Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

"Bundes-Notbremse" basiert auf den Zahlen des Robert-Koch-Institutes

Update: Im Kreis Cloppenburg gilt in der Nacht zu Samstag ab 0 Uhr die Ausgangssperre. Eine nachträgliche Korrektur sorgt für Verwirrung. Fest steht: Die Jahrgänge 1 bis 3 müssen ins Home-Schooling.

Artikel teilen:
Nächtliche Ausgangssperre im Kreis Cloppenburg: Sie kehrt bereits in der Nacht zu Samstag um 0 Uhr mit Inkrafttreten einer neuen Allgemeinverfügung zurück. Symbolfoto: Max Meyer

Nächtliche Ausgangssperre im Kreis Cloppenburg: Sie kehrt bereits in der Nacht zu Samstag um 0 Uhr mit Inkrafttreten einer neuen Allgemeinverfügung zurück. Symbolfoto: Max Meyer

Wer gehofft hat, dass es durch das neue bundesweite Infektionsschutzgesetz einfacher wird, die Corona-Lage vor der eigenen Haustür überblicken zu können, dürfte enttäuscht werden. Denn je nach Infektionslage gelten künftig unterschiedliche Berechnungen der 7-Tage-Inzidenzen. Liegt der Wert über 100 sind ab sofort nur noch die Zahlen des Robert-Koch-Institutes entscheidend dafür, ob und welche Verschärfungen durchgesetzt werden. Liegt die 7-Tage-Inzidenz unter 100 greifen wieder die Regeln der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen - und damit dann wie bisher die gemeldeten 7-Tage-Inzidenzen des Landesgesundheitsamtes.

Das neue Infektionsschutzgesetz, das am Freitag in Kraft tritt, greift ab Samstag in den Landkreisen, bei denen die 7-Tage-Inzidenz über 100 liegt. Also auch in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta. Darin enthalten sind noch weitere formulierte Grenzwerte. Ein Überblick:

7-Tage-Inzidenz über 100

Ab diesem Punkt gelten verschärfte Kontaktbeschränkungen - dann sind nur noch Treffen mit maximal einer haushaltsfremden Person erlaubt. Die generelle Obergrenze bei privaten Treffen liegt bei 5 Personen, Kinder unter 14 Jahren sind ausgenommen.  Zudem gilt eine nächtliche Ausgangsbeschränkung ab 22 Uhr - mit einem erweiterten Zeitfenster bis 24 Uhr, in dem sich Einzelpersonen ohne Begleitung noch in der Öffentlichkeit bewegen dürfen (Spazierengehen oder Joggen). Ausnahmen der Ausgangsbeschränkung, die bis 5 Uhr des Folgetages gilt,  gibt es dann nur noch bei triftigen Gründen. 

Einschränkungen gibt es auch im Sport: Tagsüber darf Sport alleine, zu zweit oder mit den Mitgliedern des eigenen Haushaltes betrieben werden, nicht im Verein oder einer Mannschaft. Profisport darf nur ohne Zuschauer betrieben werden.

Friseure dürfen öffnen, jetzt müssen die Kunden aber einen negativen Test vorweisen. Einen negativen Test müssen auch die Besucher von Zoos bereithalten. Terminshopping bleibt zwar erlaubt - aber auch hier müssen die Kunden einen negativen Test nachweisen können. Das Ergebnis darf nicht älter als 24 Stunden sein.

7-Tage-Inzidenz über 150

Wird dieser Punkt erreicht, dürfen die Geschäfte in diesem Landkreis kein Terminshopping mehr anbieten, selbst wenn der Kunde ein negatives Testergebnis vorweisen könnte. Das Prinzip "Click & Collect" bleibt aber weiter erlaubt.

7-Tage-Inzidenz über 165

Ab diesem Punkt soll der Präsenzunterricht ruhen. Das Land Niedersachsen hat den Grenzwert für weiterführende Schulen aber zunächst weiterhin auf 100 gesetzt. Das wird auch voraussichtlich bis zum 9. Mai so bleiben, denn bis dahin gilt die Corona-Verordnung. Die Landesregierung stellte aber in Aussicht, dass man sich an der bundesweiten Regelung orientieren wolle. 

