikale Eier-Reduzierung kommt zur Unzeit und in der Eierregion Oldenburger Münsterland bestimmt nicht gut an. Ostern steht vor der Tür, und in diesem Zusammenhang gilt das, was Oliver Kahn 2003 forderte, aktuell mehr denn je: Eier, wir brauchen Eier!
Zur Person:
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