Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

91 Coronafälle sind verloren gegangen

91 positive Testergebnisse aus dem Kreis Cloppenburg haben das Landesgesundheitsamt nie erreicht. Grund ist ein Software-Update in Cloppenburg, das die Meldekette unterbrochen hat.

Artikel teilen:

Dem Cloppenburger Gesundheitsamt sind am Donnerstag 65 neue positive Testergebnisse aus 10 Städten und Gemeinden gemeldet worden - betroffen sind abermals besonders Cloppenburg (18 neue Fälle), Emstek (13 neue Fälle) und Cappeln (12 neue Fälle). Den neuen Infektionen stehen 49 Personen gegenüber, die seit Donnerstag als genesen gelten. Damit gibt es aktuell 595 aktive Coronafälle im Kreisgebiet - ein neuer Höchstwert.

Wie Kreissprecher Frank Beumker am Donnerstag mitteilte, sind unter den neuen Coronafällen erneut Mitglieder von freikirchlichen Gemeinden und ausländische Mitarbeiter. Diese hätten sich allerdings bereits als enge Kontaktperson von bereits Infizierten unter häuslicher Quarantäne befunden.

Aufgrund eines Software-Problems in der Kreisverwaltung ist am Donnerstag keine Abbildung zum aktuellen Infektionsgeschehen in den einzelnen Kommunen möglich. Aus diesem Grund kann OM online auch nicht die gewohnte Karte mit den aktuellen Fällen veröffentlichen.

Auf der Suche nach 91 verlorenen Fällen

Unterdessen sind offenbar 91 Coronafälle auf dem Übermittlungsweg von Cloppenburg nach Hannover verloren gegangen. Seit Tagen ist auffällig: Trotz neuer Infektionszahlen auf hohem Niveau (allein von Freitag bis Sonntag wurden 210 Neuinfektionen gemeldet) sinkt die 7-Tagesinzidenz seit dem 19. Oktober. Ein Trend, der sich nicht mit den täglichen Updates von der Cloppenburger Kreisverwaltung deckt.

Während das Cloppenburger Gesundheitsamt am 21. Oktober 1326 Gesamtfälle gemeldet hat, sind in der Statistik vom Landesgesundheitsamt am 22. Oktober nur 1235 Gesamtfälle aufgeführt worden. Wie sind die 91 fehlenden Fälle zu erklären? Auf Anfrage von OM online erklärte das Landesgesundheitsamt, dass man in Hannover in den letzten 3 Tagen nur eine Handvoll neue positive Fälle erhalten habe. Wie Dr. Holger Scharlach, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Landesgesundheitsamt, OM online erklärte, wolle man jetzt aufgrund des Hinweises auf Ursachenforschung gehen - und sich mit dem Gesundheitsamt in Cloppenburg in Verbindung setzen.

Tatsächlich wurde aufgrund unseres Hinweises erst am Donnerstag entdeckt: Ein Software-Update hatte unbemerkt tagelang die Meldekette gestört. Wie Frank Beumker am Nachmittag erklärte, werde jetzt mit Hochdruck daran gearbeitet, das Problem zu lösen. Die fehlenden Fälle müssen nun offenbar nachgemeldet werden, damit sie in die Berechnung der 7-Tagesinzidenz einfließen können. Damit dürfte klar sein: Die Berechnung dürfte deutlich nach oben korrigiert werden.

Die Berechnung der 7-Tagesinzidenz sorgt schon seit geraumer Zeit für Verwirrung. Die nachträglichen Korrekturen, die in der Vergangenheit nicht unerheblich waren und sich sogar über einen Zeitraum von über einer Woche erstreckten, wurden mehrmals vorgenommen.  Für großen Unmut sorgte zuletzt ein "Datenstau" am 9. Oktober. Erst mit einer Verzögerung von 4 Tagen konnte das tatsächliche Infektionsgeschehen im Landkreis Cloppenburg abgebildet werden. Dieses Szenario wird sich wohl schon am Freitag  angesichts der aktuell 91 fehlenden Fälle  wiederholen.

Müssten es nicht mehr Quarantänefälle im Kreis sein?

