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51 Nachbarn protestieren gegen hohe Neubauten an der Soeste

In der beschaulichen Braker Straße hat die Stadt Cloppenburg in aller Stille 4 Wohnblöcke direkt am Fluss genehmigt. Die Nachbarn erfuhren nichts davon. Jetzt haben sie Widerspruch eingelegt.

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Bauen im Grünen: Die umstrittene Parzelle liegt direkt an der Soeste neben einem idyllischen Wanderweg zum Mühlenteich. Foto: Kreke

Bauen im Grünen: Die umstrittene Parzelle liegt direkt an der Soeste neben einem idyllischen Wanderweg zum Mühlenteich. Foto: Kreke

Der Widerstand gegen neue, hohe Mietshäuser in alten Siedlungen dehnt sich aus in Cloppenburg. Nach der Bürgerinitiative im Inselviertel wehrt sich nun auch eine Anwohner-Gruppe zwischen  der Bether Straße und der Soeste-Niederung gegen die "Nachverdichtung". 51 Anwohner protestieren in einer Unterschriftensammlung gegen den Bau von 4 Blöcken mit insgesamt bis zu 20 Wohnungen an einem Wendehammer in der Braker Straße 14. Ein Ehepaar hat inzwischen förmlich Widerspruch gegen die bereits am 7. Juli erteilte Baugenehmigung der Stadt eingelegt.

Die Nachbarn befürchten (wie im Inselviertel) eine rasche Veränderung ihres Umfeldes in der bisher beschaulichen Siedlung aus Einfamilienhäusern. Das "völlig untypische" Bauvorhaben werde wegen seiner schieren Masse und der hohen Wohndichte den Ausblick auf die schützenswerte Soeste verstellen und die Wohnqualität im ganzen Viertel mindern, heißt es in der Petition, die an den Bürgermeister, den Planungsausschuss des Rates und die Fraktionsvorsitzenden gerichtet ist. Die hohe Grundstücksauslastung bedeute mehr Verkehr, mehr parkende Autos und mehr Lärm auf den schmalen Wohnstraßen und in der Sackgasse, wo die Parzelle direkt an einem Wanderweg zum nahen Mühlenteich liegt.

Bis zu 11 Meter hoch: Soeste wird "abgeschottet"

Für Dr. Sebastian Kreienborg ist das Projekt nur der erste Schritt einer Abwärtsentwicklung. In der Folge könnten auch auf den ähnlich großen Nachbargrundstücken bis zu 11 Meter hohe Blöcke direkt am Wasser errichtet werden, warnte der Sprecher der Anwohner in einem Pressegespräch am Montag. Denn im Fall eines Verkaufs könnten Familien, die lediglich ein Wohnhaus suchen, nicht mit Investoren mithalten, die mit hoher Rendite durch hohe Auslastung kalkulieren. In diesem Fall ist gerüchteweise von gezahlten Quadratmeterpreisen jenseits der 400 Euro die Rede. In alten Wohngebieten, wo nur Einfamilienhäuser zulässig sind, zahlen Interessenten in Cloppenburg inzwischen für eine Baulücke 170 Euro und mehr pro Quadratmeter.

Der Stadt werfen die Nachbarn vor, ihr Recht auf Information und Beteiligung am Verfahren missachtet zu haben. "Die Anwohner haben keine Information und keine Einsicht in die Pläne erhalten", rügt Kreienborg. Nach seiner Darstellung erkundigte sich bereits Ende 2019 ein betroffenes Ehepaar in der Verwaltung nach den Bauplänen. "Die Anfrage ging offenbar im Rathaus unter", berichtet der Mediziner. Als sich die Nachbarn am 28. Juli erneut an die Verwaltung wandten und schriftlich um Aufklärung baten, stellte sich heraus, dass die Stadt schon am 7. Juli die Baugenehmigung erteilt hat. 

Nachbarn nicht informiert: ein Verfahrensfehler?

Für die Anwohner stellt sich damit die Frage, ob womöglich ein Verfahrensfehler vorliegt, der die Gültigkeit der Baugenehmigung erschüttert. So weit will die Stadt offenbar (noch) nicht gehen, aber: Nach Auskunft von Kreienborg hat die Stadt inzwischen in einem Schreiben an den Käufer des Grundstücks darauf hingewiesen, dass ein Baubeginn nur noch auf eigenes Risiko möglich wäre, solange über den Widerspruch noch nicht entschieden ist.

Ein eigenes Bild vom Vorhaben konnte sich am Montagvormittag zum ersten Mal eine 4-köpfige Delegation der Nachbarn bei einem Termin im Planungsamt der Stadt verschaffen, wo sie Einblick in die Genehmigung und die Pläne erhielt. Zuvor sei den Nachbarn eine Kopie der Skizzen verweigert worden, weil angeblich ein Plotter zum Ausdrucken der Unterlagen defekt war, berichtete Kreienborg. Der Sprecher unterstellt dem (neuen)  Planungsdezerneten Björn Drebbermüller keineswegs Absicht. Gleichwohl müsse die Stadt für Versäumnisse in der Bürgerbeteiligung geradestehen, forderte er.

Einzige Zufahrt zum Gelände: Ein Kreisel, der von Einfamilienhäusern gesäumt ist. Die Nachbarn befürchten zugeparkte Wohnstraßen.Einzige Zufahrt zum Gelände: Ein Kreisel, der von Einfamilienhäusern gesäumt ist. Die Nachbarn befürchten zugeparkte Wohnstraßen.

Ob es zu einer politischen Denkpause im Fall der Braker Straße kommt, ist offen. Die Nachbarn drängen auf eine Beratung, die zu einer Veränderungssperre wie im Inselviertel führen könnte. Damit wäre es 3 Jahre lang nicht möglich, Neubauten zu errichten, bis die Politik über einen womöglich überarbeiteten Bebauungsplan neu entschieden hat.

Kreienborg schildert aus den Gesprächen mit dem Chefplaner der Verwaltung allerdings einen anderen Eindruck. Ihm sei erklärt worden, die Baugenehmigung werde zwar dem Planungsausschuss des Rates noch einmal vorgelegt, aber nicht als separater Tagesordnungspunkt, so der Sprecher der Initiative. Dabei sei eine Neubewertung auch im Hinblick auf die Soeste-Niederung notwendig. Andernfalls könnte auf lange Sicht ein "Riegel" aus 3-geschossigen Wohnblöcken den Rand der Niederung abschotten. 

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