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André Schneider ist der "Rennleiter" bei der "Formel Eins" auf dem Stoppelmarkt

André Schneider aus Bielefeld kennt den Stoppelmarkt von Kindesbeinen an. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er mit einem Autoscooter der Familie auf Reisen. "Formel Eins" nennt sich heute sein Geschäft.

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Die Fahrgäste haben Spaß im "Formel Eins"-Autoscooter gegenüber dem Amtmannsbult auf dem Stoppelmarkt. Foto: M. Niehues

Die Fahrgäste haben Spaß im "Formel Eins"-Autoscooter gegenüber dem Amtmannsbult auf dem Stoppelmarkt. Foto: M. Niehues

Die Berichterstattung rund um den Stoppelmarkt 2022 wird Ihnen präsentiert von der Volksbank Vechta.

"Jetzt die Chips einwerfen, die Fahrt geht los", tönt es aus dem Lautsprecher. Dann startet ein Formel-Eins-Rennen, wie man es im Fernsehen nicht zu sehen bekommt. Denn das ist der Name eines Autoscooters gegenüber des Amtmannsbults auf dem Stoppelmarkt. Die Durchsage macht André Schneider. Er ist der Eigentümer des Fahrgeschäfts. Und der heute 51-Jährige führt die Regie des Rennens. Auf 90 Volt Spannung hat er die Anlage eingestellt. "Solange kleine Kinder dabei sind, fahren wir langsamer", erklärt er. Abends wird dann die Voltzahl hochgedreht. Dann fahren die Autos, Schausteller sprechen hier von Chaisen, deutlich schneller. André Schneider ist also eine Art Rennleiter auf dem Stoppelmarkt. Und einer, der sich keinen anderen Beruf als den des Schaustellers vorstellen kann.

Schneider gehört einer Art Schausteller-Dynastie an. Lange war die Familie mit Scootern unter dem Namen Robrahn/Schneider unterwegs. "Schon Großvater Ewald Robrahn war auf dem Stoppelmarkt vertreten", berichtet der Enkel. Seit mindestens 60 Jahren ist die Familie dabei. André Schneider selbst besuchte bis zur mittleren Reifen das Schausteller-Internat in Herford. Dann überließ ihm der Vater den älteren der beiden Autoscooter der Familie. "Das war noch richtig Knochenarbeit, den aufzubauen", erinnert er sich. Alles aus Eisen, die Unterkonstruktion, die Platten und die Säulen. "Ein solches Fahrgeschäft würde heute niemand mehr aufstellen", erklärt er.

Hohe Preise und Personalmangel bereiten Sorge

Der aktuelle Scooter besteht aus 2 Mittelbauwagen. Die werden mit entsprechendem Abstand nebeneinander parallel aufgestellt, ausgeklappt und dann auf Schlitten elektronisch ausgerichtet, auf den Millimeter genau. Alle Chaisen befinden sich bereits auf den beiden Wagen. 26 Autos sind es, die stets nach einigen Jahren neu gekauft werden. Aktuell kostet eine Chaise neu 6.500 Euro. "Nächstes Jahr kaufe ich neue", sagt Schneider. Dann, so befürchtet er, wird er möglicherweise schon 7.000 Euro pro Stück dafür ausgeben müssen.

Der Rennleiter gibt den Ton: André Schneider steuert seinen Autoscooter. Foto: M. NiehuesDer "Rennleiter" gibt den Ton: André Schneider steuert seinen Autoscooter. Foto: M. Niehues

Das Thema Kosten ist eines, das aktuell alle Schausteller bewegt. Der hohe Dieselpreis, Strompreise und natürlich die Investitionen, die aufgebracht werden müssen, um ein Geschäft am Laufen zu halten. "Ich bin aber froh, dass es nach Corona endlich wieder weitergeht", sagt Schneider. Während der 2-jährigen Auszeit ohne Volksfeste war er froh, dass er seinen Scooter wenigstens bei den beiden Freizeitparks in Vechta hat aufstellen können. "Das hat gut getan", sagt er. Das habe auch mental geholfen. Aber der richtige Stoppelmarkt sei dann doch etwas anderes. Und so ist André Schneider trotz der Hitze mit dem bisherigen Verlauf des Marktes sehr zufrieden. Eine Nacht hat er seinen Scooter bis nachts um 3 Uhr laufen lassen, die andere sogar bis 4 Uhr. "Wir hätten sogar noch 'ne halbe Stunde länger spielen können", erklärt er. Aber irgendwann seien die Gäste dann doch zu betrunken. "Das möchte ich dann nicht mehr verantworten." 

Und schließlich müsse sich ja auch sein Personal ausruhen und schlafen. Apropos Personal. Das Thema beschäftigt ihn genauso, wie alle anderen Schausteller. "Wir finden keine Leute", sagt er. Arbeitslose seien nicht zu motivieren. Aktuell fehlt ihm eine Person. Für den Auf- und Abbau benötigt er jetzt etwa doppelt so lang wie vor der Pandemie. "Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll", sagt Schneider. Wenn es auf Dauer nicht erlaubt werde, auch außereuropäische Kräfte einzusetzen, sei ein Volksfest in der heutigen Form nicht mehr aufrechtzuerhalten, ist er überzeugt.

Stoppelmarkt gehört für André Schneider zu den "Top-Five"

Begeistert ist er trotz der Hitze immerhin vom Verlauf des Marktes in Vechta. "Aktuell bin ich auf dem Niveau von 2019", sagt er. Mit dem Umsatz sei sehr zufrieden. "Aber abgerechnet wird zum Schluss", sagt er. Für Schneider, der in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Nordhessen unterwegs ist, gehört der Stoppelmarkt zu den "Top-Five". "Vechta gehört einfach zu den besten Veranstaltungen in Deutschland", so Schneider. Am Freitag war sogar sein inzwischen 87-jähriger Vater nach Vechta gekommen. Hier fand eine Art Familientreffen der Robrahns und Schneiders statt. "Die Stoppelmarkt-Luft lässt uns aufleben, wir sind froh, wieder hier zu sein", sagt André Schneider.

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