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#SevenDaysWalking – Eine Woche Urlaub mit Einaudi

Kolumne: Irgendwas mit # - Wer wandert, egal ob bei Regen oder Sonnenschein, findet seine Erlebnisse widergespiegelt in der Musik des neoklassischen Komponisten Ludovio Einaudi. Ein Spaziergang.

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Ob grau verhangen, von Nebel umhüllt, bei prasselndem Regen oder strahlendem Sonnenschein: Wandern ist eine Passion. Durchs Gehölz oder über saftig grüne Wiesen, im Einklang mit der Natur. Obschon manche Jahr für Jahr den einen Pfad gehen, ist er in Wahrheit nie derselbe. Weil Natur stetige Veränderung ist. Winzig kleine Variationen. Immer neu - und doch gleich.

Einprägsame Eindrücke, die auch dem Neoklassik-Komponisten Ludovico Einaudi widerfahren sein dürften. Aus des Müllers Wanderlust zog der Italiener nämlich seinen musikalischen Nutzen. Die magische Zahl: 7. Sieben Platten in sieben Monaten. Über das Gehen in der Natur. Mit dem Album „Seven Days Walking“ formte der 64-Jährige aus Impressionen Expressionen. Kurzum: Einaudi wanderte einfach. Wieder und wieder den gleichen Weg. Zum Trotz aller Wetterwechsel und zu allen Jahreszeiten.

Zuhause angekommen, verwandelt er die Wahrnehmungen in sanften, webenden Klang. Jedes Stück erzählt seine Geschichte. Einzelne Stationen, bleibende Aufnahmen. Gleiche Strecke, anderer Weg. Variationen des einen Pass. Vom widerspenstigen Schreiten durch eisigen Wind (Cold wind variations) bis zum sanften Tapern durch diesige Felder (Low mist variations). Oft sind es nur drei bis vier Töne am Klavier, die ausreichen. Terzen und Quinten. Den Hörer stets eng bei der Seite. Hier und da tänzeln Schmetterlinge (Golden butterflies Variations) durch die warme Frühlingsluft. Mal folgen die schwingenden Saiten des Flügels und Violinen der Spur eines Fuchses (Fox tracks).

"Sein Wanderroman erzählt die Geschichte eines Wald- und Wiesenspaziergangs. Eine mentale Reise, die in Zeiten von Corona Wunder wirkt."Max Meyer

Mit Zwischenstopps am knisternden Lagerfeuer (Camp Fire), gepaart mit melancholischen Melodien, lädt Einaudi zum Ausruhen ein. Brachiale Klänge bleiben aus, wenngleich Einaudi den Spuren der versteinerten Urtierchen mit einem beinahe dramaturgischen Cresendo, verstärkt durch melodische Bass-Oktaven, nachgeht (The path of the fossils).

Mit dem Titel „Ascent“, der wohl das Emporsteigen auf Berge toniert, liefert der durch die Filmmusik zu „Ziemlich beste Freunde“ populär gewordene Achtsamkeits-Musiker einen buchstäblichen Evergreen, der mit jedem Schritt zur Gipfelspitze tiefer ins Trommelfell wandert.

Sein Wanderroman erzählt die Geschichte eines Wald- und Wiesenspaziergangs. Eine mentale Reise, die in Zeiten von Corona wahre Wunder wirkt. Der gebürtige Turiner variiert bewusst, gekonnt, klassisch, aber eben neoklassisch. Ihm langweilige, sich wiederholende, musikalische Themen vorzuwerfen, greift zu kurz. Seine Klamotte ist nicht wie falsch aus dem Kleiderschrank gegriffen und zusammengewürfelt. Nein. Einaudi horcht seinem eigenen musikalischen Echo, das ihm in den Bergen Bayerns den Weg zu Seven Days Walking wies. Nach seinem Debüt-Album "Le Onde" im Jahr 1996 krönt der mit Greenpeace eng zusammenarbeitende Künstler seine Verbundenheit zur Natur mit seinem Jubiliäumswerk: Mit "Seven Days Walking" nullt Einaudis Diskografie zum ersten Mal. Allerdings liefert er damit keineswegs eine Nullnummer - vielmehr eine Glatte 1.


Zur Person: 

  • Max Meyer ist Volontär bei der OV.
  • Den Autoren erreichen Sie unter info@om-online.de.

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