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Was Historiker von der Vechtaer Arkebuse wissen

Gefunden wurde 2005 ein „total korrodiertes und verklumptes“ Stück Metall. Als klar war, dass es sich um die Reste einer "Arkebuse" - eines alten Gewehres - handelt, schlug das Historikerherz höher.

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Museumsleiter Kai Jansen mit der Kopie einer historischen Abbildung, auf der eine Arkebuse zu sehen ist. Foto: Heinzel

Museumsleiter Kai Jansen mit der Kopie einer historischen Abbildung, auf der eine Arkebuse zu sehen ist. Foto: Heinzel

Dieses seltene Stück braucht viel Zuwendung: Die Vechtaer Arkebuse soll demnächst wieder in die Dauer-Ausstellung des Museums im Zeughaus zurückkehren. Aktuell lagert sie im klimatisierten Teil des Außen-Depots des Museum im Zeughaus. Anfang 2019 war entdeckt worden, dass die historische Schusswaffe in vier bis fünf Teile zerbrochen war, berichtet Kai Jansen, der Leiter des Museums. Eine Restauratorin konnte den Schaden inzwischen beheben.

Es sei schwierig, in einem historischen Gebäude wie dem Zeughaus ein konstantes Raumklima zu schaffen, sodass es keine Schwankungen bei der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit gebe, erläutert der Museumsleiter. Für dieses Problem habe das Museum aber bereits eine Lösung ins Auge gefasst. Um das historische Fundstück vor weiteren Schäden zu schützen, muss es in einem konstanten Mikroklima aufbewahrt werden.

Museumsleiter Kai Jansen zeigt den Standort der Burg Vechtabrauf einem historischen Stadtplan von 1578. Fotos: Heinzel
Das ist die Nachbildung einer Arkebuse. br
Kai Jansen demonstriert, wie der Vorderlader bedient wird. br
Das Luntenschloss ist gut zu erkennen. Der Glanz kommt von einem aufgetragenen Naturharz, das dem Schutz des Objektes dient.
Kai Jansen zeigt eine der reparierten Bruchstellen.
Die Vechtaer Arkebuse (vorne) und eine Arkebusennachbildung
Kai Jansen mit der Kopie einer historischen Abbildung, auf derbreine Arkebuse zu sehen ist.

Die Arkebuse ist Teil der Vechtaer Stadtgeschichte. Sie wurde im August 2005 während der baubegleitenden Ausgrabungen beim Niels-Stensen-Werk entdeckt. Bei dem Fundort handelt es sich um den Burggraben der ehemaligen Hauptinsel der Burg Vechta, die dort bis zu ihrem Abriss 1689 stand. Eine Rekonstruktion der Drei-Insel-Burganlage findet sich heute im Zitadellenpark der Stadt.

Es war ein „total korrodiertes und verklumptes“ Stück Metall, so Kai Jansen, der vor zwei Jahren von Axel Fahl-Dreger die Museumsleitung übernahm. Nachdem der Fund damals geröntgt und genauer untersucht wurde, war klar, dass es sich um eine Arkebuse beziehungsweise um deren Überreste handelt. Denn übrig geblieben ist von der Waffe nur der Lauf samt Luntenschloss.

Hypothesen zur Geschichte der Waffe

Damals erkannten die Forscher auch, dass im Lauf des über einen Meter langen Vorderladers noch eine Bleikugel steckt. Wie die Waffe in den Burggraben kam, das ist unklar. „Wir können nur vermuten“, erklärt Kai Jansen. Die Arkebuse wurde in einem so genannten „Zerstörungshorizont“ gefunden. Dies deute auf einen Konflikt oder eine kriegerische Auseinandersetzung hin.

Damals, also Ende des 16. Jahrhunderts, war die Arkebuse eine mobile Angriffswaffe, die häufig von der Kavallerie eingesetzt wurde. Dieser Truppenteil trug dann mit der Bezeichnung Arkebusierreiter auch den Namen seiner Waffe. Es gibt Hypothesen zur Geschichte der Waffe, aber Kai Jansen stellt fest: „Das sind Gedankenspiele. Uns fehlen einfach Belege.“

 Vorläufer war die Hakenbüchse

Das Museum besitzt auch den Nachbau einer solchen Schusswaffe. Diese Arkebuse ist aber nicht zu 100 Prozent identisch mit dem Fundstück, bei dem zudem nur die Metallteile zurückblieben. Der Vorläufer der Arkebuse war übrigens die Hakenbüchse. Ein zwischen sieben und 25 Kilogramm schweres „Gewehr“ mit einem Haken am Lauf. Dieser Haken konnte auf einer Mauer oder etwas ähnlichem eingehakt werden um den enormen Rückstoß der Waffe zu mildern. Die Franzosen nannten die Waffen in einer Verballhornung des Wortes Hakenbüchse arquebuse. Dieser Begriff fand dann wiederum Eingang in den deutschen Sprachgebrauch. Die späteren leichteren und mobileren Modelle der Arkebuse hatten keinen Haken.

Wann die Vechtaer Arkebuse wieder im Zeughaus ausgestellt wird steht noch nicht fest.

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