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Amtlich: Wolf griff Fohlen auf Weide an

Das Wolfsbüro legt sich mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ fest und bestätigt den Vorfall in Friesoythe. Der bleibt jedoch ungewöhnlich. Der Hengst hat sich erholt.

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Pferde-Front: Mit dem Junghengst Bonfino in der Mitte grast die Herde tagsüber auf der Weide des Friesoyther Heidehofes. Foto: Claudia Wimberg

Pferde-Front: Mit dem Junghengst Bonfino in der Mitte grast die Herde tagsüber auf der Weide des Friesoyther Heidehofes. Foto: Claudia Wimberg

Auf die Einschätzung des Wolfsberaters folgte nun die amtliche Bestätigung: Bei dem Angreifer, der auf der Weide des Friesoyther Heidehofes ein Fohlen erheblich verletzt hat, handelte es sich um einen Wolf.

Nach Auswertung aller verfügbaren Informationen, zu denen neben Fotos auch Genproben gehörten, sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf als Verursacher festgestellt worden“, schreibt das Wolfsbüro mit Sitz in Hannover. Adressat ist Dr. Claus Ortmann, der seinen jungen Oldenburger Hengst auf dem Gelände der Familie Kösters untergestellt hat. Wie berichtet, wurde „Bonfino“ vor rund fünf Wochen Opfer einer gezielten Attacke auf Hals und Beine. Und nicht zuletzt aufgrund dieser koordinierten Offensive verbunden mit eindeutigen Bisswunden und Kratzspuren ist Wolfberater Hermann Wreesmann aus Altenoythe bereits bei der ersten Begutachtung von einem Wolf   ausgegangen.

Angriff am Nachmittag ist ungewöhnlich

„Das haben viele Leute und vor allem Pferdebesitzer nicht glauben können“, berichtet Claus Ortmann über ungläubige Reaktionen. Die Zweifel seien verständlich. Ein Angriff mitten am Nachmittag sei ebenso ungewöhnlich wie die Tatsache, dass überhaupt ein Pferd im Fokus des Raubtieres stand. Als Gründe führte Wreesmann zum einen an, dass das fünf Monate alte Fohlen Waise war und der unmittelbare Schutz der Mutter wegfiel. Zum anderen habe es sich bei dem Wolf vermutlich ebenfalls um ein Jungtier gehandelt, das auf Wanderschaft ist.

Mit zwölf bis 18 Monaten verlassen die Nachkommen ihr Rudel und suchen sich eine eigenes Territorium. Auf dieser Suche sei dieser Wolf, der zu diesem Zeitpunkt noch zahlreiche Versteckmöglichkeiten im Mais nutzen konnte, dann offenbar auf das Fohlen gestoßen, das vielleicht abseits gestanden oder gelegen habe. Noch unerfahren habe er den Angriff gestartet, „dabei seine Kräfte überschätzt, ist gescheitert und wird sich nun eher auf Hasen und Rehe als leichte Beute konzentrieren“, so Wreesmann.

Bisse am Bein: gezielt vom Angreifer vorgenommen. Foto: KöstersBisse am Bein: gezielt vom Angreifer vorgenommen. Foto: Kösters

Pferde und Rinder gehörten nicht zum Beuteschema, da der Wolf um sein eigenes Verletzungsrisiko  bei einer Attacke wüsste. Somit bliebe dieser Fall ungewöhnlich, durch unglückliche Umstände zu erklären und durch die amtliche Feststellung auch nicht wegzudiskutieren.

Eine Wiederholung des Vorfalls hält der Experte für relativ unwahrscheinlich, dennoch wollen Melanie und Stephan Kösters für ihren Hof Vorsorge betreiben. Das Material, um den Zaun zusätzlich zu sichern, sei mittlerweile angeliefert, am Wochenende will die Familie mit den Arbeiten beginnen.

Veterinär Claus Ortmann hat Bonfinos Verletzungen selbst behandelt. Sie sind verheilt, der junge Hengst sei  fit und fühle sich auch auf der Weide wieder wohl.

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