Jörg Schlüter packt gerade Kartons. Es sind weit mehr als sieben Sachen. Der 76-Jährige und seine Frau verlassen Vechta und ziehen nach Bremen. Ein Vierteljahrhundert haben die Schlüters in der Kreisstadt im Oldenburger Münsterland gelebt. Vechta war von 1998 bis 2011 der reale Arbeitsplatz des evangelischen Pastors. Die Stadt ist aber auch ein Ort spannenden Verbrecherjagens, zu dem Jörg Schlüter viele andere Menschen mitnimmt. Denn als Hobbyautor hat der Theologe eine treue und überwiegend ortskundige Leserschaft.
Die lässt er natürlich nicht ohne einen letzten und neuen Krimi zurück. "Grüne Bohnen mit Arsen" heißt der jetzt erschienene Titel. Dabei handelt es sich um einen historischen Fall. "Ausgangspunkt waren vor 3 Jahren die Heimatblätter. In ihnen berichtete Reinhard Arkenau über einen Giftmord im Kirchspiel Oythe. Das hat mich inspiriert", erzählt Schlüter. Das Ganze habe sich im Jahr 1867 zugetragen. Ein Neubauer versuchte, in Holzhausen Fuß zu fassen. Gemeinsam mit seinem Sohn gelang das auch. "Der Sohn verliebt sich – ungeheuerlich – in eine Magd, die ein Kind ohne einen Ehemann hat."
Streit schaukelt sich hoch
Für den Vater des Verliebten ein absolutes No-Go. Der Streit zwischen Vater und Sohn schaukelt sich immer weiter hoch. Am Ende ist der Vater tot. Der Arzt stellt fest, dass es sich dabei um einen Giftmord handelt. Der Verdacht fällt auf den Sohn. Der beteuert zwar seine Unschuld. Seine Schwester aber beschuldigt ihn. Der junge Mann landet im Zuchthaus in Oldenburg und nimmt sich dort das Leben.
Schwere Kost also? "Grüne Bohnen mit Arsen" habe durchaus Stellen, an denen man schmunzeln könne, verrät der Autor, der 2012 mit "Tod in der Klosterkirche" sein Debüt gab. Seither hat er etliche Krimis verfasst und auch als Kolumnist für OM-Medien geschrieben. "Bei ,Grüne Bohnen mit Arsen' spielen der Pastor der Kirche St. Marien, der Arzt und ein Polizist wichtige Rollen. Das sind Leute, die wirklich gelebt haben." Was sie allerdings von sich geben, stammt aus Schlüters Feder.
"Grüne Bohnen mit Arsen" ist gespickt mit Macht und Skrupellosigkeit. Es sei damals eben nicht anders gewesen als heute. Aber genug geplaudert, jetzt heißt es, weiter packen. Für Schlüter und seine Frau wird einiges anders werden: In Bremen müssen sie sich nur aufs Rad setzen, wenn eines ihrer Kinder Hilfe braucht. In der Hansestadt leben fünf von ihnen. Insgesamt haben sie sieben (der Pflegesohn gehört längst dazu) Kinder und zwölf Enkel. Lästige Bahnfahrten ade! Da kommt Freude auf. Vermissen wird Jörg Schlüter aber, das weiß er auf jeden Fall, den unkomplizierten Draht zu den Vechtaern und die Frage: "Wann kommt der nächste Krimi?"
- Info: „Grüne Bohnen mit Arsen“ von Jörg Schlüter gibt es in Vechta bei Vatterodt, Lesezeichen und Konerding. Das Buch kostet 8 Euro. Einnahmen sind für karitative Zwecke bestimmt.