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Brauchen nun selber Hilfe: Scharreler Lebensretter sammeln Spenden für ein neues Auto

Die First Responder leisten Hilfe, bis der Rettungsdienst eintrifft. Warum sie keine finanzielle Unterstützung erhalten und inwiefern sie Leben retten können, weiß Benno Hermes aus erster Hand.

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First Responder: stellv. Ortsbrandmeister Lukas von Kajdacsy (von links), Marcus Norrenbrock, Jasmin Waldecker, Daniel Gehlenborg, Meike Vocks, Vera Pörschke, Felix Burdorf, Hans-Jürgen Janssen, Kai Lindemann, Fördervereinsvorsitzender Benno Hermes, Matthias Blanke, Andrea Janssen und Heinrich Pörschke engagieren sich in der Gruppe in Scharrel. Foto: Thomas Giehl/Feuerwehr Saterland

First Responder: stellv. Ortsbrandmeister Lukas von Kajdacsy (von links), Marcus Norrenbrock, Jasmin Waldecker, Daniel Gehlenborg, Meike Vocks, Vera Pörschke, Felix Burdorf, Hans-Jürgen Janssen, Kai Lindemann, Fördervereinsvorsitzender Benno Hermes, Matthias Blanke, Andrea Janssen und Heinrich Pörschke engagieren sich in der Gruppe in Scharrel. Foto: Thomas Giehl/Feuerwehr Saterland

15 Minuten kann es in Niedersachsen dauern, bis der Rettungswagen kommt. In einigen Fällen zählt jedoch jede Sekunde. Deswegen gibt es die First Responder Gruppe Scharrel. Die Ehrenamtlichen überbrücken die Zeit, bis der Rettungsdienst kommt und können damit Leben retten. Das nötige medizinische Equipment dafür haben die ausgebildeten Kräfte im Wagen. Da der Kofferraum aber für den gestiegenen Bedarf zu klein wird und in Zukunft größere Reparaturen drohen könnten, braucht die Gruppe ein neues Auto.

Bereits 2002 bildeten sich die First Responder in Scharrel als Teil der Freiwilligen Feuerwehr Scharrel und waren damit einer der ersten Gruppen deutschlandweit, erzählt Gründungsmitglied Benno Hermes stolz. Er ist heute Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Scharrel, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Responder-System und die Jugendarbeit der Wehr finanziell zu unterstützen. Denn die Gemeinde Saterland kann nicht alles bezahlen, vor allem muss sie die First Responder auch nicht unterstützen, erklärt Hermes.

Benno Hermes hat Sinn der First Responder am eigenen Leib erfahren

Während Brandschutz zu den Pflichtaufgaben der Kommunen gehört, ist eine Responder-Gruppe freiwillig. Weil der Einsatz auch nicht mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann, finanzieren First-Responder-Gruppen Equipment und Ausbildung hauptsächlich über Spenden. Zuschüsse bekommen sie keine. Das wird auch bei dem Spendenaufruf auf der Crowdfunding-Internetplattform „GoFundMe“ der Feuerwehr Scharrel deutlich. Jüngere Teammitglieder hatten die Idee, dass man auch online um Spenden werben könnte, berichtet Hermes. Mit Stand vom 4. April wurden bereits knapp 3600 Euro gesammelt.

Der 11 Jahre alte Wagen soll ersetzt werden, der Kofferraum ist zu klein für das nötige medizinische Equipment. Foto: First Responder ScharrelDer 11 Jahre alte Wagen soll ersetzt werden, der Kofferraum ist zu klein für das nötige medizinische Equipment. Foto: First Responder Scharrel

Er habe selber schon am eigenen Leib erfahren müssen, wie lebenswichtig die Scharreler Truppe ist. Nach einem Herzinfarkt haben sie ihn zurückgeholt, erzählt der Vereinsvorsitzende, seitdem darf er selber nicht mehr aktiv dabei sein. „Ich kann gar nicht zählen, wie viele Leute wir schon wiedergeholt haben“, blickt er zurück. Die Akzeptanz im Dorf sei dementsprechend groß. Die Menschen wissen, dass man sich auf die First Responder verlassen kann, meint Hermes. Gerade auf dem Land seien kurze Anfahrtswege wichtig.

Förderverein muss Eigenanteil von 15.000 Euro leisten

Parallel zum Rettungsdienst werden die First Responder alarmiert. 68 Einsätze ist die Gruppe im vergangenen Jahr gefahren, informiert Marcus Norrenbrock, Mitglied des Scharreler Teams und Organisator der Online-Spendenkampagne. Die Einsatzleitstelle sucht immer nach dem schnellsten Mittel, deswegen sind die First Responder teilweise auch über der Gemeindegrenze hinaus im Einsatz, berichtet Hermes. Zu dem Team von aktuell rund 25 Feuerwehrmitgliedern zählen laut Hermes zum Beispiel ein Intensivpfleger und eine OP-Schwester. Rettungssanitätshelfer zu sein, ist jedoch die Grundvoraussetzung.

Mittlerweile hängen zwar immer öfter Defibrillatoren, kurz Defi genannt, an öffentlichen Orten, beobachtet der Vorsitzende des Fördervereins. Doch nur wenige Menschen würden sich im Ernstfall trauen, diese auch zu benutzen, da sie nicht gelernt haben, damit umzugehen. Unter anderem deswegen seien die ausgebildeten First Responder wichtig. Einen Defi haben sie auch dabei, der in Zukunft in einem größeren Kofferraum eines neuen SUVs Platz finden soll.

Der Erlös des 11 Jahre alten Wagens, der ersetzt werden soll, wird für die Neuanschaffung genutzt, erklärt Hermes. Außerdem habe der Förderverein über die letzten Jahre schon ein wenig Geld angespart. Als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung unterstütze auch die Gemeinde Saterland dankenswerterweise das Vorhaben. Die politischen Gremien haben beschlossen, dass die Gemeinde das Auto anschafft, da sie einen Kommunalrabatt erhält. Der Eigenanteil des Fördervereins liegt dann noch bei 15.000 Euro. Das ist auch das anvisierte Spendenziel auf „GoFundMe“.


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