28 Jahre nach der Ermordung des 36-jährigen Nenad Gajanovic hat die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta den Fall als „Cold Case“ geöffnet und eine neue Mordkommission gegründet. Wie die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt berichtet, heißt die Ermittlergruppe „Gajo 96“ und wird von Europol unterstützt.
Rückblick: Im August 1996 fanden Jäger in Dümmerlohausen eine Leiche neben einem roten VW Golf. Der Tatort: ein Feldweg an der heutigen Landesstraße 853. Das Opfer: der 36-jährige Nenad Gajanovic – getötet durch mehrere Schüsse.
Im Zuge der ersten Ermittlungen stellte sich heraus, dass Gajanovic kein unbeschriebenes Blatt war. Der gebürtige Jugoslawe verkehrte in kriminellen Kreisen und soll im norddeutschen Raum mehrere Einbrüche begangen haben. Sein Wohnort war Hamburg. In seinem Umfeld erhielt er den Spitznamen „Gajo“. Die Ermittler fanden heraus, dass sich der 36-Jährige vor seiner Ermordung zuletzt in einem Hotel an der Alexanderstraße in Oldenburg aufhielt. Dort war er offenbar untergetaucht. Der rote Golf, der am Tatort abgestellt war, wurde vor dem Mord in Bad Essen gestohlen. Die Ermittler gehen davon aus, dass bei diesem Autodiebstahl der spätere Mörder beteiligt war.
Akten wurden bereits 2019 wieder geöffnet
Die Mordermittler konnten den Fall nicht lösen – er wurde zunächst zu den Akten gelegt. Bis 2019. Dann wurden die Beweise mit neuesten Methoden noch einmal neu untersucht und ausgewertet. Diese Analysen führten jetzt – rund 5 Jahre später – dazu, dass eine neue Mordkommission gegründet wurde.
Die Ermittler erhoffen sich jetzt neue Hinweise aus der Bevölkerung und setzen nicht nur eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus – sie beschreiten auch einen völlig neuen Weg: In Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Oldenburg wurde ein Kurzfilm produziert. Darin enthalten sind bislang unveröffentlichte Details und auch Fotos vom Tatort.
Triggerwarnung: Der Kurzfilm enthält Inhalte, die zeigen sollen, wie grausam die Tat begangen wurde. Gezeigt werden auch Fotos vom Tatort und vom Leichnam.
Mit dem Film sollen insbesondere Zeugen und Mitwisser angesprochen werden, die unter Umständen weitere Hinweise zu Ermordung geben könnten. Die Ermittler betonen in diesem Zusammenhang besonders zwei Punkte: Die Hinweise können anonym unter https://nds.hinweisportal.de/moko-gajo-96 abgegeben werden. Und: Mögliche weitere Straftaten im Zusammenhang mit dem Mordfall, mit Ausnahme von Tötungsdelikten, sind mittlerweile verjährt.
Die Polizeidirektion Oldenburg hat für Hinweise, die zur Aufklärung führen sowie zur Ergreifung der Täterschaft eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Diese Belohnung wird im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg vergeben. Über die Zuerkennung und Verteilung des Geldes wird unter Ausschluss des Rechtswegs entschieden. Die Belohnung ist ausschließlich für an der Straftat nicht beteiligte Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört.
An dem Cold Case ist auch Europol beteiligt. Wie die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta erklärt, gehen die Ermittler nämlich davon aus, dass Nenad Gajanovic nicht nur Kontakte zu international organisierten Kriminellen pflegte, sondern mutmaßlich auch mit ihnen aktiv an Straftaten beteiligt war.