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Beratungszahlen bei häuslicher Gewalt steigen deutlich an

Das Gewaltschutzzentrum legt die Statistik für das Jahr 2025 für den Landkreis Cloppenburg vor und richtet einen Appell an die Politik.

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Symbolbild: DRK Cloppenburg / Nolting

Symbolbild: DRK Cloppenburg / Nolting

Die Beratungszahlen im Bereich häuslicher Gewalt sind im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des DRK-Kreisverbandes Cloppenburg spürbar gestiegen, wie der Verband mitteilt. Sowohl in der Frauenberatung bei Bedrohung und Gewalt als auch in der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) für die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta verzeichnete das Gewaltschutzzentrum demnach einen erheblichen Zuwachs.

In der Frauenberatung bei Bedrohung und Gewalt seien 2025 insgesamt 352 Frauen in 1517 Gesprächen beraten worden. Im Vorjahr habe die Zahl bei 290 betroffenen Frauen und Mädchen in 934 Beratungsgesprächen gelegen. Alle Altersgruppen seien hierbei vertreten.

55 Frauen waren demnach unter 21 Jahre alt, die meisten beratenen Frauen befänden sich im Alter von 22 bis 40 Jahren. Auch die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS), die eng mit der Polizei zusammenarbeite und sich proaktiv an Betroffene nach polizeilichen Einsätzen wende, registrierte laut DRK-Kreisverband steigende Zahlen: 2025 wurden 939 Fälle in 1327 Beratungen betreut, im Vergleich zu 851 Fällen im Jahr zuvor bei 1056. Zudem seien 2025 insgesamt 1172 Kinder betroffen gewesen, im Gegensatz zu 1163 Kindern im Vorjahr. Die BISS berate alle Geschlechter, der Anteil der im Rahmen der BISS beratenen Frauen belaufe sich auf 85 Prozent. Auch hier seien alle Altersgruppen vertreten.

Anstieg hängt von mehreren Faktoren ab

„Die Zahlen steigen seit mehreren Jahren kontinuierlich, und leider setzt sich dieser Trend weiter fort“, so Ina Otten, Leiterin des Gewaltschutzzentrums beim DRK-Kreisverband Cloppenburg. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der Gewalt erlebt hat, und jede Beratung steht für eine Frau, die den Mut gefunden hat, sich Hilfe zu suchen. Das ist einerseits ermutigend, andererseits zeigt es uns, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, worauf der deutliche Anstieg im Einzelnen zurückzuführen ist. Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, so Otten. Möglicherweise suchten mehr Betroffene Unterstützung, weil das Thema gesellschaftlich sichtbarer geworden sei. Gleichzeitig zeigten die Zahlen aber auch, dass häusliche Gewalt weiterhin „ein ernst zu nehmendes und präsentes Problem in unserer Gesellschaft bleibt“.

Das Gewaltschutzzentrum biete kostenfreie und vertrauliche Beratung für Betroffene von häuslicher Gewalt an. Die BISS arbeite dabei eng mit der Polizei zusammen, um zeitnah nach einem Einsatz Kontakt zu den Betroffenen aufzunehmen und Schutz- sowie Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen – unabhängig von Geschlecht oder Alter der Person. Denn häusliche Gewalt beziehe sich nicht nur auf partnerschaftliche Gewalt, sondern auch auf solche, die in Familien vorkomme.

„Wir freuen uns über jede Frau, die zu uns kommt und sich Unterstützung holt. Gleichzeitig wäre es schön, wenn wir eines Tages über sinkende Zahlen sprechen könnten. Bis dahin werden wir alles dafür tun, dass unser Angebot erreichbar, vertraulich und verlässlich bleibt – für alle, die uns brauchen“, sagt Ina Otten. Das Gewaltschutzzentrum appelliert an Politik und Gesellschaft, die Strukturen der Gewaltprävention und Unterstützung für Betroffene dauerhaft zu stärken und zu finanzieren. Nur so könne die Hilfe auch in Zukunft sichergestellt werden.

  • Info: Die Beratungsstellen sind werktags unter Telefon 04471/911010 erreichbar. In Notfällen und bei Gefahr für Leib und Leben ist der polizeiliche Notruf 110 zu wählen.

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