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Ab 2023 gibt es keinen Saal mehr in der Schankwirtschaft Overmeyer in Steinfeld

Für Juliane und Simon Overmeyer rentiert sich der Festraum auf Dauer nicht mehr. Die Geschwister planen ein Boardinghaus. Die Kneipe mit Clubraum und Biergarten bleibt mit neuem Konzept erhalten.

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Gebäude mit viel Historie: Das Haupthaus der Schankwirtschaft Overmeyer stammt aus dem Jahr 1685. Den Saal gibt es schon mehr als 100 Jahre. Foto: Timphaus

Gebäude mit viel Historie: Das Haupthaus der Schankwirtschaft Overmeyer stammt aus dem Jahr 1685. Den Saal gibt es schon mehr als 100 Jahre. Foto: Timphaus

Die Schankwirtschaft Overmeyer ist eine Institution in Steinfeld. Generationen von Menschen haben in dem familiengeführten Traditionsbetrieb am Rathausplatz ihre Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste gefeiert. Vereine veranstalteten in der Gaststätte jahrzehntelang ihre Bälle und Versammlungen. Die Partys bei "Clemi", wie die Schankwirtschaft Overmeyer auch Jahre nach dem Tod des Kultwirts Clemens Overmeyer (1947 bis 2006) immer noch genannt wird, sind legendär.

Doch nun steht die historische Feststätte – die Kneipe befindet sich im ältesten Haus Steinfelds aus dem Jahr 1685 – vor einem Neuanfang, der gleichzeitig einen tiefen Einschnitt für das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde bedeutet. Die Geschwister Juliane und Simon Overmeyer, Eigentümer der Schankwirtschaft, geben zum Ende dieses Jahres den Saal auf. 

Kneipe, Clubraum und Kaminzimmer bieten künftig Platz für bis zu 100 Personen

Das Gebäude soll ab 2023 von Grund auf zu einem Boardinghaus mit sieben Zimmern umgebaut werden. Die Geschwister begründen die Entscheidung mit der unsicheren Zukunftsperspektive des Saalbetriebs. Diese rechtfertige aus ihrer Sicht nicht die hohen Investitionen, die für die umfangreiche Kernsanierung des Veranstaltungsraums notwendig gewesen wären.

Eine neue Herberge für Steinfeld: Das Boardinghaus von Juliane und Simon Overmeyer am Rathausplatz soll nach der Fertigstellung über sieben vollmöblierte Appartments verfügen. Grafik: Architektur- und Ingenieurbüro Pölking & TheilenEine neue Herberge für Steinfeld: Das Boardinghaus von Juliane und Simon Overmeyer am Rathausplatz soll nach der Fertigstellung über sieben vollmöblierte Appartments verfügen. Grafik: Architektur- und Ingenieurbüro Pölking & Theilen

Kneipe, Clubraum und Biergarten im denkmalgeschützten Hauptgebäude bleiben unterdessen erhalten. Sie werden seit Dezember 2021 bereits mit einem neuen Konzept als Schank- und Speisewirtschaft betrieben.

Juliane und Simon Overmeyer bekräftigen, dass sie sich die Entscheidung nicht einfach gemacht hätten. "Wir haben mindestens ein Jahr innerhalb der Familie über das Thema diskutiert", sagt Simon Overmeyer. Er betont: "Wir hören nicht in Steinfeld auf, sondern passen unsere Kapazitäten an." Kneipe, Clubraum und Kaminzimmer bieten künftig Platz für bis zu 100 Personen. "Das reicht in 90 bis 95 Prozent der Fälle."

"Wir wussten, dass wir etwas tun müssen."Juliane Overmeyer, Eigentümerin der Schankwirtschaft Overmeyer in Steinfeld

Laut Juliane Overmeyer stand am Anfang der Überlegungen der renovierungsbedürftige Saal. "Wir wussten, dass wir etwas tun müssen." Das Saalgebäude wurde nach Angaben der Geschwister letztmals 1988 grundlegend modernisiert. Nach deutlich mehr als 30 Jahren hätten Heizung, Klimatechnik, Dämmung, Innenausbau, Elektrik, Bodenbeläge, Deckenverkleidung und mehr angepackt werden müssen. Dann kam Corona.

Die Pandemie bremste die umtriebigen Geschwister, zu denen sonst noch Philipp Overmeyer zählt, jäh aus. "Vorher haben wir nur malocht, malocht, malocht. Wir steckten voll im System", beschreibt Juliane Overmeyer die Situation. Während der Zwangspause habe man viel Zeit gehabt und alles auf den Prüfstand gestellt, sagt ihr Bruder. Am Ende der tiefgehenden Analyse kamen den Gastronomen laut eigener Aussage arge Zweifel, ob der Saalbetrieb das Geschäftsmodell der Zukunft ist.

