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Vechtaer Brinkmann-Stiftung startet mit 100.000 Euro Kapital

Die Stifter haben die Gründung der Kulturstiftung am Dienstag mit ihrer Unterschrift besiegt. Die Initiative hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt.

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Offizieller Akt: Die Stifter, hier Jan Statkus und Silke Suding, besiegelten die Gründung mit ihrer Unterschrift. Foto: Chowanietz

Offizieller Akt: Die Stifter, hier Jan Statkus und Silke Suding, besiegelten die Gründung mit ihrer Unterschrift. Foto: Chowanietz

27 Stifter haben am Dienstagabend im historischen Ratssaal der Stadt Vechta die Gründung der Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann besiegelt. Das Stiftungskapital ist zum Auftakt sechsstellig: Die Gründer haben der Initiative mit ihrer Unterschrift unter die Urkunde insgesamt 100.001,08 Euro Kapital zugesagt.

Mit der Gründung kann der Vorstand die Arbeit aufnehmen. Ziel der Stiftung ist vor allem, den namensgebenden Schriftsteller in seiner Heimatstadt Vechta wieder bekannter zu machen und sein geistiges Erbe zu bewahren. Dazu gehört auch eine Sammlung mit Nachlässen von Weggefährten des 1975 bei einem Unfall getöteten Dichters. Die Sammlung soll so schnell wie möglich in einem "Kulturhaus Rolf Dieter Brinkmann" zu sehen sein.

Vorsitzender der neuen Stiftung ist der Vechtaer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Jan Statkus, sein Stellvertreter der Leiter der Brinkmann-Arbeitsstelle der Uni Vechta, Professor Markus Fauser. Außerdem im Vorstand mitarbeiten werden Barbara Niemann, Silja Meerpohl, Timo Schrand, Ulrich Suffner und Dr. Klaus Berding. 

"Das ist erst der Beginn"

Alle Gründungsmitglieder sind automatisch Mitglieder im Stiftungskuratorium – der Vorstand ausgenommen.  Den Vorsitz des Aufsichts- und Begleitgremiums übernimmt der Vechtaer Kaufmann Uwe Heider, seine Stellvertretung die Medizinerin und frühere Ratsfrau Dr. Christa Kiene-Schockemöhle. Der Bürgermeister der Stadt Vechta, Kristian Kater (SPD), ist laut Satzung per Amt automatisch kooptiertes Kuratoriumsmitglied.

Für die Initiatoren, Vechtas früheren Bürgermeister Uwe Bartels und den früheren Wernsing-Geschäftsführer Bernard Suding, ist die Gründung ein großer Erfolg. Sie hatten erst Mitte Juni bei einem ersten Treffen um Mitstreiter geworben. Die Stiftungs-Satzung steht in Rekordzeit. Dafür hatte unter anderem Josef Kleier gesorgt. Der Jurist hatte bereits die Vechtaer Bürgerstiftung mit aus der Taufe gehoben.

Der Beginn: Initiatoren und Stifter haben am Dienstagabend im alten Rathaus die Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann gegründet. Foto: ChowanietzDer Beginn: Initiatoren und Stifter haben am Dienstagabend im alten Rathaus die Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann gegründet. Foto: Chowanietz

Auch damals gehörten Bartels und Suding zu den treibenden Kräften. Bartels sagt am Dienstagabend bei der Gründungsversammlung deshalb aus Erfahrung: "Das ist erst der Beginn, ein Startschuss".

Brinkmann soll Identität stiften

Das Vechtaer Rathaus ist dabei ein wichtiger Partner. Die Initiatoren haben eine klare Vorstellung: Die Stadt soll der Stiftung eine Immobilie für das Brinkmann-Haus zur Verfügung stellen. Kater ist bei den Zusagen aber zurückhaltend. Von einem ganzen Haus wollte er bei der Gründungsversammlung nicht sprechen: Es gebe Räumlichkeiten ganz in der Nähe des Rathauses, in denen Fauser in Zukunft arbeiten und die Vechtaer Brinkmann-Sammlung gezeigt werden könne.

Kater zeigte sich beeindruckt, wie schnell die Initiatoren die Gründung auf den Weg gebracht hatten – "in nur zweieinhalb Monaten". Und er signalisierte Unterstützung: "Ich glaube, dass Brinkmann Vechta guttut, dass er Identität stiften kann." In der Heimatstadt des jung verstorbenen Schriftstellers fehle es noch an Anerkennung. Das soll sich ändern.

Stolz zeigte sich Bartels und Suding, dass auch der Neffe des Lyrikers, Roland Brinkmann aus Hildesheim, ein Gründungsmitglied der Stiftung ist. Dies sei eine besondere Anerkennung.

Das Kapital muss bleiben

Die Brinkmann-Arbeitsstelle an der Uni Vechta hat in den vergangenen Jahren eine Sammlung an Nachlässen mit zahlreichen Briefen und Texten Brinkmann zusammengetragen. Fauser war maßgeblich daran beteiligt, musste aber immer Geld kurzfristig Geld einwerben, um überhaupt Nachlässe kaufen zu können. Seine Arbeitsstelle hat dafür kein Budget. Durch die Stiftung soll sich das jetzt ändern. Das Kapital muss bei der Ewigkeitsstiftung aber unberührt bleiben – es darf lediglich wachsen. Die gemeinnützige Stiftung kann nur mit den Kapitalerträgen oder Spenden aktiv werden.

Der am 16. April 1940 in Vechta geborene Brinkmann genießt heute als Schriftsteller hohe Anerkennung. Er arbeitete seit den frühen 1960er Jahren als freier Autor. In rascher Folge erschienen Gedichtbände, Erzählungen, Essays und der schonungslose, stark autobiografisch geprägte Eheroman „Keiner weiß mehr“. Er starb 1975 mit 35 Jahren als ihn in London ein Auto überfuhr. Sein wichtigster Gedichtband „Westwärts 1&2“ erschien erst nach seinem Tod.

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