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Carla soll fröhlich in Erinnerung bleiben

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau weiß ein Vechtaer Vater nicht, wie es weitergehen soll. Die beiden  Töchter müssen jetzt ohne ihre Mutter aufwachsen.

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Ein Bild aus glücklichen Tagen: Victoria, Carla, Fabio und Alice da Silva. Foto: privat

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Victoria, Carla, Fabio und Alice da Silva. Foto: privat

Nein, das Bild aus dem Krankenhaus – sie mit geschlossenen Augen, vielen Schläuchen und medizinischen Apparaten an ihrem Körper – soll sich nicht in seinem Kopf festsetzen. Stattdessen zeigt Fabio da Silva auf ein Urlaubsfoto mit der Familie. „Ich möchte ihr fröhliches Lachen in Erinnerung behalten“, sagt er und hat dabei Tränen in den Augen.

Der junge Familienvater aus Vechta ist vor wenigen Tagen Witwer geworden. Plötzlich wurde seine 35 Jahre junge Frau Carla aus dem Leben gerissen. Die beiden Töchter, drei und fünf Jahre alt, wussten bisher nur, dass Mama im Krankenhaus liegt. Freunde stehen dem Vater bei, auch die Vechtaer Kinderkrebshilfe. Der Familie muss zudem dringend finanziell unter die Arme gegriffen werden. Es werden Spender gesucht.

Denn für Vater Fabio ist ab dem Moment, an dem seine Carla über massive Kopfschmerzen klagte, die Welt zusammen gebrochen. „Sie kam zu mir, hielt beide Hände an den Kopf und sackte in meinen Armen bewusstlos zusammen“, berichtet er. Im Rettungswagen sei sie kurz wieder ansprechbar gewesen. „Ich habe ihr gesagt: 'Sorg' dich nicht um die Kinder. Ich komme ins Krankenhaus nach.'“ Doch bevor er das konnte, rief ihn schon ein Arzt aus dem Marienhospital an, teilte mit, dass Carla im Koma liegt und nach Quakenbrück verlegt wird.

Sorgt sich um die Zukunft: Fabio da Silva. Foto: M. NiehuesSorgt sich um die Zukunft: Fabio da Silva. Foto: M. Niehues

Fabio da Silva, der als Lagerist beim Baustoffhandel gr. Beilage in Vechta beschäftigt ist, fragte beim Chef um Hilfe. Peter gr. Beilage machte sich sofort mit ihm auf den Weg in die Klinik. „Ich habe im Gesicht von Peter gesehen, wie ernst es war“, berichtet Fabio da Silva. Im Kopf seiner Frau war ein Aneurysma geplatzt. Die gerissene Arterienerweiterung führte zu Gehirnbluten. Auch eine abermalige Verlegung in eine Fachklinik in Meppen konnte ihr Leben nicht mehr retten.

Vechtaer Freunde der Familie kümmerten sich sofort um Fabio da Silva und seine Kinder. Der Vater weiß nicht, wie es jetzt mit ihm und seinen Töchtern weitergehen soll. 2014 entschied sich da Silva in den Landkreis Vechta zu gehen. Die Arbeitslosigkeit in Portugal war hoch, die Gehälter niedrig. In Deutschland erhoffte er sich bessere Perspektiven. „Als ich hier angekommen bin, hatte ich 150 Euro in der Tasche – das war alles“, berichtet er. Der Informatiktechniker war zunächst in einer Gärtnerei tätig, wechselte dann zu gr. Beilage. Er heiratete in Vechta, die beiden Töchter wurden geboren, die Familie war glücklich – bis das Schicksal jetzt plötzlich unerwartet zuschlug.

Wie soll er den Kindern sagen, dass ihre Mutter gestorben ist?

An die Zukunft mag der Familienvater noch nicht denken. Zunächst soll aber seine Carla im Heimatort beigesetzt werden. Dort, 50 Kilometer südlich von Lissabon, wohnt auch sein Bruder. Dieser bietet Unterschlupf für die Familie an. Aber bis Montag traute sich Fabio da Silva nicht, seinen Kinder zu sagen, dass ihre Mama gestorben ist. Wann und wie vermittelt man das? Wie bringt man das den Mädchen schonend bei?

