Wer hat Nenad Gajanovic in Dümmerlohausen ermordet? Diese Frage beschäftigt die Ermittler der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta seit nunmehr fast 30 Jahren. Jetzt scheint es einen Durchbruch bei den Ermittlungen gegeben zu haben. Denn die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta und die Staatsanwaltschaft Oldenburg melden am Freitag, dass es drei Durchsuchungsaktionen in Hamburg und in Schweden gegeben habe. Im Visier der Ermittler stehen dabei offenbar drei Tatverdächtige. Weitere Details nennen die Beamten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Nur so viel: Festnahmen habe es bislang nicht gegeben.
Rückblick: Im August 1996 fanden Jäger in Dümmerlohausen eine Leiche neben einem roten VW Golf. Der Tatort: ein Feldweg an der heutigen Landesstraße 853. Das Opfer: der 36-jährige Nenad Gajanovic – getötet durch mehrere Schüsse.
Im Zuge der ersten Ermittlungen stellte sich heraus, dass Gajanovic kein unbeschriebenes Blatt war. Der gebürtige Jugoslawe verkehrte in kriminellen Kreisen und soll im norddeutschen Raum mehrere Einbrüche begangen haben. Sein Wohnort war Hamburg. In seinem Umfeld erhielt er den Spitznamen „Gajo“. Die Ermittler fanden heraus, dass sich der 36-Jährige vor seiner Ermordung zuletzt in einem Hotel an der Alexanderstraße in Oldenburg aufgehalten hatte. Dort war er offenbar untergetaucht. Der rote Golf, der am Tatort abgestellt worden war, wurde vor dem Mord in Bad Essen gestohlen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der spätere Mörder an diesem Autodiebstahl beteiligt war.
Die Mordermittler konnten den Fall nicht lösen – er wurde zunächst zu den Akten gelegt. Bis 2019. Dann wurden die Beweise mit neuesten Methoden noch einmal neu untersucht und ausgewertet. Diese Analysen führten im September 2024 dazu, dass eine neue Mordkommission gegründet wurde. Deren Ermittler gingen nicht nur mit einem ausführlichen Video an die Öffentlichkeit – sie setzten außerdem eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus; für Beweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen.
Triggerwarnung: Der Kurzfilm enthält Inhalte, die zeigen sollen, wie grausam die Tat begangen wurde. Gezeigt werden auch Fotos vom Tatort und vom Leichnam.
Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam erklären, hätten sich durch die Ermittlungsoffensive neue Hinweise ergeben. Diese führten demnach auf die Spur von drei Tatverdächtigen, die „ihre Lebensmittelpunkte in Hamburg und Schweden“ haben würden. Die Ermittler seien dabei auch von Europol und den Strafverfolgungsbehörden in Schweden und den Niederlanden unterstützt worden. Die Durchsuchungen fanden laut Polizeiangaben am Donnerstag statt. Die Beweise, die dabei in Hamburg und in Schweden sichergestellt wurden, sollen jetzt nach Cloppenburg überführt und dort ausgewertet werden.
Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta betont, dass die Ermittlungen noch längst nicht abgeschlossen seien. Unter anderem werde immer noch weiteren anonymen Hinweisen nachgegangen. Es könne zum Beispiel auch nicht ausgeschlossen werden, dass andere Personen in den Mordfall verstrickt sind.
Die Ermittler weisen in Richtung der Personen, die in Gajanovics damaligem kriminellen Umfeld aktiv waren, darauf hin, dass mögliche andere Straftaten in Zusammenhang mit diesem Mordfall mittlerweile verjährt sind. Dazu zählen natürlich nicht Tötungsdelikte.
Info: Hinweise nimmt die Mordkommission unter dem Hinweistelefon 04471-1860-200 sowie unter coldcase@pi-clp.polizei.niedersachsen.de entgegen. Außerdem können weiterhin –auch anonym – Hinweise auf dem Hinweisportal die Polizei Niedersachsen abgegeben werden.