„The Narrator“ setzen mit ihrem Debüt ein Ausrufezeichen
Der Kulturtipp: Mit „Lore“ hat sich die Band aus dem Ruhrgebiet fest in der Metalcore-Szene etabliert. Doch am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
Julian Röben | 25.09.2024
Der Kulturtipp: Mit „Lore“ hat sich die Band aus dem Ruhrgebiet fest in der Metalcore-Szene etabliert. Doch am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
Julian Röben | 25.09.2024

Foto: The Narrator
Nach 8 Jahren Bandgeschichte hat sich die Metalcore-Band „The Narrator“ aus Essen im Herzen des Ruhrgebiets dazu entschlossen, mit „Lore“ endlich ihr Debütalbum zu veröffentlichen. Und was für eines. Mit brachialen Sounds, prägnanten Riffs und melodischen Gesangsparts treffen die Musiker genau den Zeitgeist von modernen Metalcore und Melodic Hardcore. Der erste Song „Breach“ ist der perfekte Opener für das Album. Er beginnt sanft mit einem atmosphärischen Intro, das sich langsam aufbaut – bis es am Ende richtig knallt. Auch inhaltlich geben „The Narrator“ schonend die Richtung des Albums vor. Zeilen wie „Without the breach, it will always stay like before“ („Ohne den Bruch wird es immer so bleiben wie vorher“) weisen den Hörer darauf hin: Jetzt könnte es scheppern. Und dann scheppert es direkt. „Purgatory“ setzt genau da an, wo „Breach“ aufhört. In einem nahtlosen Übergang setzen „The Narrator“ die Marschrichtung fort. Auf laute Parts mit energischen Shouts folgt ein eingängiger und melodischer Refrain, den man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt. Dieses Schema wenden die Essener fast schon formelhaft auf die meisten ihrer Stücke an: Wilde Klänge und harte Parts, laute Gitarren und schnelle Drums treffen auf harmonische, fast versöhnliche Refrains mit klarem Gesang. Trotzdem wirken die meisten Songs nicht austauschbar – jeder hat seinen eigenen Stil, mit dem er zur Geschichte von „Lore“ beiträgt, auch wenn der Stil auf Dauer etwas vorhersehbar wirkt. Etwas mehr Abwechslung in der Songdynamik hätte dem Album nicht geschadet. Besonders hervorzuheben ist „The Witch“; in dem Stück sind auch die Hamburger Nu-Metalcore-Band „Half Me“ zu hören. Wer klaren Gesang sucht, wird nicht fündig werden. Zweifellos der härteste Song des Albums, der mit einem brutalen Breakdown als vorletzter Song noch einmal eine gewaltige Ladung Energie auf den Hörer loslässt. In „Stained Glass Reality“ sind Klänge zu hören, die bedauernd und verzweifelt, vor allem aber resigniert klingen. Eine willkommene Abwechslung. Inhaltlich geht es um Orientierungslosigkeit, sich im eigenen Gefängnis verirrt zu haben und keinen Ausweg zu sehen. Mit „Elwood Stray“, ebenfalls eine Essener Metalcore-Band, begrüßen „The Narrator“ einen weiteren Gast auf ihrem Album. Auf „No Answer“ schießen die Ruhrpottler in alle Richtungen – und liefern einen energetischen Höhepunkt des Albums, der noch eine Spur seichter daherkommt als etwa „The Witch“. „Impaled“ beschließt das Album. Und so klingt der Song auch, unter anderem mit sanften weiblichen Backvocals. Mit der letzten Zeile des Albums, „not every story has been told“, wird klar, dass „The Narrator“ noch einiges mehr im Köcher haben. Natürlich hat jede Geschichte ein Ende. „The Narrator“ haben ihr Ende zum Glück noch nicht erreicht. Und nachdem die letzten Töne von „Impaled“ verklungen sind, fällt dem Hörer sofort ein weiteres kleines Manko des Albums auf: Es ist viel zu kurz. Nach nicht einmal einer halben Stunde ist die nervenaufreibende Geschichte schon wieder vorbei – dabei hätte sie gerne noch etwas länger erzählt werden dürfen. Nach 28 Minuten hat man nicht das Gefühl, unbedingt eine Pause machen zu müssen. Auch die Songs hätten für die kurze Spielzeit gerne vom bekannten modernen Metalcore-Schema abweichen dürfen. Nichtsdestotrotz ist „Lore“ ein überaus gelungenes Debütalbum, das sich Freunde des Genres auf jeden Fall zu Gemüte führen sollten.
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