Schankwirtschaft, Overmeyer Event mit Schirmbar und Clubhaus, British Yacht Club: Die Geschwister kennen das Business. Sie wissen, dass Feiern heutzutage immer stärker auf ihre Tauglichkeit für Social-Media-Fotos hin beurteilt werden. Die "Instagramisierung" von Hochzeiten und Geburtstagen setzt die Veranstalter unter Druck. "Man muss immer etwas Besonders bieten." Gleichzeitig haben die Overmeyers beobachtet – die Buchungszahlen dienen als Beleg – dass die Feiern kleiner werden, was auch mit den Preissteigerungen in dem Segment zusammenhängt.

Seit Jahrzehnten veranstalten Vereine ihre Bälle und Versammlungen – so wie hier den Sportlerball von Falke Steinfeld – in der Schankwirtschaft Overmeyer. Foto: WenzelSeit Jahrzehnten veranstalten Vereine ihre Bälle und Versammlungen – so wie hier den Sportlerball von Falke Steinfeld – in der Schankwirtschaft Overmeyer. Foto: Wenzel

Saal sorgt für erhebliche Geräuschimmissionen

Kurz gesagt: Juliane und Simon Overmeyer glauben nicht, dass sich für sie eine Sanierung langfristig rentiert hätte. "Wir hätten richtig viel Geld investieren müssen – und dass vor einer unsicheren Zukunftsperspektive", sagt Simon Overmeyer. Auch mögliche Fördermittel, die durchaus lukrativ gewesen wären, hätten nicht zu einem Umdenken geführt. Denn da ist noch ein weiterer Punkt, den die Geschwister anführen: Von dem Saal gehen erhebliche Geräuschimmissionen aus. Laut Juliane Overmeyer hat es in der Vergangenheit einige Konflikte gegeben – Tendenz steigend.

Nun also ein Boardinghaus. Doch was ist das überhaupt? Laut Simon Overmeyer handelt es sich um einen Beherbergungsbetrieb mit vollmöblierten Apartments, welche sowohl für kurze als auch längere Aufenthalte zur Verfügung stehen. Das Angebot richtet sich an Touristen, Zwischenmieter oder Handwerker auf Montage. "Es werden keine langfristigen Vermietungen angeboten."

Boardinghaus soll Angebot in Steinfeld erweitern

Simon Overmeyer gibt an, dass Steinfeld im Landkreis Vechta prozentual über das geringste Beherbergungsangebot verfüge. Durch ein Boardinghaus könnte daher ein weiterer attraktiver Standort im Ortskern geschaffen werden, glaubt er.

Für die Planung des Gebäudes ist das Architektur- und Ingenieurbüro Pölking & Theilen verantwortlich. Zur Investitionssumme machen die Geschwister keine Angaben. Sie sei "sehr hoch", lässt Simon Overmeyer lediglich wissen.

Den Geschwistern ist bewusst, dass ihre Vorhaben nicht überall auf Zustimmung treffen wird. "'Clemi‘ ist eine Projektionsfläche. Der Laden gehört uns nicht alleine. Die Menschen verbinden mit der Gaststätte viele Erinnerungen", sagt Simon Overmeyer. Er wirbt um Verständnis und Unterstützung.

Investitionen in die Schank- und Speisewirtschaft

Schließlich investieren die Gastronomen auch in Kneipe, Clubraum und Co. "Das ist das Herz", sagt Juliane Overmeyer. Man wolle weiterhin gerne das "Wohnzimmer der Steinfelder" sein. "Wir glauben an den Standort." Die Geschwister haben dazu ein neues Konzept entwickelt. Als Koch wurde Mirko Horchler fest angestellt. Die Öffnungszeiten wurden ausgedehnt – und könnten weiter angepasst werden. Overmeyers haben die Küche technisch aufgerüstet und den Boden erneuert.

Die neue Schank- und Speisewirtschaft erhält neues Mobiliar, im Biergarten gibt es demnächst eine neue Verschattung und die Rasenfläche ersetzen die Eigentümer durch eine Holzterrasse.

Familiengeführter Traditionsbetrieb am Rathausplatz: Die Kneipe befindet sich im ältesten Haus Steinfelds aus dem Jahr 1685 (linker Gebäudeteil). 
Foto: M.Niehues
‚Clemi‘ ist eine Projektionsfläche. Der Laden gehört uns nicht alleine. Die Menschen verbinden mit der Gaststätte viele Erinnerungen“, sagt Simon Overmeyer. Foto: Timphaus
Foto: Timphaus

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