Neu ist: Liegt die 7-Tage-Inzidenz über 165 müssen künftig auch die Schüler der Jahrgänge 1 bis 3 ins Home-Schooling gehen. Das erklärte Kultusminister Grant Hendrik Tonne in einem Elternbrief. Bislang gab es für diese Grundschuljahrgänge eine Ausnahme - die wird durch das neue Infektionsschutzgesetz jetzt aufgehoben.

Der Schulbetrieb im Szenario B kann unabhängig von der 7-Tage-Inzidenz hier fortgesetzt werden:

  • Jahrgang 4
  • Abschlussklassen
  • Förderschulen
  • Tagesbildungsstätten

Prinzipiell gilt: Ein Bundesland kann weiterhin eigene Corona-Maßnahmen erlassen - solange sie nicht die Vorgaben des Infektionsschutzgesetz aufweichen. Heißt: Strengere Regeln und niedrigere Grenzwerte sind möglich.

Die Auswirkungen im Oldenburger Münsterland

Maßgeblich sind die vom RKI berechneten 7-Tage-Inzidenzen für die beiden Landkreise am 20., 21. und 22. April. Für den Landkreis Vechta ist die Situation eindeutig - an allen 3 Tagen liegt die Inzidenz über 300. Der am Freitag gemeldete Wert deckt sich auch mit der aktuellen Berechnung des Landesgesundheitsamtes am Freitag (324,2). Hier beginnt am Samstag die nächtliche Ausgangssperre erstmals um 22 Uhr, statt wie bisher um 21 Uhr. Ab Montag müssen die Jahrgänge 1 bis 3 ins Home-Schooling wechseln.

Deutlich niedriger sind die 7-Tage-Inzidenzen hingegen im Landkreis Cloppenburg. Allerdings sorgt die Störung von Mittwoch in der Meldekette am Freitag für erhebliche Verwirrung. Denn die wirkt sich jetzt zeitverzögert auf die Zahlen des Robert-Koch-Institutes aus. Konkret geht es dabei um den 165er-Grenzwert, der nach 3 aufeinanderfolgenden Tagen (wie bereits beschrieben) zum Distanzunterricht in den Jahrgängen 1 bis 3 führt.

Schreiben an Grundschulleiter: Jahrgänge 1 bis 3 müssen ins Home-Schooling

Während in den öffentlich zugänglichen Zahlen des RKI am Freitag der Grenzwert am 22. April mit 126 unterschritten ist, scheint er tatsächlich deutlich darüber zu liegen. In einem Schreiben an die Schulleitungen teilt die Cloppenburger Kreisverwaltung mit, dass die Inzidenzwerte vom 20. bis 22. April bei 178, 177 und 188 (und nicht bei 126) liegen. Das bedeutet: Gemäß Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes müssen am kommenden Montag auch die Schüler der Jahrgänge 1 bis 3 im Landkreis Cloppenburg ins Home-Schooling gehen. Darüber sind die Schulleiter am Freitag via Mail informiert worden.

Nach derzeitigem Stand greifen damit ab Samstag  in beiden Landkreisen sämtliche Beschränkungen, die im Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben sind. Beide Kreishäuser müssen diese in Form von Allgemeinverfügungen umsetzen. Diese werden am Samstag amtlich veröffentlicht. Im Landkreis Cloppenburg gilt die Ausgangssperre damit schon in der Nacht von Freitag zu Samstag um 0 Uhr. Das bestätigte Kreissprecher Frank Beumker am Freitag auf Anfrage von OM online.

Was passiert, wenn die Inzidenz unter 100 sinkt?

Die aktuelle Lage deutet in beiden Landkreisen nicht darauf hin, dass dies zeitnah geschehen wird. Aber: In diesem Fall spielen die 7-Tage-Inzidenzen des Robert-Koch-Institutes wieder eine untergeordnete Rolle. Inwiefern Kontaktbeschränkungen weiter gelockert werden können, hängt dann von der Berechnung des Landesgesundheitsamtes ab. Bei Inzidenzen unter 35 sind beispielsweise wieder private Treffen mit maximal 10 Personen aus 3 Haushalten erlaubt.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

"Bundes-Notbremse" basiert auf den Zahlen des Robert-Koch-Institutes - OM online