Sprayen gegen Rassismus: Studenten gestalten Außenwand an der Uni Vechta
Nils Freye hatte eine Idee: Der Künstler möchte mit Spray-Kunst Alltagsrassismus und Diskriminierung in den Vordergrund rücken und dafür sensibilisieren. Nun sind seine Werke zu bestaunen.
Nils Freye hatte die künstlerische Leitung bei dem Antirassismusprojekt von ContRa e.V und Uni Vechta. Foto: Heinzel
Bender aus der Zeichentrickserie Futurama trägt ein Tutu. Der „zweifelhafte und sexistische Charakter“ komme so anders als gewohnt daher, meint Robin Masemann. Der Student hat diesen Teil eines Wandbildes gesprayt. Das 30 Meter lange Kunstwerk ist das Ergebnis eines Anti-Rassismus-Workshops und befindet sich auf einer Außenwand beim R-Gebäude der Uni Vechta.
Nils Freye hatte vor etwa einem Dreivierteljahr die Idee zu der Aktion und konnte diese gemeinsam mit ContRa e.V. und der Zentralen Einrichtung Gleichstellung & Diversität (ZEGD) der Universität Vechta in Form eines kostenlosen Street-Art-Workshops umsetzen. Gefördert wurde die Maßnahme mit rund 5000 Euro von der Partnerschaft für Demokratie Vechta aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, berichtet der Künstler.
Drei Ziele verfolgten die Organisatoren: die inhaltliche Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus und Diskriminierung, welche im Idealfall zu einer Sensibilisierung für Erfahrungen und Perspektiven Betroffener führt. Die Vermittlung von Street-Art als hochmoderner, gesellschaftskritischer Kunstform und deren handwerkliche Techniken. Und schließlich eine langfristige Sichtbarkeit des Wandbilds, damit ein nachhaltiges Statement gegen rassistische Ausgrenzung und Diskriminierung gesetzt ist.
Mafalda está aquí – also Mafalda ist hier und zwar mit einem Pflaster für den verletzten Globus. Foto: Heinzel
30 Meter Wand standen zur Verfügung und das Ergebnis setzt ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus. Foto: Heinzel
Am Anfang stehen die Organisatoren des Anti-Rassismus-Workshops. Foto: Heinzel
Mit einer kleinen Katze und ihrem Wollknäueln fängt es an und die erste Protagonistin springt aus der Norm. Foto: Heinzel
Mafalda ist hier und spricht sich für Freiheit und Respekt aus. Foto: Heinzel
Homer Simpson scheint blind für die neuen Begebenheiten. Foto: Heinzel
Ein Band verbindet die einzelnen Bilder und jeder abgebildete Charakter interagiert anders mit dem Verbindungselement. Foto: Heinzel
Die einzelnen Bilder können unterschiedlich interpretiert werden. Zerreißt die Protagonistin das Band oder überbrückt sie den Riss? Foto: Heinzel
Robin Masemann war für Bender und den alten, weißen Mann verantwortlich. Foto: Heinzel
Klischees werden künstlerisch gebrochen. Foto: Heinzel
Ein Herz als Eyecatcher am Eingangsbereich gegenüber vom Haupteingang der Universität Vechta. Foto: Heinzel
Robin Masemann war direkt Feuer und Flamme für das Projekt. Graffiti ist eine Leidenschaft des Studenten. Darüber hinaus konnte er auf gesellschaftliche Themen aufmerksam machen, die derzeit zu kurz kämen. Der 30-Jährige geht jeden Tag an dem entstandenen Kunstwerk vorbei und bestaunt das Ganze. Dabei nimmt er gerne Kommilitonen mit, um auf die Wand und ihre Botschaft aufmerksam zu machen.
Der Workshop fand Anfang Oktober mit zehn Teilnehmern, die sich an 5 Tagen jeweils für 5 Stunden trafen, statt. In den ersten beiden Tagen ging es darum, das Bild und seine Botschaft zu konzeptualisieren. „Das war ein guter Prozess“, sagt Sebastian Ramnitz von ContRa e.V. und fährt fort: „Die Teilnehmenden konnten sich dort wiederfinden und eigene Ideen einbauen.“ Beispiele seien die argentinische Comic-Heldin Mafalda oder der Roboter aus Futurama. „Ich finde es gut, wenn Klischees deutlich gebrochen werden“, sagt Sebastian Ramnitz und setzt hinzu: „Ich finde es schön, wenn solche Projekte und ihre Ergebnisse zum Nachdenken anregen.“ Das Kunstwerk biete reichlich Gelegenheit dazu.
Es wurde freihändig gesprayt. Die Künstler verbinden ihre Bilder und Charaktere über ein Band, das sich vom Anfang bis zum Ende durch das Kunstwerk zieht. Die Farben der einzelnen Elemente ergeben die LGBT-Flagge. Dabei wird eine Geschichte erzählt. Jeder Charakter interagiert mit dem Band. Die erste Person ist beim Seilspringen zu sehen, und um sie herum steht „Spring aus der Norm“, und so geht es weiter. Es gibt im gesamten Bild Interpretationsspielräume. Betrachter können auf eine aufschlussreiche Entdeckungsreise gehen und ihre eigenen Gedanken entwickeln. Am Ende ergeben die einzelnen Buchstaben den Begriff SOCIETY. So verbinde das Projekt Gesellschaftskritik, politische Bildung und moderne, öffentlichkeitswirksame Kunst im städtischen Raum.
Die Wand liegt ein wenig versteckt neben dem R-Gebäude der Universität Vechta. Foto: Heinzel
Dafür sei Sprayen gut geeignet, berichtet Sebastian Ramnitz. „Das gibt es schon relativ lang und kommt aus dem politischen Kontext.“ Über das Sprayen komme man mit der Jugend einfacher und auf eine andere Art ins Gespräch. Werte und die eigene Haltung könnten darüber reflektiert werden. Ein Problem, vor dem allerdings solch eine Aktion immer steht, sind fehlende Flächen im öffentlichen Raum. Auch Julian Hülsemann von der Partnerschaft für Demokratie sieht solche Workshops als ein gutes Instrument der Jugendarbeit, das in größeren Städten stärker verbreitet sei. Mit dem Ergebnis setze man ein Statement und schaffe eine Sichtbarkeit für Probleme, berichtet Julian Hülsemann.
„Es ist ein Supermedium für große Flächen und schnelle Effekte“, sagt Nils Freye. Zudem verzeihe es mehr, Fehler könnten leicht ausgebügelt werden. Er hoffe, dass das geschaffene Kunstwerk möglichst lange zu sehen sein wird. Darunter Mafalda, die einem verletzten Globus mittels eines Pflasters helfen möchte. Die Worte Libre (Freiheit) und Respeto (Respekt) rahmen das Geschehen ein.
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