Nach fast 47 Jahren ist Schluss – aber noch nicht endgültig: Zum Ende des Monats Februar verabschiedet die Lohner Fielmann-Filiale ihre stellvertretende Niederlassungsleiterin Birgit Meyer in den Ruhestand. Die demnächst 64 Jahre alte Lohnerin gehörte bundesweit zu den ersten Auszubildenden, die das Unternehmen mit dem Schwerpunkt Augenoptik beschäftigte. Bei ihrer Einstellung hatte Firmengründer Günther Fielmann persönlich seine Hände im Spiel.
Aber der Reihe nach: Die Lohner Niederlassung war 1974 die fünfte, die Günter Fielmann eröffnete. Heute hat das Unternehmen bundesweit 600 Filialen. Im Sommer 1974 hatte die Niederlassung ihren Sitz an der Falkenbergstraße. Während der Eröffnungsphase waren Fielmann und der Lohner Chef Rainer Zopfs, dessen Sohn Steffen heute das Geschäft führt, öfter mittags im Restaurant "Forelle" essen.
Dort jobbte nach ihrem Schulabschluss die junge Birgit, die damals noch ihren Mädchennamen Hausfeld trug. "Da die beiden Männer regelmäßig da waren, kamen wir ins Gespräch. Ich hatte zu dieser Zeit noch keinen Ausbildungsplatz – und habe forsch nachgefragt. Da hieß es: Du kannst morgen anfangen", erinnert sich die Lohnerin, die – heute undenkbar – nie eine Bewerbung schreiben oder Zeugnisse vorlegen musste.
Damals trugen Augenoptiker einen weißen Kittel
Gemeinsam mit Rainer Zopfs, Heinz Koscharre und einem Springer verbrachte Meyer ihre ersten Berufsjahre. Damals galt Augenoptik noch als medizinischer Beruf. "Wir trugen auch einen weißen Kittel." Im Vergleich zu heute wurde den Augenoptikern damals stärker die Entscheidung überlassen. "Jetzt wissen die Kunden meist ganz genau, was sie wollen." Fielmann sei der erste Anbieter gewesen, der Brillen offen präsentiert habe. "Fielmann hat die Brille schön gemacht", sagt sie.
Der Beruf habe sich gewandelt, sagt Meyer, sei heute weniger Handwerk. "Mehr Austausch, weniger Reparatur", beschreibt sie die Entwicklung. Zwar seien die technischen Hilfsmittel mehr geworden, gleichwohl habe sich die Arbeit nicht grundlegend verändert.
Früher bastelte sie auch mal Boote aus Balsaholz
Heute ist die Brille ein Modeartikel, ein Accessoire, stellt Meyer fest. "Trends kommen und gehen. Aber heute ist alles vielseitiger – auch die Sonnenbrille." Ob Büro, Werkstatt oder Verkauf: Die Abwechslung bei der Arbeit habe sie immer sehr gemocht, sagt Meyer. Am liebsten war ihr immer der Kontakt mit den Kunden. "Ich bin ein kommunikativer Mensch."
Sie gesteht, dass sich das Arbeitspensum erhöht habe – auch, weil die Zahl der Brillenträger sukzessiv mehr werde. "Früher haben wir ab und an auch Skat gespielt oder Boote aus Balsaholz gebastelt." Meyer bedauert, dass aufgrund der Corona-Pandemie keine große Abschiedsparty möglich ist. Sie freue sich aber auf den Neubeginn, möchte viel Radfahren und Wandern. Und: Einen Tag pro Woche ist sie weiter bei Fielmann für Stammkunden ansprechbar.