Aktuell stehen 1127 Einwohner des Landkreises unter häuslicher Quarantäne. Mit Vergleich zum benachbarten Landkreis Vechta wird ein abweichendes Verhältnis zwischen Infektionszahlen und Quarantänefällen deutlich. Die Redaktion hat die Kreisverwaltung mit den Zahlen vom 20. Oktober konfrontiert. Während der Kreis Vechta an diesem Tag 945 Quarantänefälle bei 249 aktiven Infektionen (Verhältnis 1:3,7) gemeldet hat, waren es im Landkreis Cloppenburg "nur" 992 Quarantänefälle bei 558 aktiven Infektionen (Verhältnis 1:1,7).

Dieser einfache Vergleich sei aber so nicht möglich, erklärte Kreissprecher Frank Beumker am Donnerstag. "Kontaktpersonen der Kategorie 1, die in der Quarantäne positiv getestet werden, erhöhen die Zahl der Infizierten, ohne die Quarantänefälle zu erhöhen", erklärte Beumker. Und: "Des Weiteren werden Personen, bei denen per Allgemeinverfügung die Quarantäne angeordnet wird  - zum Beispiel Schulklassen - nicht in der täglichen Statistik bei den Quarantänefällen erfasst. Dabei handelt sich in der Regel um größere Gruppen."

Fristen können nur vereinzelt nicht eingehalten werden

Enge Kontaktpersonen (so genannte K1-Personen) werden nach Angaben des Landkreises derzeit nach ein bis drei Tagen in Quarantäne versetzt, nachdem jemand positiv auf das Coronavirus getestet wurde. "Dies hängt auch teilweise von der Erreichbarkeit von Kontaktpersonen ab", betonte Frank Beumker am Donnerstag. Und: "Aufgrund des aktuell dynamischen Infektionsgeschehens und der stark steigenden Coronafälle kann im Einzelfall die Frist nicht eingehalten werden. Dies gilt insbesondere, wenn Personen erst nach mehreren Versuchen der Kontaktaufnahme erreicht werden können, oder wenn sprachliche Barrieren zu überwinden sind."

Grund der Anfrage von OM online war die Befürchtung eines Betroffenen aus dem Landkreis Vechta, dass die Kontaktermittlungen des Landkreises Cloppenburg nur unzureichend durchgeführt werden. Er selbst hatte sich über seine Frau angesteckt, die in einer Senioreneinrichtung arbeitet. "Nachdem feststand, dass sie positiv ist, wurde ich vom Vechtaer Gesundheitsamt angerufen und umgehend in Quarantäne versetzt", berichtet er. Nachdem sein positives Testergebnis feststand, sei er von der Behörde in Vechta ebenfalls sofort informiert und aufgefordert worden, eine Liste mit Kontaktpersonen anzufertigen.

Der Landkreis habe auch sofort die Kontaktermittlung aufgenommen, um das Infektionsgeschehen unterbrechen zu können. Zehn seiner engen beruflichen Kontakte, die der Kollegen, stammen aber aus dem Landkreis Cloppenburg. Dem Cloppenburger Gesundheitsamt seien diese Daten übermittelt worden und dieses habe auch sofort reagiert, nur anders als erwartet. "Der Landkreis Cloppenburg hat mich auch gleich angerufen, aber nur Fragen zu einer Frau aus Lüsche gestellt", berichtet er. Nachfragen zu den Kollegen seien unterblieben. Diese seien auch nicht durch das Cloppenburger Gesundheitsamt informiert worden.

Der Arbeitgeber habe schließlich zweimal schriftlich beim Landkreis interveniert. Zwischenzeitlich seien die Kollegen aus eigenem Antrieb und auf Kosten des Arbeitgebers zu einer Tierarztpraxis nach Visbek gefahren, um sich testen zu lassen. "Der Landkreis Cloppenburg war innerhalb von zehn Tagen nicht in der Lage, anzurufen oder die Kollegen zu informieren, ob eine Quarantäne besteht oder nicht", beklagt der Betroffene. Erst danach sei die Quarantäne von der Behörde verfügt worden.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt außerdem Personen, die unter Quarantäne stehen, zwischen dem 5. und 7. Tag erneut zu testen. Davon weicht der Landkreis Cloppenburg allerdings ab. Er führt nach eigenen Angaben die zweite Testung am 9. oder 10. Tag der Quarantäne durch. "Damit wird verhindert, dass Kontaktpersonen der Kategorie 1 mit einem positiven Testergebnis aus der Quarantäne entlassen werden", erklärte Beumker.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

91 Coronafälle sind verloren gegangen - OM online