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Vördener spielen seit 50 Jahren plattdeutsches Theater

Die Laienschauspieler der "Speeldeel Vörden" feierten im kleinen Rahmen ihr Jubiläum – und blicken zurück. Im kommenden Jahr steht eine Neuauflage an.

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Auf die neue Theatersaison freuen sich die Vorstandsmitglieder: Marion Brörmann (von links), Roswitha Buck und Karsten Krämer. Foto: Ebenthal

Auf die neue Theatersaison freuen sich die Vorstandsmitglieder: Marion Brörmann (von links), Roswitha Buck und Karsten Krämer. Foto: Ebenthal

Das per Schreibmaschine getippte Protokoll der Gründungsversammlung vom 14. April 1972 im Gasthof Wellmann hat Schriftführerin Marion Brörmann beim Pressegespräch dabei. Der damalige Versammlungsleiter Josef Strieker, heute bekannt als Vördens „Nachtwächter“ wurde der erste Vorsitzende des Vereins, der sich aus Theater erprobten Mitgliedern von Landjugend, MGV Vörden, Freiwilliger Feuerwehr und Kolpingsfamilie Vörden zusammenfand.

Seit 1994 ist Marion Brörmann im Vorstand, gespielt hat die heute 54-Jährige bereits bei den „Kinderspielen“, die in den Anfangsjahren zusätzlich aufgeführt wurden. Karsten Krämer ist seit 1996 Kassenwart und hat auch dreimal auf der Bühne gestanden, als „singender Butler“, als „Fensterputzer“ und als „Charmeur“, wie er sich schmunzelnd erinnert. Sarah Schmitz ist mit 34 Jahren die Jüngste im Vorstand, das aber auch schon seit 2010, nachdem sie 2007 erstmals mitgespielt hatte. Vorsitzende seit 2006 ist Roswitha Buck. Die 67-Jährige ist eines der 14 Gründungsmitglieder. Rund 65 passive und aktive Mitglieder sind es heute, 22 Mitglieder sind bereits verstorben, weiß die Vorsitzende.

Die Gründungsmitglieder (von links) Roswitha Buck, Johannes Wellmann, Wilhelm Buschemöhle, Joseph Strieker, Monika Strieker und Hildegard Möller wurden bei der Jubiläumsfeier geehrt, es fehlt Gertud Stahl. Foto: Krämer.Die Gründungsmitglieder (von links) Roswitha Buck, Johannes Wellmann, Wilhelm Buschemöhle, Joseph Strieker, Monika Strieker und Hildegard Möller wurden bei der Jubiläumsfeier geehrt, es fehlt Gertud Stahl. Foto: Krämer.

20 D-Mark Prämie

Sehr viel Interessantes findet sich in den alten Unterlagen. Haarklein wurde früher alles protokollarisch festgehalten. Sogar das plötzliche Gewitter beim Maigang mit spontanem Unterschlupf, der feuchtfröhlich endete. 20 D-Mark bekamen die Spieler in den Anfangsjahren als Prämie, später durch Beitragsfreiheit ersetzt. Heute zahlen alle – aktiv oder passiv – 12 Euro im Jahr. Jahrzehntelang wurde im Saal Wellmann gespielt. Zunächst immer in der Adventszeit, denn damals gab es noch keine Weihnachtsmärkte und Betriebsfeiern. Inzwischen gibt es die Aufführungen immer vor Ostern.

Als nach Umbauarbeiten die Bühne bei Wellmann verschwand, zogen die Laienspieler 2 Jahre in die Schützenhalle Hinnenkamp um und haben seit 1998 die Schützenhalle Vörden als Spielort. Hier gibt es bis zu 160 Sitzplätze an Tischen. Karsten Krämer lobt ausdrücklich die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Schützenverein Vörden, der dem Verein „sehr kulant“ bei der Hallenmiete und der nicht immer leichten Terminabsprache „entgegenkommt“. Auch die erstmalige Nutzung der mobilen Bühne der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden sehen die Vorstandsmitglieder als Vorteil an. Dass nicht nur viel Zeit in das Einüben der Stücke und den Bühnenaufbau gesteckt werden muss, sondern auch Lizenzgebühren fällig werden, wissen wohl die wenigsten. Mindestgebühr der Verlage pro Stück 75 Euro, berichtet der Kassenwart. Dazu kommen 10 Prozent der Einnahmen und 12 Euro pro Buch für jeden Mitspieler. Geld für Plakate wird inzwischen eingespart.

Schwieriges Plattdeutsch

Das „alle kein Plattdeutsch von Haus aus“ können, ist für die Mitspieler kein Problem. Wohl aber die Stückauswahl. Das Plattdeutsch „aus dem Moormerland ging gar nicht“, berichtet Marion Brörmann. Etwas umgeschrieben wird nahezu immer. Manchmal sind teils entscheidende Schlagwörter völlig unbekannt. Roswitha Buck nennt schmunzelnd Beispiele. Sie weiß jetzt, dass „simmeleiern“ grübeln bedeutet oder „spitz uphocket“ ein „zur Geltung gebrachter Busen“ ist. Viele Anekdoten und zahlreiche Ausflugsfahrten, zum Beispiel zum Ohnsorg-Theater nach Hamburg, verbinden die Mitglieder. Gemeinsam besucht werden auch die umliegenden Laienspielaufführungen anderer Vereine.

Mit dem Stück De Wunnerdoktor“ amüsierte die Speeldeel vor 35 Jahren das Publikum. Von links: Klaus Stuwe, Guido Lotte, Marianne Knebel, Uwe Knebel, Gudrun Kenning, Ulrich Schröder, Dieter Lotte, Agnes Buck und Gerhard Wallenhorst. Foto: KrämerMit dem Stück „De Wunnerdoktor“ amüsierte die Speeldeel vor 35 Jahren das Publikum. Von links: Klaus Stuwe, Guido Lotte, Marianne Knebel, Uwe Knebel, Gudrun Kenning, Ulrich Schröder, Dieter Lotte, Agnes Buck und Gerhard Wallenhorst. Foto: Krämer

Stück von 2020 aufgenommen

Zweimal hieß es im März 2020 „Doswidanja Anja“ – dann kam der Lockdown. 2021 gab es wegen Corona kein Theater in Vörden. Marion Brörmann erzählt, dass auch 1973 die Aufführungen ausfielen. Schuld war damals die Ölkrise. „Spielt ihr eigentlich noch Theater“, das sei sie des Öfteren schon gefragt worden, berichtet Roswitha Buck. Vor allem als ein Container vor der Schützenhalle stand, weil die Requisiten nach vielen Jahren mal „ausgemistet“ wurden, häuften sich die Anfragen. Doch natürlich geht es auch nach 50 Jahren mit der Speeldeel weiter.

Die nächste Premiere ist am 25. März um 19 Uhr mit „Doswidanja Anja“, dem Stück aus 2020 in der gleichen Besetzung, mit Anke Eisele als enterbte „Rita“ in der Hauptrolle. Gründungsmitglied Willi Buschemöhle ist auch dabei – allerdings nur als Stimme vom Tonband, die den „letzten Willen“ kundtut. Weitere Aufführungen sind am 26. März um 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen, am 1. April um 19 Uhr und am 2. April um 17 Uhr –endlich wieder alles wie immer bei der Speeldeel Vörden.

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