Fabio da Silva mit Freunden, die ihm jetzt zur Seite stehen (von links): Laura Müller-Imwalle mit Bennet, Peter gr. Beilage, Fabio da Silva, Aderito Rosa, Almute Klein, Helena Winterholler. Foto: M. NiehuesFabio da Silva mit Freunden, die ihm jetzt zur Seite stehen (von links): Laura Müller-Imwalle mit Bennet, Peter gr. Beilage, Fabio da Silva, Aderito Rosa, Almute Klein, Helena Winterholler. Foto: M. Niehues

Unterstützung findet er hier beim Verein für krebskranke Kinder in Vechta. Vorstandsmitglied Almute Klein weiß aus ihrer Erfahrung mit krebskranken Familien, wie Kindern am besten das Thema Tod zu vermitteln ist. Sie gab ihm Tipps, auf welche Weise die beiden Mädchen damit konfrontiert und sich emotional damit auseinandersetzen können.

„Sie müssen wissen, dass die Mama eingeschlafen ist. Sie ist aber da, nicht weg, sie ist immer im Herzen, schaut auf euch herab“, erklärte jetzt Almut Klein dem Vater den Kern der Botschaft, die an die Kinder zu richten sei. Wichtig sei es, zu vermitteln, dass es weitergehe, „auch ohne Mama“, sagt Klein. „Du hast zwei ganz tolle Mädchen. Du wirst erstaunt sein, wie Kinder das aufnehmen“, erklärte sie dem Vater. „Aber glaube mir, sie werden dir eine große Stütze sein“, ermunterte sie ihn. „Sie werden dir auch etwas von der Traurigkeit nehmen.“

Inzwischen hat er ihren Rat umgesetzt. „Das war richtig“, hat er dabei erfahren. Neben der Trauer macht sich Fabio da Silva aber auch Sorgen um die Finanzen der Familie. Allein die Überführung seiner Frau nach Portugal wird etwa 6000 Euro kosten. Ersparnisse gibt es aber nicht. Für einen möglichen Neubeginn mit seinen Töchtern in Portugal fehlt das Startkapital. An das traurigste Weihnachtsfest im Leben der Familie mag er noch gar nicht denken.

Er will Zeit zum Trauern in der Heimat

Um Fabio da Silva auch finanziell unterstützen zu können, hat die Vechtaer Kinderkrebshilfe jetzt eigens ein Sonderkonto nur für die Familie eingerichtet und hofft auf Spenden aus der Bevölkerung. „Spendenquittungen können ausgestellt werden“, bestätigt Almute Klein. „Das Geld macht nicht glücklich, aber es hilft“, weiß sie. Und Klein rät dem Vater zu überlegen, ob nicht vielleicht doch in Vechta die Zukunft der Familie liegt. „Vielleicht findet ihr hier euer Glück, auch ohne die Mutter“, sagt sie.

Peter gr. Beilage, der dem Vater jetzt bei den Behördengängen hilft, ermuntert ebenfalls zum Hierbleiben. „Du hast hier tolle Freunde, erfährst hier viel Hilfe, es gibt Einrichtungen, die dich unterstützen“, sagt er. „Vielleicht ist es hier für euch viel besser als in Portugal.“ Fabio da Silva möchte zunächst aber zu seinem Bruder in die Heimat. „Ich brauche ein wenig Zeit für die Trauer und um mich zu orientieren“, erklärt er. Dass er nach Vechta zurückkommt, will er aber nicht ausschließen, wenn er sich wieder arbeitsfähig fühlt. Im Moment kann er aber nur an Carla denken. „Zwölf Jahre waren wir glücklich zusammen“, sagt er. „Sie hat ein so gutes Herz gehabt.“

Konto der Hilfe für krebskranke Kinder

Info: Sonderkonto des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder Vechta e.V“ bei der Volksbank Vechta, IBAN: DE30 2806 4179 0222 9994 01, BIC: GENO DE F1VEC 

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