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Cruse: Dammer Krankenhaus behält alle Abteilungen

Kritik hört Dr. Niklas Cruse, Geschäftsführer des Dammer Krankenhauses, bei der Ratssitzung am Dienstag. Thema ist der Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung und die Informationspolitik im Vorfeld.

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Diskussionspunkt: Die aktuelle Lage im Dammer Krankenhaus. Foto: Lammert

Diskussionspunkt: Die aktuelle Lage im Dammer Krankenhaus. Foto: Lammert

Das Dammer Krankenhaus St. Elisabeth hat in den vergangenen Jahren in den Jahresbilanzen immer rote Zahlen geschrieben. Das sagte der Geschäftsführer Dr. Niklas Cruse am Dienstagabend bei der als Videokonferenz abgehaltenen Sitzung des Stadtrates.

Bei der wiesen Politiker auf Ängste in der Bevölkerung hin, das Krankenhaus St. Elisabeth könnte vor dem Aus stehen oder zumindest viele Abteilungen verlieren, wenn es der Schwester-Euthymia-Stiftung mit den Krankenhäusern Cloppenburg, Lohne und Vechta endgültig am 1. Juli 2021 beigetreten ist. 

Krankenhaus soll wieder Gewinne erwirtschaften

Sein Auftrag sei es, den Krankenhausstandort Damme zu sichern, unterstrich der Geschäftsführer. Das sei aber ohne Veränderungen nicht möglich. Dabei werde es sich aber nicht um große Maßnahmen handeln, sondern um das Drehen an gewissen Stellschrauben auf der Erlös- und auf der Ausgabenseite, damit das Krankenhaus zukünftig Gewinne erwirtschafte. Deswegen sei auch der Beitritt des Krankenhauses in die Schwester-Euthymia-Stiftung  der richtige Schritt, um etwa durch Synergieeffekte Ausgaben zu senken.

Ratsmitglieder warfen den Verantwortlichen in der Stiftung eine nicht ausreichende Öffentlichkeitsarbeit vor. Zusätzlich hätten die vergangenen Donnerstag erfolgten Kündigungen durch den Chefarzt und den Leitenden Oberarzt der Kardiologie die Sorgen der Bürger um den Fortbestand dieser Abteilung in Damme befeuert.

Cruse schließt betriebsbedingte Kündigungen aus

Dr. Cruse sagte, es werde auch nach dem Beitritt in die Schwester-Euthymia-Stiftung weder Schließungen von Abteilungen noch betriebsbedingte Kündigungen im Dammer Krankenhaus geben. Gerade die Kardiologie zeige, wie wichtig der Verbund sei. Nur etwa einen Tag nach den Kündigungen habe sich im Verbund eine Lösung gefunden, wie es mit der Kardiologie weitergehen werde. Die Suche nach einem neuen Chefarzt könne allerdings noch dauern.

Am Ende der Debatte der Dammer Ratsmitglieder mit Dr. Niklas Cruse stand für die Politiker, die unter dem Vorsitz des Christdemokraten Alois Enneking ihre Sitzung abhielten, vor allem eines fest: Sie möchten sich über den Beitritt des Krankenhauses in die Schwester-Euthymia-Stiftung und die Auswirkungen bei einer Präsenzveranstaltung nicht nur mit Dr. Cruse, sondern auch mit Pfarrer Heiner Zumdohme als Vorsitzendem der Stiftung St. Elisabeth und Vertretern der Mitarbeiter des Krankenhauses unterhalten.

"Wir brauchen auch einen besseren Informationsfluss über den Beitritt zur Stiftung. Der Rat ist schließlich der Vertreter der Standortkommune."Florian Ewald, SPD-Fraktionsvorsitzender

Zudem wünschten sie sich in der Zukunft regelmäßigere Informationen über das Krankenhaus. Schließlich zahle die Stadt jedes Jahr viel Geld an das Krankenhaus, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Ewald. "Wir brauchen auch einen besseren Informationsfluss über den Beitritt zur Stiftung. Der Rat ist schließlich der Vertreter der Standortkommune", betonte der Sozialdemokrat. Der Christdemokrat Andreas Balster sprach in dem Zusammenhang von einer bislang "irritierenden Öffentlichkeitsarbeit".

