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Always change a running system

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Manche Produkte begleiten mich schon ein Leben lang und sind mittlerweile ein Teil von mir. Wenn man mir diese dann wegnimmt, verstehe ich keinen Spaß.

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Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Na klar, hier und da mal ein bisschen Würze im sonst so faden Alltagsgeschehen darf auch nicht fehlen. Aber im Großen und Ganzen gefallen uns feste Abläufe und eine gewisse Planungssicherheit doch eigentlich ganz gut – zumindest mir.

Beispiel Essen: Bei einem Blick in Ihren Kühl-, Süßigkeiten-Schrank oder Ähnliches tummeln sich mit Sicherheit wieder einmal die üblichen Verdächtigen, die schon seit Jahren regelmäßig auf dem Supermarktband landen.

So liegt immer eine Packung Knoppers in Reichweite oder die eine Nudelsauce von Knorr – von Maggi ganz zu schweigen. Irgendwann – vielleicht schon in der Kindheit – entdeckt, haben sie uns einmal in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Seitdem haben sie in jeder größeren Einkaufsroutine ihren festen Platz und werden, je nach Bedarf, tunlichst zuerst angesteuert.

Zu dieser Art von Grundnahrungsmitteln gehören bei mir Brotchips. Knackig, würzig, ein einzigartiger Geschmack. Kurzum: der perfekte Snack. Als wieder einmal die Vorräte zur Neige gingen, war die Devise klar: auf in den Supermarkt!

Dort angekommen, herrscht zunächst Verwirrung. Nichts zu finden. Auch im zweiten Laden denke ich noch an nichts Schlimmes. Vielleicht vergriffen? Aber es gibt nicht einmal leere Kartons … Dann die Hiobsbotschaft: momentan nicht lieferbar. Wann und ob sie wiederkommen, ist nicht zu sagen.

Es ist keine Panik, die sich breit macht, sondern Enttäuschung. Eine Leere, die sich auch nach längerer Zeit immer mal wieder zu Wort meldet und meine Laune runterzieht. Aber ich gebe nicht auf. Fix Google angeschmissen und fündig geworden. Scheinbar haben sie nur die Marke gewechselt. Eine kleine Erleichterung. Aber wie komme ich da jetzt dran? Erstmal abwarten, schließlich waren die Dinger schon in meiner Kindheit im Programm. Die Wochen ziehen ins Land. Nichts!

„In klassischer Pandemie-Manier schlage ich dann auch zu, wenn ich doch mal Glück habe und lasse den anderen nichts übrig. Es geht hier schließlich ums Überleben.“

Nun reicht es mir und ich tue etwas, was ich bislang für großen Quatsch gehalten habe: Lebensmittel online bestellen. Ein bisschen blöd komme ich mir schon vor, aber ich habe wenigstens wieder einen kleinen Vorrat meines heißgeliebten Knabber-Guts. Jetzt kann ich die Zeit überbrücken, bis es wieder regulär vor Ort zu haben ist, oder? ODER?!

Seitdem sind viele Monate und Bestellungen vergangen. Mit dem leicht angepassten Geschmack (warum das auch noch?!) habe ich mich mittlerweile abgefunden. Im Supermarkt sprinte ich meist – wenn ich denn dran denke – nur noch kurz zum Regal. Meist werde ich dort hämisch von Leere empfangen oder den falschen Sorten angegrinst. In klassischer Pandemie-Manier schlage ich dann auch zu, wenn ich doch mal Glück habe und lasse den anderen nichts übrig. Es geht hier schließlich ums Überleben. 25 Tüten? Alles MEINS!

Vielleicht ist eine gewisse Prepper-Mentalität gar nicht so verkehrt. Hätte ich die Zeichen nur rechtzeitig gedeutet, könnte ich noch heute Goldbären mit Originalrezeptur vernaschen – haltbar sollten die Dinger ja lange genug sein. Und selbst, wenn nicht. Ein milchiger und harter Goldbär von vor 15 Jahren wäre mir immer noch lieber. Aber hey, „Always change a running system“ oder wie der Spruch auch heißt, nicht wahr?


Zur Person:

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