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Berlin zieht die Notbremse: Was heißt das für den Landkreis Vechta?

Die Ausgangssperre gilt weiter, beginnt aber später. Ob sie geholfen hat, wird erst in 2 bis 3 Wochen feststehen. Das sagt Sandra Guhe, Leiterin des Gesundheitsamtes.

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Symbolfoto: Chowanietz

Symbolfoto: Chowanietz

Das neue Infektionsschutzgesetz mit der Bundes-Notbremse hat die letzten Hürden genommen. Es tritt also an diesem Freitag in Kraft. Zunächst passierte es am Donnerstag den Bundesrat, dann wurde es von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnet und später im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Und nun? Was heißt das für die Menschen im Landkreis Vechta? Auf die Fragen von OM online antworteten am Donnerstagabend Sandra Guhe, Leiterin des Gesundheitsamtes, und Jochen Steinkamp, Sprecher des Landkreises.

Die Notbremse kommt. Was heißt das genau für die Menschen im Landkreis Vechta? Welche Veränderungen ergeben sich? Was bleibt gleich?
Steinkamp: Die momentanen privaten Kontaktbeschränkungen gelten unverändert weiter. Eine wichtige Änderung betrifft die Ausgangssperre. Die aktuell geltende Ausgangsbeschränkung des Landkreises läuft am Samstag um 5 Uhr aus und geht direkt in die Bundesregelung über. Das heißt: Ab Samstag greift die Ausgangssperre erst ab 22 Uhr und läuft bis zum Folgetag um 5 Uhr. Es gelten die entsprechenden Ausnahmen aus dem Bundesgesetz. Eine weitere Änderung betrifft den Sport von Kindern bis 14 Jahre. Sie können im Freien kontaktlosen Sport treiben. Die Gruppen dürfen allerdings nicht größer als 5 Kinder sein. Anleitungspersonen müssen einen negativen Test vorweisen, der nicht älter als 24 Stunden ist.
Untersagt ist der Abverkauf zum Mitnehmen zwischen 22 und 5 Uhr. Die Auslieferung von Speisen und Getränken bleibt in dem Zeitraum aber zulässig. Außerdem: Wer zum Friseur oder zur Fußpflege möchte, muss einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Konkret: Noch gehen Grund- und Förderschule in den Wechselunterricht. Ist damit dann Schluss, obwohl vor Schulstart getestet wird und es kaum Infektionsfälle gibt?
Steinkamp: Ja, aufgrund der aktuellen Inzidenzzahlen ist dies so. Bei einer Inzidenz von über 165 ist kein Präsenzunterricht mehr möglich. Eine Ausnahme dazu ist für Förderschulen und Abschlussklassen möglich.

Sind die Kindergärten im Notbetreuungsmodus auch von der Notbremse betroffen?
Steinkamp: Nein. Eine Notbetreuung bleibt weiterhin möglich.

Die Ausgangssperre gilt, die Infektions-Zahlen sind noch immer hoch: Ab wann wäre mit einem positiven Effekt zu rechnen? Sprich: Ab wann weiß die Behörde, ob die Maßnahme geholfen hat?
Guhe: Die Zahl der Neuinfektionen ist in der 14. KW (das ist die Woche nach Ostern) stark angestiegen. Da die Inkubationszeit des Coronavirus bis zu 14 Tagen beträgt, sind die Fallzahlen in der Folgewoche ebenfalls  zum Großteil darauf zurückzuführen. Die Infizierten hatten wiederum viele Kontaktpersonen, die sich bereits angesteckt hatten und nun während ihrer Quarantäne von uns positiv getestet worden sind. Ein spürbarer Effekt ist frühestens nach 2 bis 3 Wochen nach erlassener Ausgangssperre zu erwarten.

Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, wie schnell es im besten Fall gehen könnte, auf einen Wert unter 150 zu kommen, um etwa von den Öffnungsmodellen für Läden profitieren zu können. Gibt es da Prognosen? Oder anders: Was wäre die Voraussetzung, um eine Prognose geben zu können?
Guhe: Eine prognostische Einschätzung zum weiteren Inzidenzverlauf ist sehr schwierig. Die Folgeinfektionen der lnfizierten werden noch einige weitere Tage auftreten. Zudem ist der zukünftige Verlauf davon abhängig, inwieweit die Neuinfizierten ihre stattgefundenen Kontakte gegenüber dem Gesundheitsamt wahrheitsgemäß angeben. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass dies zunehmend weniger der Fall ist. Die den Kontaktermittlern verschwiegenen engen Kontaktpersonen können somit auch nicht in Quarantäne gesetzt werden, haben sich vielfach aber bereits infiziert, sind ansteckend und werden erst bei Auftreten von Symptomen im Rahmen eines Hausarztbesuchs selbst positiv getestet. Ein erfolgreiches Eingrenzen von Folgeinfektionen ist nur durch eine verantwortungsbewusste und gewissenhafte Mitwirkung der neuinfizierten Personen durch wahrheitsgemäße Angaben gegenüber den Kontaktermittlern möglich. Zudem ist das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger entscheidend. Im Rahmen der Kontaktermittlung wird immer mehr deutlich, dass in der Mehrheit der neu auftretenden positiven Fälle entweder die Abstands- und Hygieneregeln bzw. überwiegend die Kontaktbeschränkung im privaten Bereich nicht eingehalten worden ist.

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