Zuvor hatte der FDP-Fraktionsvorsitzende Heiko Bertelt im Namen seiner Fraktion unter anderem wissen wollen, welchen Einfluss die Planungen des neuen Zentralkrankenhauses im Nordkreis Vechta auf das Dammer Haus haben und ob das Krankenhaus St. Elisabeth ein Sanierungsfall sei. Ferner fragte er nach, warum keine Alternative wie etwa eine Kooperation mit Häusern in Osnabrück geprüft worden sei.

Cruse: St. Elisabeth ist kein Sanierungsfall

Zu Letzterem erklärte Dr. Cruse, als die Entscheidung zum Beitritt zur Schwester-Euthymia-Stiftung gefallen sei, sei er noch nicht in Damme tätig gewesen. Ganz eindeutig sagte er, dass das Krankenhaus St. Elisabeth kein Sanierungsfall sei. Seine Aufgabe sei es, die Gründe für die wirtschaftliche Schieflage festzustellen und daran mitzuarbeiten, dass es wieder auf eigenen Füßen stehen könne.

Es solle nicht mehr wie in den vergangenen Jahren auf Zuschüsse der Stiftung St. Elisabeth angewiesen sein, um den Fehlbetrag in der Jahresbilanz auszugleichen. Dazu hätten Wirtschaftsprüfer geraten.

Für Behandlungen sollen Schwerpunkte gebildet werden

Als das Herzstück des um das Dammer Krankenhaus erweiterten Verbundes der Krankenhäuser Cloppenburg, Lohne und Vechta bezeichnete Dr. Cruse das medizinische Konzept der 4 Einrichtungen. Es werde festlegen, welcher Patient zukünftig in welchem Haus behandelt werden soll. Geplant sei, wie von den Krankenkassen als Kostenträger gefordert, Schwerpunkte für die Behandlungen zu bilden, ohne eben Fachabteilungen in Damme zu schließen.

Die Geschäftsführer der Häuser hätten darüber jetzt erstmals beraten. Allerdings könnten sie nicht allein entscheiden. Beteiligt seien auch andere Mitarbeiter, etwa aus der Ärzteschaft und dem Pflegepersonal. Aber: "Nicht die Ökonomie ist der treibende Faktor, entscheidend ist die medizinische Sinnhaftigkeit."

Zum Thema, warum es keinen Verbund etwa mit einem Osnabrücker Krankenhaus gegeben habe, erklärte Dr. Cruse, das niedersächsische Sozialministerium habe gefordert, die Krankenhäuser im Kreis Vechta sollten sich auf ein gemeinsames Konzept einigen, wenn sie auch zukünftig noch Fördermittel des Landes erhalten wollen.

Ziel ist, das Krankenhaus weiterzuentwickeln

Auf entsprechende Fragen des CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Hörnschemeyer erklärte Dr. Kruse, das Ziel sei es, das Krankenhaus Damme weiterzuentwickeln. Und: Grundsätzlich sei jeder Mitarbeiter Angestellter der Trägergesellschaft des Hauses. Damit sei ausgeschlossen, dass er gegen seinen Willen in einem der anderen Häuser der Schwester-Euthymia-Stiftung eingesetzt werde.

Auf Nachfrage der SPD-Ratsfrau Christa Kampsen schloss der Geschäftsführer nicht aus, dass bei einer Auflösung des Krankenhauses in Lohne nach der Eröffnung des Zentralkrankenhauses im Nordkreis bisher in Lohne ansässige Abteilungen nach Damme verlegt werden, "wenn es medizinisch Sinn macht".

Mit Blick auf das Zentralkrankenhaus erklärte Heiko Bertelt: Wenn es gebaut werde, trügen die Dammer über Kreisumlage einen Teil der Kosten mit. Auch deshalb dürfe das Klinikum nicht zu Lasten des Dammer Krankenhauses gehen.

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