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Bauern erzwingen Gespräch mit Lidl-Chef

Landwirte blockieren Zentrallager in Emstekerfeld. Ort für Demonstration erst kurzfristig bekanntgegeben.

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Blockade: Die Landwirte versperrten für elf Stunden die Zufahrten zum Lidl-Betriebsgelände. Fotos: Hermes

Blockade: Die Landwirte versperrten für elf Stunden die Zufahrten zum Lidl-Betriebsgelände. Fotos: Hermes

Noch früher als sonst war Georg Frerichs gestern Morgen aufgestanden. Statt aber wie üblich zum Füttern in den Stall zu gehen, bestieg der Landwirt aus Sevelten seinen Trecker und fuhr zum Lidl-Zentrallager ins Cloppenburger Industriegebiet. Er war nicht allein. Hunderte Bauern aus der Region blockierten elf Stunden lang die Ein- und Ausfahrten des Handelsriesen in Emstekerfeld, um gegen die Preispolitik zu protestieren und über sie zu diskutieren. Bis zum frühen Abend ließen die Landwirte Lastwagen weder hinein – noch hinaus. Das benachbarte Lagerhaus des Online- Händlers Amazon wurde auf die gleiche Weise blockiert. Auch beim Ecopark in Emstek hatten sich Landwirte versammelt. Zwar erklärte sich Lidl bereit, eine Delegation zu empfangen. Darauf wollten sich die Bauern aber nicht einlassen. Man werde nicht in Hinterzimmern diskutieren, hieß es zur Begründung. Nach elf Stunden, um 17.08 Uhr, trat schließlich Zentrallager-Geschäftsführer Ludger Otten vor die Landwirte. Mit dabei hatte er die geforderte schriftliche Bestätigung eines Gesprächstermins am 11. März.

Die Aktion war in aller Stille von der Bewegung „Land schafft Verbindung (LsV)“ vorbereitet worden. Er habe zwar durch seine örtliche WhatsApp-Gruppe erfahren, dass etwas geplant sei. Wohin es gehen sollte, sei aber erst am Morgen bekanntgegeben worden, berichtete Frerichs. Lidl sei gezielt ausgesucht worden, weil sich das Unternehmen anders als andere Lebensmitteleinzelhändler weigere, mit den Landwirten zu sprechen, erklärte Jürgen Beselbecke aus Damme. Konkret fordern die Bauern, dass der Discounter Kunden stärker auf die Qualität regionaler Produkte hinweist. „Wir brauchen kein Fleisch aus Argentinien, denn wir produzieren in Deutschland die besten Lebensmittel der Welt“, betonte Beselbecke. Das gelte auch für sogenannte Massenware. Die Lidl-Pressestelle erklärte auf Anfrage, dass dem Unternehmen „ein faires Miteinander und eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit seinen Lieferanten sehr wichtig“ sei.

Gesprächstermin erkämpft: Jürgen Beselbecke aus Damme mit der schriftlichen Bestätigung von Lildl.Gesprächstermin erkämpft: Jürgen Beselbecke aus Damme mit der schriftlichen Bestätigung von Lildl.

Die Landwirte waren gestern erneut bundesweit auf die Straße gegangen. In vielen Städten, darunter in Hamburg und Bremen, sorgten sie mit ihren Traktoren für Verkehrsbehinderungen. In Dessau fand die Hauptkundgebung vor dem Umweltbundesamt statt. Zum Hintergrund der Aktionen sagte Dirk Andresen, Sprecher von „Land schafft Verbindung – Deutschland“: „Die Politik hört uns, wir bekommen Verständnis, wir demonstrieren, aber es fehlen Ergebnisse.“

Da der Bundesrat in vier Wochen über die Zukunft der Landwirtschaft entscheide, „müssen wir alle Hebel in Bewegung setzen, damit die neue Düngeverordnung abgelehnt wird“. Das Umweltbundesamt sei für die Messstellenwerte und der daraus resultierenden Düngeverordnung maßgeblich mitverantwortlich, erklärte Andresen. Auch anderswo steuerten die Bauern Standorte von Handelsunternehmen an, um den Warenfluss ins Stottern zu bringen. In Weyhe stellten sie zeitweise ein Aldi- und Netto-Lager mit ihren Fahrzeugen zu. In Emstekerfeld blieb alles friedlich. Die Polizei vermittelte. Den Weg zum Amazon-Lager machten die Landwirte bereits am Vormittag wieder frei.

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